"Emma"-Kampagne Mit Prominenz gegen das "System Prostitution"

Von Margot Käßmann bis Wolfgang Niedecken: 90 Prominente fordern auf Initiative der Zeitschrift "Emma" das Ende der "modernen Sklaverei" in Deutschland. Konkretes Ziel: eine Änderung des Prostitutionsgesetzes.
"Appell gegen Prostitution": 90 prominente Erstunterzeichner

"Appell gegen Prostitution": 90 prominente Erstunterzeichner

Hamburg - Dutzende deutsche Prominente setzen sich in einem Schreiben an Kanzlerin Merkel und den Bundestag für die Abschaffung der Prostitution ein. 90 Prominente unterzeichneten den von der Zeitschrift "Emma" aufgesetzten "Appell gegen Prostitution ".

Darin fordern die Unterzeichner an erster Stelle eine Gesetzesänderung. Denn durch die Reform des Prostitutionsgesetzes im Jahr 2002 sei "Deutschland zu Europas Drehscheibe für Frauenhandel und zum Paradies der Sextouristen aus den Nachbarländern geworden", heißt es in dem Papier. Das von Rot-Grün verabschiedete Gesetz habe Prostitution salonfähig gemacht und fördere "moderne Sklaverei".

Bereits in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE im Jahr 2007 hatte Schwarzer kritisiert, dass durch das Gesetz Zwang und Gewalt in der Prostitution größer geworden seien. "Die Polizei hat weniger Möglichkeiten als vorher, Bordelle und Model-Wohnungen zu kontrollieren - wobei fast immer auch Illegale und Minderjährige entdeckt werden -, weil die Prostitution ja jetzt legal ist." Außerdem seien Großbordelle durch das Gesetz 2002 überhaupt erst möglich geworden. Dass Frauen sich freiwillig prostituierten sei ein Mythos - geschürt von denen, die von dem umstrittenen Gewerbe profitieren.

Nach Meinung der Unterzeichner sollen Freier künftig geächtet oder eventuell bestraft werden. Weitere Punkte auf der Liste: Präventions- und Aufklärungsarbeit, Unterstützung von Frauen, die aus dem Beruf aussteigen wollen, sowie Maßnahmen, "die kurzfristig zur Eindämmung und langfristig zur Abschaffung des Systems Prostitution führen".

Unter den prominenten Erstunterzeichnern befinden sich neben Feministin und Herausgeberin Alice Schwarzer unter anderem Schauspieler, Sänger, Wissenschaftler, Intellektuelle. Margot Käßmann, Senta Berger und Maria Furtwängler, Wolfgang Niedecken, Dieter Nuhr und Heiner Geißler, Ranga Yogeshwar, Silvana Koch-Mehrin - sie alle haben auf das Schreiben der "Emma"-Redaktion Anfang Oktober positiv geantwortet.

Keine Antwort vom Deutschen Frauenrat und den Grünen

Besonders wegweisend wertet die Redaktion die Unterschriften der Unions-Frauen. Der Zeitschrift zufolge unterzeichnete die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen zwar nicht, gab aber an, sich für Änderungen einsetzen zu wollen. Linken-Chef Gregor Gysi äußerte demnach Bedenken, die Freier zu bestrafen, sprach sich aber für eine Abschaffung des "Systems Prostitution" aus.

Anlass für die Redaktion, sanftes grünes Licht für ihr Vorhaben zu sehen: "Sollte es eine große Koalition geben, - was heute, am 21.Oktober, ganz so aussieht -, haben wir reale Chancen, dass die unwürdigen und unmenschlichen Verhältnisse in Deutschland sich bald ändern werden", heißt es im Editorial zur am Donnerstag erscheinenden Ausgabe.

Allerdings gab es demnach auch jene, die dem Aufruf der "Emma" nicht folgten. Terre des Femmes hätte nicht unterschrieben, heißt es im Vorwort weiter. Von den Grünen, laut Magazin die "Erfinder der 'Prostitution als Beruf'", und dem Deutschen Frauenrat habe man noch nicht einmal eine Antwort erhalten. Lediglich die sechs Bundessprecherinnen der kommunalen Frauenbüros und Gleichstellungsstellen hätten unterschrieben.

gam