Erdbeben in Iran THW stoppt Suche nach Überlebenden

Keine Klopfzeichen mehr und keine Hinweise aus der Bevölkerung: Das Technische Hilfswerk hat die Suche nach Überlebenden des verheerenden Erdbebens in Iran eingestellt. Bei der Koordination der Hilfsaktionen soll es erhebliche Probleme geben.


Bam: Leichengeruch liegt über der Stadt
REUTERS

Bam: Leichengeruch liegt über der Stadt

Teheran/ Frankfurt am Main - Nach Klopfzeichen aus einem Keller hatten die Helfer die ganze Nacht hindurch gearbeitet, sagte THW-Mitarbeiter Stefan Duda in Bam. Die beiden Verschütteten konnten nur noch tot aus den Trümmern geborgen werden. Es gebe derzeit aber keine Signale wie etwa Klopfzeichen mehr, auch aus der Bevölkerung kämen keine Hinweise auf mögliche Überlebende, berichtete THW-Sprecher Nicolas Hefner am Montagvormittag der Nachrichtenagentur AP.

Auch die Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes wollten ihre Rettungsarbeiten demnächst einstellen. "Eine Entscheidung hierüber ist allerdings noch nicht gefallen, es wird aber mutmaßlich in den nächsten Stunden bis zum nächsten Tag wohl so sein", sagte der Notfallmediziner Frank Marx vom Malteser Hilfsdienst im ARD-"Morgenmagazin". Marx ist selbst in der zerstörten Stadt Bam.

Nach Angaben des Innenministeriums in Teheran waren bis zum Sonntagabend 21 000 Tote geborgen worden. Doch die Zahl der Toten werde weiter steigen, befürchtete Innenminister Mussavi Lari. Bei dem Erdbeben der Stärke 6,3 auf der Richterskala war am Freitagmorgen die 100.000-Einwohner-Stadt Bam an der Seidenstraße fast völlig zerstört worden.

Iran: Russische Helfer im Einsatz
AP

Iran: Russische Helfer im Einsatz

Der Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Lübbo Roewer, berichtete von chaotischen Zuständen in Südiran: "Viele unserer Helfer sind langjährig schon im Ausland tätig und haben auch schon Naturkatastrophen miterlebt. Aber die sagen, eine solche Szenerie hätten sie noch nie gesehen." Die Häuser seien wie Kartenhäuser zusammengebrochen. "Und das haben die noch nie vorgefunden, dass im Prinzip durch ein Erdbeben alles dem Erdboden gleich gemacht wurde", sagte Roewer. Nachdem die Helfer für die Überlebenden mittlerweile in der Stadt Bam 15.000 Zelte aufgebaut hätten, gehe es jetzt darum, die Zelte zu beheizen.

Offenbar gibt es im Katastrophengebiet jedoch erhebliche Probleme, die große internationale Hilfsbereitschaft zu koordinieren. "Bislang ist die Organisation noch nicht zufrieden stellend", sagte die Sprecherin des Uno-Büros für humanitäre Angelegenheiten, Madeleine Moulin-Acvedo, im "Morgenmagazin". Derzeit sei man mit Hochdruck dabei, die überwältigende Hilfe in Bahnen zu lenken. "Wir müssen im Erdbebengebiet aus dem Nichts etwas aufbauen", sagte die Sprecherin. Sie sei jedoch optimistisch, dass man die Schwierigkeiten noch im Laufe des Montags in Griff bekomme.

Das DRK wollte am Montag zwei mobile Gesundheitsstationen vom Flughafen Köln-Bonn aus nach Iran fliegen. Die Stationen bieten über drei Monate mobile Pflege, Impfungen und Geburtshilfe für bis zu 40.000 Patienten, wie die Organisation mitteilte. Insgesamt würden 120.000 Opfer des Erdbebens vom 26. Dezember dringend Hilfe benötigen, hieß es.



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