Entführte Dugard "Ich wusste nicht, dass ich Wehen hatte"

18 Jahre lang war Jaycee Dugard gefangen, ihr Entführer zeugte zwei Kinder mit ihr. Im US-Fernsehen sprach sie nun über die Zeit in den Händen ihres Peinigers und die erste Schwangerschaft. Als sie ihr Baby im Hinterhof zur Welt brachte, war sie gerade 14 Jahre alt.

AP/ ABC News

New York - Jaycee Dugard berichtete in einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC News über die Zeit in den Händen ihres Entführers Phillip Garrido. Als sie von ihrem Peiniger schwanger wurde, habe sie nicht gewusst, was mit ihr los war. "Ich wusste nicht, dass ich Wehen hatte", sagte die 31-Jährige laut "People"-Magazin in dem Gespräch.

Die Geburt ihres Babys - im Hinterhof des Entführers - sei sehr schmerzhaft gewesen. Aber dann habe sie ihre Tochter gesehen. "Sie war schön", sagte Dugard. "Ich habe mich nicht mehr allein gefühlt. Ich hatte jemanden, der zu mir gehörte. Mir war klar: Ich würde niemals zulassen, dass ihr etwas geschieht."

Dugard war 1991 auf dem Weg zum Schulbus, als sie im Alter von elf Jahren in Kalifornien verschleppt wurde. Garrido hielt sie 18 Jahre lang fest und zeugte zwei Kinder mit ihr. Im August 2009 wurden Dugard und ihre Kinder zufällig entdeckt: Polizisten waren auf Garrido aufmerksam geworden, als er auf einem Universitätscampus religiöse Schriften verteilte. Der Entführer und seine Ehefrau wurden zu langen Haftstrafen verurteilt.

Dugards Interview mit ABC News wird am Sonntag ausgestrahlt. In dem Gespräch zeigte sie sich begeistert über ihre Freiheit: "Nun kann ich einfach ins Nachbarzimmer gehen und meine Mutter sehen", so Dugard. "Ich kann mich einfach ins Auto setzen und mit meinen Mädels an den Strand fahren. Wow, das ist einfach unglaublich."

Dugard wohnt gemeinsam mit ihrer Mutter und den beiden Töchtern an einem unbekannten Ort. In der kommenden Woche erscheinen ihre Memoiren mit dem Titel "A Stolen Life" (Ein gestohlenes Leben). Sie habe das Buch aus zwei Gründen geschrieben, so Dugard. Sie wolle genau beschreiben, was ihr der Entführer und seine Ehefrau angetan hätten. Außerdem wolle sie anderen Menschen helfen, ihre Krisen zu meistern. "Man kann schlimme Situationen ertragen und überleben", schrieb sie.

hut



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.