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Augsburg: Eine Innenstadt wird evakuiert

Foto: Stefan Puchner/ dpa

Vorübergehende Evakuierung Mehr als 50.000 Augsburger müssen Fliegerbombe weichen

Wegen der Entschärfung eines tonnenschweren Blindgängers gleicht das Zentrum von Augsburg seit dem Morgen einer Geisterstadt. Bei der historischen Evakuierung gab es für die Behörden nur vereinzelt Probleme.

Die größte deutsche Evakuierungsaktion seit Ende des Zweiten Weltkrieges wegen einer Fliegerbombe ist am Sonntag in Augsburg relativ ruhig verlaufen. Bis 10 Uhr mussten 54.000 Augsburger ihre Wohnungen in der Innenstadt verlassen. Es laufe alles weitgehend planmäßig, berichteten Polizei und Krisenstab der Stadt am Mittag.

Die Entschärfung einer am Dienstag in der Innenstadt bei Bauarbeiten gefundenen 1,8 Tonnen schweren Bombe war für die Nachmittagsstunden von 14 Uhr an geplant. Dann durften nur noch die zwei Experten des Kampfmittelräumdienstes in dem Gebiet sein.

Sperrzone bis zum späten Nachmittag

Frühestens am späten Nachmittag sollte die Sperrzone von eineinhalb Kilometern um die Bombe aufgehoben werden. Etwa 4000 Helfer des bayerischen Roten Kreuzes, Feuerwehren und Bereitschaftspolizisten aus ganz Bayern waren für den Einsatz nach Augsburg gekommen. Einige davon waren deswegen am ersten Weihnachtsfeiertag schon kurz nach Mitternacht in ihren Heimatorten losgefahren.

Nur relativ wenige Menschen waren am Vormittag in Augsburg in dem Gebiet um den Blindgänger unterwegs. Die meisten Betroffenen hatten offenbar bereits an Heiligabend ihr Zuhause verlassen und waren zu Freunden oder Verwandten gefahren. Darauf hatte die Einsatzleitung gehofft und den Bürgern dies empfohlen. Auch in die sechs Notunterkünfte der Stadt kamen nur wenige Hundert Menschen.

Ein Krankenhaus und mehrere Altenheime mussten geräumt werden. Kleinere Probleme bereiteten dem Krisenstab zunächst nur einige ältere Menschen, die sich erst recht spät bei der Hotline meldeten und um Abholung baten. Die Rettungsdienste mussten insgesamt fast 500 Bewohner der Sperrzone abholen - das waren rund hundert Fahrten mehr als zuvor erwartet.

Am späten Vormittag begann die Polizei mit Unterstützung zahlreicher Feuerwehrleute mit der Kontrolle der Sperrzone. Die Helfer klingelten an den Häusern und fuhren mit Lautsprecherwagen durch die Straßen. Wer zu dieser Zeit noch unterwegs war, wurde aus dem Gefahrenbereich gebracht.

Vereinzelt gab es Menschen, die sich weigerten, freiwillig zu gehen. "Den einen oder anderen mussten wir positiv beeinflussen, um die Bewohner zum Verlassen des Schutzbereichs zu bewegen", sagte ein Polizeisprecher.

Die Entschärfung wurde von der Stadt gezielt auf den Weihnachtsfeiertag gelegt, weil eine Räumung eines so großen Gebietes an einem Werktag nach Angaben der Verantwortlichen nicht zu bewerkstelligen gewesen wäre. Zahlreiche Fabriken und Büros hätten dann ebenfalls geschlossen werden müssen. Darüber hinaus sollte die gefährliche Bombe nicht eine weitere Woche unentschärft in der Stadt herumliegen.

In Augsburg werden immer wieder Fliegerbomben entdeckt, darunter war allerdings noch nie eine so große Bombe. Die Region Augsburg war als wichtiger Standort der Flugzeugproduktion ein Rüstungsindustriezentrum der Nazis, die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg mehrfach von den Alliierten bombardiert. Die bisher bundesweit größte Evakuierung wegen einer Fliegerbombe gab es im Jahr 2011 in Koblenz, dort waren 45.000 Einwohner betroffen.

sms/dpa
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