Elfenbeinküste Zehn Überlebende nach Flugzeug-Crash

Ein Airbus mit 179 Menschen an Bord ist vor der westafrikanischen Küste abgestürzt. Die Rettungsmannschaften konnten inzwischen zehn Überlebende aus dem Atlantik bergen. Über die Unglücksursache ist noch nichts bekannt.


Feuerwehrmänner tragen einen Überlebenden zum Rettungswagen
DPA

Feuerwehrmänner tragen einen Überlebenden zum Rettungswagen

Abidjan - Die Überlebenden wurden fünf Kilometer vor der Elfenbeinküste inmitten von 87 Leichen und Trümmerteilen aus dem Atlantik gezogen. Auch einen halben Tag nach dem Unglück wurde die Lage an der Absturzstelle vor Abidjan als chaotisch beschrieben. 82 Insassen wurden noch vermisst.

Der Airbus A-310 der Kenya Airlines war am Sonntagabend eine Minute nach dem Start in Abidjan aus zunächst ungeklärter Ursache abgestürzt. Unter den geretteten Insassen ist ein Franzose, der nach Angaben eines Arztes überlebte, weil er ein guter Schwimmer ist. Rettungsmannschaften in Booten und Hubschraubern suchen die rund fünf Kilometer vor der Küste gelegene Absturzstelle nach weiteren Überlebenden und Opfern ab.

Die meisten Passagiere waren nach Angaben des Technischen Direktors von Kenya Airlines, Steve Clark, Nigerianer. Man könne aber nicht genau sagen, wer sich an Bord befunden habe, sagte ein Mitarbeiter der Fluggesellschaft. Die Maschine sei überbucht gewesen, einige Passagiere seien aber gar nicht an Bord gegangen. Zur Untersuchung der Absturzursache schickte Kenya Airlines mehrere Techniker von Nairobi an die Elfenbeinküste. Auch drei französische Ermittler seien auf dem Weg nach Abidjan.

Der Airbus sollte zunächst nach Lagos in Nigeria und von dort aus in die kenianische Hauptstadt Nairobi fliegen. Die Maschine startete nach Angaben eines Flughafensprechers um 21.08 Uhr und stürzte eine Minute später ab. Der Flughafen von Abidjan liegt nur wenige hundert Meter von der Küste entfernt. Clarke sagte in Nairobi, dass es unmittelbar nach dem Start keine besonderen Vorkommnisse gegeben habe: "Die Maschine stieg zunächst problemlos auf, plötzlich verlor sie an Höhe." Es habe keine technische Probleme gegeben, die von Bedeutung gewesen seien.

Augenzeugen sagten, das Flugzeug haben nach dem Start nicht genügend Höhe gewonnen. Ein überlebender Passagier berichtete, gleich nach dem Start habe es Probleme gegeben. Die Maschine habe nicht die Balance halten können. Und im nächsten Augenblick sei man schon im Wasser gewesen. Der Mann, der Nigerianer Samuel Ogbada Adje, übte aber scharfe Kritik an den Rettungsmaßnahmen. "Wenn die Helfer früher gekommen wären, hätten viele von uns gerettet werden können." Zwei Stunden habe es gedauert, bis die Rettungskräfte gekommen seien. Dutzende Menschen, die zur Absturzzeit in Kirchen direkt an der Küste beteten, versuchten, zur Unglücksstelle zu schwimmen. Die hohe Brandung trieb sie aber an den Strand zurück.

Der gerettete Franzose wurde mit Schnittwunden und Prellungen in ein Krankenhaus von Abidjan gebracht. Ein Fischer sprach von einer chaotischen Lage an der Unglücksstelle. "Wir sind rausgefahren und hatten kein Licht", sagte er. "Wir mussten improvisieren." Überall seien Leichen und Trümmerteile umhergetrieben. An der Bergung beteiligten sich französische Feuerwehrleute von einem nahe gelegenen Militärstützpunkt.



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