Havarie auf der Elbe Historisches Segelschiff sinkt nach Zusammenstoß mit Frachter

Vor Stade ist ein historischer Segler mit einem Containerschiff kollidiert und gesunken. Dass alle 43 Personen gerettet werden konnten, ist einem glücklichen Zufall zu verdanken.

Bodo Marks/ DPA

Am Samstag ist ein aufwendig sanierter historischer Lotsenschoner in der Elbe mit einem Containerschiff zusammengestoßen. Das Schiff konnte noch Richtung Ufer abgeschleppt werden, wo es unterging. Bei dem Unfall waren 43 Menschen an Bord. Sieben Personen wurden nach Angaben der Feuerwehr verletzt, davon zwei mittelschwer und fünf leicht.

Das historische Holzschiff "No 5 Elbe" war erst Ende Mai nach einer aufwendigen Restaurierung für rund 1,5 Millionen Euro in den Hamburger Hafen zurückgekehrt und konnte für Ausflugsfahrten gebucht werden. Nach Angaben der Polizei kollidierte es gegen 14.30 Uhr ungefähr auf Höhe Stadersand mit dem 141 Meter langen Containerschiff "Astrosprinter", das unter zyprischer Flagge in Richtung Nordsee unterwegs war.

"Dass die Havarie nicht in einer Katastrophe endete, war einen glücklichen Fügung zu verdanken", schreibt die Feuerwehr Stade in ihrem Einsatzbericht. DLRG und Stader Feuerwehr waren kurz zuvor alarmiert worden, weil ein Segelboot auf eine Uferbefestigung aufgelaufen war. Wie sich herausstellte, benötigte der Segler keine Hilfe, sondern konnte auf Hochwasser warten.

Helfer beobachten zufällig Kollision

Von ihren Booten aus beobachteten die Helfer von DLRG und Feuerwehr jedoch, wie der Lotsenschoner und das Containerschiff kollidierten. Die DLRG schleppte den Schoner daraufhin Richtung Ufer ab, während das Feuerwehrschiff Verletzte aufnahm. "Im letzten Moment erreichte der Schleppverband die Schwingemündung in Stadersand, das Segelschiff hatte bereits eine bedrohliche Schieflage erreicht", heißt es in dem Einsatzbericht.

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Fotostrecke: Der Untergang der "No 5 Elbe"

Mithilfe von Seilwinden wurde das historische Schiff vorm Umkippen bewahrt, sank aber noch im Mündungsbereich. Das Containerschiff konnte seine Fahrt zunächst fortsetzen. Die Polizei ermittelt zum Unfallhergang. Wären DLRG und Feuerwehr nicht zufällig vor Ort gewesen, hätten die Schiffsbrüchigen etwa 15 Minuten auf Hilfe warten müssen. Wahrscheinlich wäre das Schiff dann im Elbfahrwasser untergegangen, berichtet die Feuerwehr.

Dem "Stader Tageblatt" zufolge missglückte der Mannschaft des historischen Seglers vor der Kollision eine Wende, wodurch es das Hauptfahrwasser vor dem Containerschiff querte.

Hamburgs letztes Seeschiff aus der Ära des Holzschiffbaus

Der 37 Meter lange Gaffelschoner ist Hamburgs letztes verbliebenes Seeschiff aus der Ära des Holzschiffbaus. Er lief 1883 auf der Werft von H.C. Stülcken auf Steinwerder vom Stapel. 2002 erwarb die Stiftung Hamburg Maritim das Schiff in Seattle und brachte es wieder zurück nach Hamburg. Hier nahm das Traditionsschiff an Veranstaltungen wie dem Hafengeburtstag teil und wurde für Ausfahrten genutzt. Zuletzt lag es acht Monate in einer dänischen Werft und erhielt unter anderem neue Außenplanken.

Die Eigentümer des historischen Schiffes seien aufgefordert worden, ein Konzept für die Bergung vorzulegen, berichtet der NDR mit Verweis auf das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hamburg. Möglich sei, den Segler landseitig oder mit einem Schwimmkran zu bergen. Aufgrund der Feiertage wird das Schiff dem Bericht zufolge jedoch erst voraussichtlich am Mittwoch aus dem Wasser geholt.

Anmerkung der Redaktion: Diese Geschichte wurde seit ihrem ersten Erscheinen aktualisiert.

feb/irb/dpa



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