Emsland Unfall auf Transrapid-Strecke - viele Tote

Mit einer Geschwindigkeit von 200 Stundenkilometern ist auf der Versuchsstrecke im Emsland ein Transrapid auf einen Werkstattwagen geprallt. In den Waggons befinden sich rund 30 Menschen, viele Passagiere wurden getötet. Mehr als 150 Retter versuchen, die Eingeschlossenen zu befreien.


Lathen - "Es gibt viele Todesopfer", sagte der Sprecher des Landkreises Emsland, Dieter Sturm. Einige Passagiere hätten schwerwiegende Verletzungen davongetragen. Die genaue Zahl der Opfer konnte Sturm noch nicht nennen, "aber keiner dürfte ohne Blessuren davongekommen sein." Mindestens 150 Retter seien derzeit vor Ort, so Sturm.

Transrapid (Archivbild) auf Teststrecke bei Lathen: Schwierige Rettungsarbeiten
DPA

Transrapid (Archivbild) auf Teststrecke bei Lathen: Schwierige Rettungsarbeiten

Der Unfall ereignete sich bei einer Testfahrt einen Kilometer nördlich des Ortes Lathen im Emsland gegen 9.30 Uhr. Die Bahn ist den Angaben zufolge aus der Spur gesprungen. "Die Magnetschwebebahn hängt halb herab", sagte der Polizeisprecher. Mehrere große Wrackteile seien von der Trasse gefallen, die Passagiere befinden sich noch im Waggon. Nach seinen Angaben gab es mehr als 20 Verletzte.

Vor Ort gebe es Gerüchte, dass menschliches Versagen den Unfall verursacht haben soll, berichtet der Sender n-tv.

Die Rettungsarbeiten gestalten sich äußerst schwierig, weil die Bahn auf einer Trasse in einer Höhe von fünf bis sieben Metern fährt - daher mussten für die Bergung der Opfer Drehleitern der Feuerwehr angefordert werden. Bei den 29 Passagieren handelt es sich offenbar um Besucher, die während des Versuchsbetriebs mitfahren konnten.

Weltgrößte Testanlage im Emsland

Der Transrapid wird von einem Konsortium aus Siemens und ThyssenKrupp gebaut. Welche Konsequenzen der Unfall für das Projekt Transrapid haben werde, sei noch völlig unklar, sagte ein Siemens-Sprecher SPIEGEL ONLINE. Mitarbeiter würden vor Ort Ursachenforschung betreiben. "Zuerst ist aber wichtig, dass allen Verletzten geholfen wird."

Die Versuchsstrecke für den Transrapid zwischen Lathen und Dörpen ist 31,8 Kilometer lang und gilt als weltweit größte Testanlage für Magnetschwebefahrzeuge. In Lathen ist die IABG seit 1985 mit dem Betrieb der Transrapid Versuchsanlage Emsland betraut. Im Schnitt kommen mehr als 1000 Gäste am Tag zur Anlage. Das Unternehmen wollte sich zunächst nicht zu dem Unglück äußern.

Bereits im August Transrapid-Unfall in China

Bereits im August hatte es einen Transrapid-Unfall gegeben. Die Magnetschnellbahn in Schanghai hatte während der Fahrt Feuer gefangen. Die Feuerwehr konnte den Brand nach kurzer Zeit löschen, verletzt wurde niemand.

Die 30 Kilometer lange Trasse zwischen der Innenstadt der chinesischen Metropole und dem internationalen Flughafen ist die weltweit erste kommerzielle Transrapid-Strecke. Die Schnellbahn kann eine Höchstgeschwindigkeit von rund 450 Stundenkilometern erreichen.

Ein zurzeit noch aktuelles, kommerzielles Transrapid-Projekt in Bayern könnte an einer Finanzierungslücke scheitern. In München soll die Magnetschwebebahn den Flughafen Franz-Josef Strauß mit der Innenstadt verbinden.

Verkehrsminister Tiefensee bricht China-Reise ab

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat wegen des Unfalls seine China-Reise abgebrochen. Der Minister sei "tief besorgt" und habe sofort entschieden, alle weiteren Termine in Peking abzusagen und so schnell wie möglich nach Deutschland zurückzufliegen, sagte sein Sprecher Dirk Inger der Nachrichtenagentur dpa.

Tiefensee wolle sich vor Ort im Emsland ein Bild von dem Unglück machen. Die Nachricht habe den Minister während eines Gesprächs mit dem chinesischen Eisenbahnminister in Peking ereilt. Tiefensee wollte eigentlich bis Sonntag bleiben.

ffr/AP/AFP/reuters/dpa



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