Zwischenfall in Lille Fußballanhänger bewerfen Kinder mit Münzen

Britische Fans, die Spaß daran haben, Kinder mit Kleingeld zu bewerfen - dieses Video macht im Netz die Runde. Es stammt von einem Journalisten, der durch antibritische Kommentare aufgefallen war.

Szene mit Fans und Kindern in Lille
Twitter/KyKyPyKy22

Szene mit Fans und Kindern in Lille


Das Video zeigt eine Situation ohne Würde: Vor einer Bar in der Innenstadt von Lille schart sich eine Männergruppe um vier Jungs, Grölen ist zu hören und britische Akzente. Die Männer bewerfen die Kinder mit Münzen, diese bücken sich, wetteifern, wer das Geld als Erstes bekommt. Passanten und Beobachter greifen nicht ein. Zwischendurch geht ein Mann mit weißem Käppi und Rooney-Trikot zu den Jungs, deutet einen Hieb an. Wie die "Welt" anhand von Bildmaterial aufzeigt, handelt es sich bei ihm um einen englischen Hooligan, der offenbar bereits am Dienstag während gewalttätiger Ausschreitungen zwischen englischen und russischen Fans aufgetaucht war.

Das Video des Zwischenfalls wurde am Dienstag auf Youtube hochgeladen - mit Hinweis auf den Twitteraccount des Journalisten Max Allanazarov, der als Sportjournalist für die russische Agentur TASS arbeitet. In seiner Timeline veröffentlichte er das Bildmaterial vor einem Tag, Allanzarov kommentierte es mit den Worten: "Englische Fans verhöhnen Zigeuner".

Während der EM hatte er hier vor allem Texte publiziert, in denen er die Schuld für die Ausschreitungen bei den englischen Fans und den französischen Sicherheitsbehörden verortet. Allanzarov veröffentlichte unter anderem ein Video, in dem englische Anhänger eine russische Flagge zertrampeln. Und schrieb an anderer Stelle: "Unsere (Jungs) sind geil. 22 Mann haben die Briten vernichtet." Zu Beginn der EM veröffentlichte er den rassistischen Satz: "Immer mehr Briten und Russen kommen nach Marseille. So viele weiße Menschen hat die Stadt noch nie gesehen."

Einige britische Medien griffen den Vorfall auf. Die Seite "Dream Team FC" kommentierte: "Das ist sehr beschämend." Gleichzeitig schrieb der Autor aber auch: "Obwohl diese Aktion einiger englischer Fans sehr erschreckend ist, wurde das Video doch von einem offensichtlich prorussischem, anti-britischem Twitteraccount gepostet, dessen Timeline sich liest wie ein Ein-Mann-Kreuzzug gegen die britische Nation."

Der "Telegraph" nannte das Verhalten "schockierend": "Jeder, der sagt, die englischen Fans seien die Opfer der vergangenen Tage, sollte das zur Kenntnis nehmen." Die Zeitung zitierte zudem einen Augenzeugen des Vorfalls: "Dort waren acht oder neun englische Fans, die sich über diese armen Jungen beschwerten. Die Kinder können nicht älter als acht oder neun gewesen sein. Es war sehr geschmacklos."

Einen ähnlichen Vorfall hatte es in diesem Jahr vor dem Champions-League-Spiel zwischen PSV Endhoven und Atletico Madrid gegegeben: Eindhovener Anhänger hatten am Rande des Achtelfinalrückspiels in Madrid auf dem Plaza Mayor Frauen und Männer gedemütigt, die an dem Touristenknotenpunkt um Geld bettelten; ein Handyvideo hatte den Vorfall dokumentiert. Unter anderem warfen die Anhänger damals Münzen in Richtung der bedürftigen Menschen und beklatschten die Versuche der Bettlerinnen und Bettler, diese aufzusammeln. In der Folge hatte der PSV Eindhoven die Anhänger mit mehrjährigem Stadionverboten belegt. PSV-Boss Toon Gerbrands hatte die Vorgänge, sobald sie bekannt wurden, als "widerwärtig" und "menschenverachtend" bezeichnet.

eth



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