Erdbeben in Indonesien Uno befürchtet 4000 Verschüttete unter Trümmern

Unter eingestürzten Häusern könnten nach dem verheerenden Erdbeben auf Sumatra noch bis zu 4000 Menschen verschüttet sein. Dies schätzen Uno und Rotes Kreuz. Ihre Chancen auf Überleben schwinden, die Rettungskräfte kommen nur schwer voran.

REUTERS

Jakarta - Drei Tage nach dem schweren Erdbeben in Indonesien treffen an diesem Samstag zusätzliche Helferteams aus aller Welt ein. Darunter sind Bergungsexperten mit Suchhunden, die nach Eingeschlossenen unter den Trümmern suchen wollen. Die Vereinten Nationen und das Rote Kreuz fürchten, dass bis zu 4000 Menschen unter den Trümmern liegen könnten. Wie viele von ihnen noch leben, ist ungewiss.

"Die Leute mögen nicht, dass wir diese Zahlen nennen - sie wollen nicht, dass die Menschen zu sehr trauern", sagte Bob McKerrow von der Internationalen Föderation vom Roten Kreuz und Roten Halbmond nach einer Reise durch das Erdbebengebiet.

Unter anderem haben die Schweiz, Australien, Japan, Südkorea und Singapur weitere Bergungsspezialisten geschickt. Das deutsche Technische Hilfswerk hat Fachberater für Wasserversorgung und Infrastruktur in die Region gesandt. Dutzende deutsche Helfer zahlreicher Hilfsorganisationen sind bereits vor Ort oder unterwegs. Sie bringen Notpakete mit Nahrungsmitteln, Wasser, Plastikplanen, Hygieneartikeln und ganze Krankenstationen und Feldküchen in das Erdbebengebiet. Die Bundesregierung hat zwei Millionen Euro Hilfe zugesagt.

Das Beben der Stärke 7,6 hatte am Mittwoch den Westen Sumatras erschüttert. In der am schwersten betroffenen Stadt Padang sind rund ein Viertel der Häuser zerstört. Mehrere Dörfer in der Umgebung wurden nach Einschätzung des Roten Kreuzes völlig verwüstet. Die Regierung ging bisher von 777 Toten aus, die Uno spricht von mehr als 1100 Toten. Laut Uno-Hilfskoordinator El Mostafa Benlamlih haben Verschüttete eine maximale Überlebenschance von fünf Tagen.

Auf Samoa haben die Rettungskräfte nach dem verheerenden Tsunami vom Dienstag bereits alle Hoffnung aufgegeben, noch Überlebende zu finden. Neuesten Angaben zufolge kamen auf den Inseln im Pazifik mindestens 180 Menschen ums Leben, weitere galten noch als vermisst. Die Regierung bot den Hinterbliebenen an, alle Opfer gemeinsam feierlich zu bestatten. Die Initiative sei bei den meisten Angehörigen positiv aufgenommen worden, sagte ein Sprecher der Regierung. Allerdings seien einige der Opfer bereits beerdigt. Nach seinen Angaben ist die nationale Trauerfeier für Dienstag vorgesehen.

"Super-Taifun" schwächt sich ab

Die Menschen auf den Philippinen konnten unterdessen etwas aufatmen. Der als "Super-Taifun" angekündigte Wirbelsturm "Parma" habe sich auf dem Weg zur Hauptinsel Luzon abgeschwächt, teilte der philippinische Wetterdienst am Samstag mit. Zudem bedrohe "Parma" nicht mehr die Katastrophengebiete des vergangenen Wochenendes. "Wir müssen nach wie vor mit Regen rechnen, aber er wird kein Vergleich sein zu den Wassermassen bei 'Ketsana'", sagte Wetterdienst-Chef Nathaniel Cruz im Rundfunk.

Der Sturm fegte am Samstag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 175 Kilometern pro Stunde über die nördliche Provinz Cagayan. "Parma" entwurzelte Bäume und knickte Strommasten um. In der Hauptstadt Manila flohen vorsorglich Zehntausende Einwohner vor dem Taifun. Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo rief einen landesweiten Notstand aus und ordnete Massenevakuierungen in sechs Provinzen an.

Teile Manilas waren noch immer von den Rekordniederschlägen des vergangenen Wochenendes überflutet. "Ketsana" riss auf den Philippinen mindestens 288 Menschen in den Tod. In Vietnam kamen rund hundert Menschen ums Leben. Weitere Opfer waren in Kambodscha und Laos zu beklagen.

kgp/dpa/AFP/AP

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ThomasGB, 02.10.2009
1. Garnicht !
Zitat von sysopWie bei vielen Katastrophen zuvor verlaufen in Erdbebengebieten die Rettungsarbeiten oft nur stockend. Es gibt zu wenig technische Hilfsmittel. Das verringert die Überlebenschancen der Verschütteten. Was kann getan werden, damit zügiger geholfen werden kann?
Es ist nämlich eine Eigenschaft von Naturkatastrophen, daß man niemals weiß, an welchem Ende der Welt diese als nächstes auftreten. Helfen müssen sich die betroffenen Länder schon selber. Oder wollen Sie in jedem Dorf der Welt zehn Bagger für den Eventualfall stationieren ?
Nonvaio01 02.10.2009
2. Das ist halt Pech
Hallo, es klingt zwar hard aber das ist pech. Wenn man in einem Erdbeben gebiet lebt muss man halt mit Erdbeben rechnen. Die jeweilige Regierung muss halt dafuer sorgen das vorgesorgt ist sogut es halt geht. Japan mach das auch so und trozdem passieren Erdbeben von einer staerke mit der man nicht gerechnet hat, durch gute vorsortge koennen die opferzahlen aber auf das minimum gehalten werden. San Francisco z.b. Da weiss man das es hochgradig Erdbeben gefaehrlich ist und trozdem baut man dort eine Millionen Stadt. Man beschliesst gewisse Baumasnahmen um Gebaeude Erdbebensicher zu bauen, nur verhindern kann man es nicht. Wenn die jeweilige regierung es nicht fuer noetig haelt oder es wegen korruption und pfusch zu mehr zerstoerung kommt als noetig, ist das ein problem der regierung, nun kann man sagen die armen buerger haben keine wahl, dazu sage ich nur das jeder eine wahl hat, wenn mein Haus zusammen bricht wegen pfusch werde ich mir das nicht bieten lassen. Wenn ich mir alles gefallen lasse habe ich es nicht besser verdient...sorry aber das ist meine meinung. Gruss Bernd
reuanmuc, 02.10.2009
3.
Zitat von ThomasGBEs ist nämlich eine Eigenschaft von Naturkatastrophen, daß man niemals weiß, an welchem Ende der Welt diese als nächstes auftreten. Helfen müssen sich die betroffenen Länder schon selber. Oder wollen Sie in jedem Dorf der Welt zehn Bagger für den Eventualfall stationieren ?
.. und wann und wie sie auftreten. Früher oder später, wahrscheinlich später, wird man erkennen, dass eine von der UNO organisierte, ständige Hilfstruppe für Katastrophenfälle sinnvoll wäre. Dagegen steht einzig der Stolz und die Autorität vieler Staatsregierungen. Je mehr Katastrophen noch kommen, desto eher steigt jedoch der Druck auf die Regierungen, mit Einsicht ist dagegen nicht zu rechnen.
DefTom 02.10.2009
4. Immer dasselbe Spiel...
Jetzt ist dieses Beben gerade mal eine Tag her, und schon fällt der versammelten Weltpresse dort nichts mehr anderes ein, als über Einzelschicksale und sog. Wunder zu berichten. Und der Spiegel spielt mit. Ich könnte kotzen.
wudi 02.10.2009
5.
Zitat von reuanmuc.. und wann und wie sie auftreten. Früher oder später, wahrscheinlich später, wird man erkennen, dass eine von der UNO organisierte, ständige Hilfstruppe für Katastrophenfälle sinnvoll wäre. Dagegen steht einzig der Stolz und die Autorität vieler Staatsregierungen. Je mehr Katastrophen noch kommen, desto eher steigt jedoch der Druck auf die Regierungen, mit Einsicht ist dagegen nicht zu rechnen.
Ich sehe das Problem aehnlich. Aber Druck auf die Regierungen? Wird in vielen Laendern wenig helfen. Nehmen wir nur das Beispiel Burma. Gerade Katastrophengebiete liegen oft in undemokratischen Staaten.
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