Erdbeben auf Java Helfer verzweifelt, Dauerregen behindert Rettungsarbeiten

Stündlich steigt die Zahl der Todesopfer: Mehr als 5100 Leichen wurden nach dem Erdbeben bereits aus den Trümmern auf der indonesischen Insel Java geborgen. Die Verzweiflung der Helfer wächst - schwere Regenfälle behindern die Arbeiten.


Yogyakarta/Bantul - Am stärksten betroffen von dem Beben der Stärke 6,3 auf der Richter-Skala war die Region Bantul, die südlich der Stadt Yogyakarta liegt. Dort verbrachten Tausende Menschen die zweite Nacht in Folge unter freiem Himmel. Angesichts von mehr als 470 Nachbeben seit Samstag hatten viele der Menschen Angst, in den noch intakten Häusern zu übernachten. Durch das Erdbeben wurden etwa 200.000 Menschen obdachlos.

Bantul: Erdbebenopfer irrt durch zerstörte Stadt
AFP

Bantul: Erdbebenopfer irrt durch zerstörte Stadt

Nach Angaben des Amtes des Provinzgouverneurs von Yogyakarta stieg die Anzahl der Todesopfer auf mehr als 5100. Rettungskräfte suchen auch heute weiter verzweifelt nach Überlebenden. Die Arbeiten werden jedoch durch starken Regen und anhaltende Stromausfälle behindert.

Unterdessen traf der erste Hilfsflug der Vereinten Nationen im Katastrophengebiet ein. An Bord befanden sich Wasser, Zelte, Öfen und Kochgeschirr für die Obdachlosen auf der Insel Java. Auch wurde der Flughafen von Yogyakarta wieder geöffnet, was die Lieferung von Hilfsgütern enorm erleichtert. Nach Angaben von Helfern fehlt es im Katastrophengebiet vor allem an Zelten, Nahrungsmitteln und medizinischem Personal. Die Kliniken der Region sind hoffnungslos mit Verletzten überfüllt.

Die Regierung veranschlagte die Kosten für den Wiederaufbau der Region auf rund 107 Millionen US-Dollar (etwa 84 Millionen Euro). Während des Notstandes werde den Betroffenen mit Lebensmitteln, Medikamenten und Unterkünften geholfen, teilte Vizepräsident Jusuf Kalla mit.

Zahlreiche Staaten boten ihre Hilfe an, die Regierung in Jakarta bat Australien um medizinische Unterstützung bei der Versorgung der Opfer. Der australische Ministerpräsident John Howard sagte, er habe gestern Abend mit dem indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono telefoniert. Er habe ihm das Mitgefühl des australischen Volkes übermittelt und gefragt, wie Australien helfen könne.

Der Präsident habe um medizinische Unterstützung gebeten, erklärte Howard weiter. Jetzt werde geprüft, wie der Bitte am besten nachgekommen werden könne. Bereits zuvor hatte der australische Außenminister Alexander Downer Indonesien drei Millionen australische Dollar (1,78 Millionen Euro) Soforthilfe zugesagt. Deutschland stellte 500.000 Euro als Soforthilfe zur Verfügung.

lan/reuters/AFP/AP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.