Erdbeben auf Java Notstand beim Trinkwasser setzt Überlebenden zu

Es ist eine Bilanz des Schreckens: Jüngsten Angaben zufolge stieg die Zahl der Erdbebenopfer auf Java auf mehr als 5800 - und stündlich werden es mehr. Mittlerweile wird fehlendes Trinkwasser zum drängenden Problem in der indonesischen Katastrophenregion.


Jakarta - Wie das Sozialministerium in Jakarta heute mitteilte, verloren vorläufigen Angaben zufolge 5846 Menschen bei dem Beben von Samstag ihr Leben. Die meisten Toten gab es mit 3580 im Distrikt Bantul südlich der großen Universitätsstadt Yogyakarta.

Katastrophenprovinz  Yogyakarta: Warnungen vor dem Ausbruch von Krankheiten 
AFP

Katastrophenprovinz  Yogyakarta: Warnungen vor dem Ausbruch von Krankheiten 

Vier Tage nach dem Beben der wurde die Zahl der Verletzten mit mehr als 14.000 angegeben. Tausende Häuser wurden zerstört, Schätzungen zufolge wurden 100.000 bis 200.000 Menschen obdachlos.

Ausländische Hilfslieferungen trafen unterdessen weiterhin in der Region ein. Hauptproblem für die Hilfsorganisationen war laut Kinderhilfswerk Unicef der Mangel an sauberem Trinkwasser in dem Erdbebengebiet. 45 Lastwagen mit einer Kapazität von 720.000 Liter Wasser am Tag waren unterwegs in die am stärksten betroffenen Distrikte Bantul und Klaten, östlich von Yogyakarta.

Die Einsatzkräfte hatten zunächst Mühe, in abgelegene Gegenden des Erdbebengebietes vorzudringen. Als Gründe wurden schlechte Straßen, aber auch Mangel an Personal genannt. Zahlreiche Dörfer waren gestern noch ohne ausreichende Versorgung mit Zelten, Lebensmitteln oder medizinischer Hilfe.

In dem besonders schwer getroffenen Bezirk Klaten außerhalb der Großstadt Yogyakarta drangen Überlebende nach indonesischen TV-Berichten in den Sitz der staatlichen Erdbebenhilfe ein, um sich dort Decken und Zelte zu holen. "Viele meiner Leute müssen auf Reissäcken schlafen", sagte ein der Dorfbewohner der Zeitung "Media Indonesia". Experten hatten vor dem Ausbruch von Krankheiten gewarnt, sollte die Überlebenden nicht schnell Hilfe erreichen.

Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono sagte gestern bei seinem Besuch im Katastrophengebiet, die medizinische Hilfe sei jetzt am wichtigsten, um so möglichst viele Menschenleben zu retten. Ein Sprecher der Aktion Deutschland Hilft sagte: "Die Menschen stehen Schlange, bei 40 Grad Hitze und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit muss die medizinische Versorgung schnell erfolgen, damit nicht noch mehr Tote zu beklagen sind." Deutschland Hilft ist ein Zusammenschluss der größten deutschen Hilfsorganisationen.

Eines der sechs großen Krankenhäuser in der Region Bantul war bei dem Beben zerstört worden. Die anderen sind komplett überlastet. China, Katar, Singapur und die USA sagten die Einrichtung von vier Feldlazaretten zu. Die USA entsandten zudem 135 Militärärzte und Pfleger in die Katastrophenregion. Auch Japan, Thailand, Malaysia und Australien stellten medizinische Fachkräfte ab.

lan/dpa/AFP



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