Empfang für die Vizemeister Fans feiern Löws Team in Berlin

So werden eigentlich Sieger umjubelt: Trotz der Finalniederlage sind Zigtausende Fußballfans zu einer Massenparty ans Brandenburger Tor in Berlin gekommen. Sie feiern die Nationalelf, ihren "Sieger der Herzen" - viele haben sich in Flaggen gehüllt.


Berlin - Den Pott haben sie nicht im Gepäck, der Empfang durch die deutschen Fans könnte trotzdem kaum herzlicher sein. Die deutsche Nationalmannschaft ist nach dem Ende der Fußball-EM in Berlin angekommen. Nicht als Gewinner des Turniers, sondern - wieder einmal - als "Sieger der Herzen". Die Stars der EM-Mannschaft paradierten auf einem kleinen Laufsteg am Publikum vorbei - begleitet von Applaus und Jubelrufen.

Mannschaftsclown Lukas Podolski ließ sich am Nachmittag, es war gegen drei Uhr, von Moderatorin Monica Lierhaus das Mikrofon reichen und tobte in bester Animateurmanier über den Laufsteg. "Gebt mir ein H", brüllte er, "gebt mir ein U" - ein M, ein B, ein A. Das Publikum grölte. Humbahumbatätätärä! "Die Stimmung war überragend in den Stadien und auf den Fan-Meilen. Da kann man nur danke sagen", so Poldi.

Auch Co-Trainer Hansi Flick schmeichelte: "Die Unterstützung der Fans ist einmalig." Bastian Schweinsteiger äußerte sich glücklich über die Leistung der Mannschaft und versprach vollen Einsatz, um bei der nächsten Gelegenheit siegreich ans Brandenburger Tor zurückzukehren: "Wir werden alles geben und versuchen, so schnell wie möglich hier mit einem Pokal aufzukreuzen." Miroslav Klose lobte den Zusammenhalt der Nationalelf. "Wir haben es geschafft, wirklich ein Team zu werden", sagte er. "Wir haben alle super zusammengehalten."

"Ohne die Fans hätten wir es nicht geschafft", bedankte sich Ballack für die Unterstützung und erinnerte noch einmal kurz an den traurigen Vorabend. "Wenn man so weit kommt, ist man enttäuscht - nach so vielen Wochen harter Arbeit. Es ist immer bitter, wenn man ein Finale verliert."

Die Spieler präsentierten sich in T-Shirts, auf denen neben der Aufschrift "So gehen die Deutschen bis 2010" Figuren zu sehen waren, die aufrecht und nebeneinader stehend die Geschlossenheit des Teams symbolisieren sollten.

"Natürlich freuen wir uns, dass wir Zweiter geworden sind, aber wenn man im Endspiel steht, will man natürlich auch gewinnen", sagte Torsten Frings in einer Fragerunde mit den TV-Moderatoren Monica Lierhaus (ARD) und Johannes B. Kerner (ZDF). Nach der Präsentation der Spieler heizte Comedian Oliver Pocher den Fans ein und sang gemeinsam mit der Nationalmannschaft den Fußball-Hit "Schwarz und weiß".

Die Sondermaschine der Lufthansa aus Wien war am Mittag auf dem Flughafen Tegel gelandet. Die Feuerwehr besprühte die Maschine zur Begrüßung aus zwei Wasserrohren. Zuvor hatte es bereits falschen Alarm gegeben.

Zunächst war ein Flieger "getauft" worden, in dem die deutsche Nationalmannschaft vermutet wurde. Die Fußballer waren aber noch nicht gelandet. Das Team von Bundestrainer Joachim Löw fuhr dann begleitet von einer Polizeieskorte mit Bussen zum Brandenburger Tor.

Dort warteten nach Polizeiangaben bereits seit Stunden rund 150.000 Fans auf die Vizeeuropameister und ließen sich unter anderem von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) in Stimmung bringen. Viele waren wie zu den Spielen in Flaggen gehüllt oder hatten sich in den Nationalfarben bemalt.

Die 29-jährige Erzieherin Katrin Maluschka hatte sich extra freigenommen, um dabei zu sein. "Die Deutschen haben zwar schlecht gespielt, trotzdem war schön, dass sie ins Finale gekommen sind." Die 63-jährige Rentnerin Agnes, die mit ihrem sechs Freundinnen vom "Kaffeekränzchen" aus dem niedersächsischen Spelle angereist war, sagte SPIEGEL ONLINE: "Wir wollten unbedingt unsere Nationalspieler sehen."

Marian, 14, und Patrick, 14, aus Berlin-Pankow sicherten sich einen der Bälle, die die Nationalspieler in die Menge geschossen hatten. "Es hat sich voll gelohnt zu kommen, weil Schweini so cool ist. Und in zwei Jahren gewinnen wir díe WM."

Entlang der Meile konnten Anhänger ihre Grüße an die Mannschaft auf Plakatwände schreiben. "Vize ist auch gut", notierte einer. "Vielen Dank für die großartige Zeit", hieß ein anderer Spruch.

"Die ersten Fans haben auf den Einlass um 10 Uhr gewartet", sagte ein Sprecher des Veranstalters. Sie sicherten sich bereits an der Bühne am Brandenburger Tor ihre Plätze. Bilder wurden auch auf vier Großbildleinwände auf der Straße des 17. Juni übertragen.

Die deutsche Mannschaft wollte sich mit einem Fest auf der größten deutschen Fanmeile für die Unterstützung während des Turniers bedanken. "Nach der WM ist Berlin so etwas wie ein Zuhause für uns geworden", sagte Teammanager Oliver Bierhoff. Am Nachmittag wird sich das Löw-Team bei einem Empfang auch ins Gästebuch der Hauptstadt eintragen.

Das EM-Finale hatte Deutschland am Sonntagabend in Wien mit 0:1 gegen Spanien verloren.

pad/jdl/dpa/sid/AP

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