Enthauptete Nadia Dreijährige ermordet - weil sie störte

Das Landgericht Oldenburg hat einen 33-Jährigen zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt. Tariq A. hatte im vergangenen Jahr seine drei Jahre alte Tochter Nadia ermordet und enthauptet. Der Pakistaner reagierte mit Flüchen auf das Urteil.


Ermordete Nadia: Die Tochter hat gestört
DDP

Ermordete Nadia: Die Tochter hat gestört

Oldenburg - Der Angeklagte, der den Mord bestritten hatte, brach nach dem heutigen Urteilsspruch zusammen. Er klagte, hielt den Koran in der Hand und beschimpfte seinen Anwalt: "Das ist alles deine Schuld. Du wolltest, dass ich keine Aussage mache", sagte er. Rechtsanwalt Axel Holtfort zeigte Verständnis für seinen Mandanten. "Er ist gerade zur höchstmöglichen Strafe verurteilt worden. Es ist verständlich, dass er einen Schuldigen sucht", sagte der Anwalt. Zugleich kündigte er Revision gegen das Urteil an.

Die dreijährige Nadia war im August verschwunden, im September hatte eine Freizeitsportlerin den skelettierten Rumpf der Kinderleiche in einem Wald bei Vechta (Niedersachsen) entdeckt. Dem Mörder des Kindes war die Polizei durch einen Hinweis aus dem Umfeld des Mannes auf die Spur gekommen.

Der Vater wurde festgenommen und nannte den Ermittlern schließlich den Ort, an dem er den abgetrennten Kopf vergraben hatte. Er sagte zunächst aus, ein Unbekannter habe während seiner Abwesenheit das Kind in seiner Wohnung umgebracht. Er habe die Leiche nur fortgeschafft, um nicht selbst in Tatverdacht zu geraten. Diese Aussage widerrief der Angeklagte aber zum Prozessbeginn.

"Die Kammer ist überzeugt, dass der Angeklagte seine Tochter aus niederen Beweggründen getötet hat", sagte der Vorsitzende Richter Henner Proggmayer heute in der Urteilsbegründung. Als Motiv nannte das Gericht, dass die Tochter den Vater "gestört" habe. Er habe Beziehungsprobleme mit seiner Lebensgefährtin gehabt. "Um sie zurückzugewinnen, war ihm jedes Mittel recht", sagte der Richter. Zudem sei er eifersüchtig auf das Kind gewesen.

Vermutlich am 5. August habe er Nadia zunächst mit einem Kissen erstickt. Anschließend habe er die Tat sofort bereut und erfolglose Wiederbelebungsversuche gestartet. Das Abtrennen des Kopfes sei auf ein ganz banales Transportproblem zurückzuführen, betonte das Gericht. Der Mann hatte keinen Führerschein und kein Auto. Er habe die Leiche mit dem Fahrrad wegschaffen müssen, und sie habe nicht in eine dafür vorgesehene Sporttasche gepasst.

Der Pakistaner, der seit 1995 in Deutschland lebt, hatte nach der Scheidung von seiner deutschen Ehefrau das Sorgerecht für Nadia zugesprochen bekommen.



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