Urteil Niederländer muss sein Alter akzeptieren

Der Niederländer Emile Ratelband fühlt sich wie Ende 40, doch auf dem Papier ist er 69 Jahre alt. Das wollte er offiziell ändern lassen - auch für bessere Tinder-Chancen. Nun hat ein Gericht entschieden.
Emile Ratelband

Emile Ratelband

Foto: Peter Dejong/ AP

"Man ist so alt, wie man sich fühlt", lautet eine Binsenweisheit - doch ganz so einfach ist es nicht, wie die Entscheidung eines niederländischen Gerichts nun gezeigt hat. Der 69-jährige Motivationstrainer Emile Ratelband ist mit einer Klage gescheitert, mit der er sein Alter um 20 Jahre senken wollte.

"Herr Ratelband hat die Freiheit, sich 20 Jahre jünger als sein wirkliches Alter zu fühlen und sich entsprechend zu verhalten", hieß es in einer Mitteilung des Gerichts in Arnheim. Aber die Änderung seines Geburtsdatums würde dazu führen, dass 20 Jahre Aufzeichnungen aus dem Register der Geburten, Todesfälle, Ehen und eingetragenen Partnerschaften verschwinden würden. "Dies hätte eine Vielzahl von unerwünschten gesetzlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen."

Ratelband hatte argumentiert, dass man Namen und Geschlecht ändern könne, und dies folglich auch für das Alter gelten müsse. Das Gericht wies dies zurück. Anders als bei Name oder Geschlecht gebe es in den Niederlanden Rechte und Pflichten, die auf dem Alter basierten, etwa das Wahlrecht oder die Schulpflicht. "Wenn Herrn Ratelbands Anliegen genehmigt würde, würden diese Altersanforderungen bedeutungslos werden", hieß es.

Das Gericht erkenne an, dass es einen Trend in der Gesellschaft gebe, wonach sich Menschen länger fit und gesund fühlen, dies betrachtete es aber nicht als stichhaltiges Argument für eine Änderung des Geburtsdatums einer Person.

Ratelband kündigte an, die Entscheidung anzufechten. Der Motivationstrainer hatte unter anderem angegeben, dass sein Alter seine Beschäftigungschancen und seine Erfolgsaussichten in der Dating-App Tinder beeinträchtigten. Das Gericht zeigte sich jedoch nicht davon überzeugt, dass Ratelband unter Altersdiskriminierung leide. Es argumentierte, es gebe andere Maßnahmen, "um Altersdiskriminierung zu bekämpfen, anstatt das Geburtsdatum einer Person zu ändern".

bbr/AP