Erdbeben in Algerien Schon mehr als 1500 Tote

Das Ausmaß des Erdbebens in Algerien ist noch verheerender als bislang angenommen. Mindestens 1500 Menschen wurden getötet, 7200 verletzt. Hunderte werden noch unter den Trümmern vermisst.

Algier - Bislang haben die Rettungskräfte etwa 1100 Tote geborgen. Hunderte werden noch unter den Schuttbergen der vielen zerstörten Wohnblocks befürchtet. Auch Neubauten sind eingestürzt. Tausende Menschen hatten erneut die Nacht im Freien verbracht oder schliefen in Zelten und Autos. Die Angst vor einem neuen Beben ist groß.

"Das ist eine nationale Katastrophe", sagte Regierungschef Ahmed Ouyahia beim Besuch eines zerstörten Stadtteils in Algier. Er hob die Solidarität der Bevölkerung hervor: "Alle kämpfen um die Überlebenden - Helfer, Retter, Feuerwehrleute und das Militär." Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika hatte drei Tage Staatstrauer angeordnet.

Obdachlose beklagten sich unterdessen über die mangelhafte Versorgung. Eine Frau sagte Reportern im Erdbebengebiet, sie habe für ihre ganze Familie nur zwei Flaschen Wasser erhalten. Auch wegen ungenügender Überwachung der Bauvorschriften in den dicht besiedelten Städten geraten die Behörden in Kritik. Medien werfen ihnen Schlamperei und Fahrlässigkeit vor. Vielerorts würden in den rasch wachsenden Neubausiedlungen Vorschriften nicht eingehalten und es gebe zu wenige Kontrollen, warfen Medien der Verwaltung vor. Mancherorts wurden Häuser komplett zerstört, während Nachbarhäuser das Beben heil überstanden.

DRK bereitet Luftbrücke vor

Deutschland hat zusätzliche Erdbebenspezialisten des Technischen Hilfswerks entsandt. Auch Helfer des Deutschen Roten Kreuzes sind vor Ort, um mit Rettungshunden bei der Suche und der Bergung zu helfen. Das DRK bereitet nach eigenen Angaben zurzeit eine Luftbrücke von Deutschland nach Algerien vor. Zusätzlich sollte noch am Freitag ein komplettes mobiles Krankenhaus des DRK in einem von der Bundesregierung gecharterten Antonow-Transportflugzeug von Köln nach Algier gebracht werden, sagte eine DRK-Sprecherin. Die Türkei schickte am Freitag ebenfalls ein 21 Mann starkes Rettungsteam und Hilfsgüter in das Krisengebiet.

Auch Frankreich und andere europäische Länder sowie Japan haben Rettungsteams in das Krisengebiet entsandt, wo nicht genügend Hilfsmittel für die Suche und die Betreuung von Verletzten zur Verfügung stehen.

Telefonisch ist das Katastrophengebiet fast völlig von Europa abgeschnitten, da durch die Erschütterungen auch Unterseekabel gekappt oder beschädigt wurden. Spezialisten versuchen, eine Umleitung über Nachbarländer und Satelliten herzustellen. In vielen Gegenden ist die Strom- und Wasservorsorgung weiterhin unterbrochen. Die Erschütterungen vom Mittwochabend hatten eine Stärke von 6,7 auf der Richterskala. Sie waren die verheerendsten in der seismisch aktiven Region seit mehr als zwei Jahrzehnten. Am schwersten betroffen ist die Region um die Hauptstadt Algier im Norden und der Verwaltungsbezirk Boumerdès etwa 30 Kilometer östlich.

Das Epizentrum des letzten schweren Bebens in Algerien vom Oktober 1980 lag nur rund 200 Kilometer vom jetzigen Erdbebenzentrum entfernt bei al-Asnan südwestlich der Hauptstadt. Damals waren nach unterschiedlichen Angaben bis zu 5000 Menschen ums Leben gekommen.

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