Enschede Mindestens 20 Tote bei Explosion in Feuerwerksfabrik

Eine gewaltige Detonation hat die niederländische Stadt Enschede unweit der Grenze zu Deutschland erschüttert. Bei der Explosion inmitten eines Wohngebiets sind offensichtlich mehr als 20 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Verletzten wird von den Behörden mit 230 angegeben.


Enschede - Auch Stunden nach der Explosion standen im Zentrum von Enschede noch Häuser in Flammen, von anderen waren nur noch Trümmer übrig. Bei manchen Gebäuden wurden Dächer oder Teile der Giebel fortgerissen.

Noch Stunden nach der Explosion stand eine riesige Rauchsäule über Enschede
DPA

Noch Stunden nach der Explosion stand eine riesige Rauchsäule über Enschede

Im Umkreis von mehr als 1000 Metern waren alle Fensterscheiben zu Bruch gegangen. Über Enschede stand eine große Rauchsäule, die bis in eine Entfernung von 50 Kilometer sichtbar war. Am Abend bestand zeitweise noch immer Explosionsgefahr in Teilen des Zentrums. Die Behörden riefen dazu auf, die Innenstadt möglichst zu verlassen.

"Es war wie nach einem Bombenangriff", sagten Augenzeugen nach der Katastrophe in der Fabrik Fireworks im nördlichen Teil des Stadtzentrums. Dort war zunächst ein Feuer ausgebrochen. Während der ersten Löschversuche kam es zu einer Explosion, die nach niederländischen Angaben bis in die Nachbarstädte zu spüren war.

Auch deutsche Feuerwehren und Krankenwagen wurden nach Enschede zu Hilfe gerufen. Aus dem benachbarten Kreis Borken waren sämtliche verfügbaren Rettungswagen, Notärzte und Feuerwehren nach Enschede gefahren.

"Alles, was nicht zur Grundversorgung gehört, ist unterwegs", meinte ein Sprecher der Polizei in Borken. Zahlreiche Straßen in der Umgebung wurden abgesperrt, um den Rettungsfahrzeugen die Durchfahrt zu ermöglichen.

Großeinsatz in Enschede
AP

Großeinsatz in Enschede

In der Nähe des Explosionsortes wurden Auffangzentren für die erste ärztliche Versorgung eingerichtet, ehe die Verletzten in die Krankenhäuser der Umgebung weitertransportiert wurden. Die Bewohner eines bedrohten Alten- und Pflegeheims mussten in eine Sporthalle gebracht werden. Der niederländische Luftwaffenstützpunkt Twenthe wurde für den Einsatz von Rettungshubschraubern und für die Aufnahme von obdachlos gewordenen Einwohnern von Enschede geöffnet.

Über die Ursachen der Katastrophe machten die Behörden zunächst keine Angaben. Enschedes Bürgermeister Jan. Mans sagte auf Fragen, die Fabrik habe seines Wissens nach über die erforderlichen Konzessionen verfügt.

Das Unternehmen SE Fireworks sitzt in Enschede schon seit vielen Jahren. In der Fabrik lagern Feuerwerkskörper aus China. Nach inoffiziellen Angaben bestanden Pläne für einen Umzug des Unternehmens, weil um die Fabrik eine Wohngegend entstanden war.



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