Erdbeben in Afghanistan Rätselraten über die Zahl der Opfer

Die Uno spricht von mindestens 4800 Toten, Hilfsorganisationen sehen die Zahl in der Größenordnung von 200. Fest steht, dass die Erdbebenserie in Afghanistan die Bevölkerung in noch größere Not gestürzt hat. Tausende sind obdachlos. Auch die Isaf will jetzt helfen.


Kabul/Nahrin - Am schlimmsten traf es Nahrin, die Hauptstadt der Provinz Baghlan. Die Altstadt ist völlig zerstört, auch die etwas entfernt gelegene Neustadt hat schwere Schäden davongetragen. Rund um Nahrin sind in den schwer zugänglichen Bergen des Hindukusch 44 Dörfer teilweise zerstört. Und das in einer Region, die für Hilfskonvois nur schwer zu erreichen ist. Die Uno bemüht sich deshalb, eine Luftbrücke einzurichten und hat die internationale Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) um ihre Mithilfe gebeten.

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Insgesamt erschütterten seit Montag sieben Erdbeben die Provinz im Norden Afghanistans. Wie viele Menschen den Erdbeben zum Opfer gefallen sind, kann noch nicht genau gesagt werden. Das Uno-Büro für humanitäre Hilfe (Unocha) in Kabul spricht von 4800 Toten, die afghanische Regierung von 2000 Toten, 3000 Verletzten und 30.000 Obdachlosen. Dem widerspricht die Einschätzung von Hilfsorganisationen: Sie gehen nach neuesten Informationen von gut 200 Toten aus. Klaus Buchmüller vom Deutschen Technischen Hilfswerk (THW) sprach am Mittwochmorgen von 150.000 Obdachlosen.

Für die Überlebenden ist die Situation trotz der angelaufenen Hilfsaktionen weiterhin dramatisch. Tausende Menschen verbrachten die Nacht im Freien - und in der Angst vor Nachbeben. Noch am Dienstagabend waren Erschütterungen in der Provinz Baghlan zu spüren. Insgesamt leben in dem betroffenen Gebiet rund 82.000 Menschen. Die Provinz war bis Ende vergangenen Jahres Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen den Taliban und der Nordallianz.

Die Uno und Hilfsorganisation sind inzwischen vor Ort und versuchen erste Hilfe zu leisten. 2100 Zelte und 1400 Decken brachten sie ins Katastrophengebiet. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen richtete eine Klinik ein. Dies ist auch dringend notwendig, denn das Krankenhaus von Nahrin ist zerstört.

Das erste Beben am Montag um 19.26 Uhr Ortszeit (15.56 Uhr MEZ) hatte nach neuesten Erkenntnissen eine Stärke von 6,1 auf der Richterskala. Das Epizentrum lag nur acht Kilometer tief unter der Erde. Zwei der nachfolgenden Beben hatten eine Stärke von 5,0. Das US-Informationszentrum in Denver (Neic) verzeichnete seit Montag sieben Erdbeben in der Region. Sie richteten nach Angaben des Neic gerade deshalb so großen Schaden an, weil ihre Epizentren jeweils nur acht bis zehn Kilometer unter der Erdoberfläche lagen.

Es wird wohl noch einige Tage dauern, bis wirklich eingeschätzt werden kann, wie stark die Erdbeben die Region verwüstet haben. "Die Schäden", sagte Unocha-Sprecher Andrew Cox dem britischen Sender BBC, "erstrecken sich wahrscheinlich auf eine große Fläche." THW-Sprecher Buchmüller lässt aber einen Hoffnungsschimmer erkennen: "Es sind zirka zehn Organisationen sofort vor Ort gewesen. Es treffen stündlich weitere Konvois ein." Und die Zusammenarbeit mit den lokalen Koordinatoren, sagt Buchmüller, "ist hervorragend".



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