Erdbeben in Italien "Als würde eine U-Bahn durchs Haus rattern"

Häuser wackeln, Menschen rennen auf die Straße, Kinder weinen: Selbst hundert Kilometer vom Epizentrum entfernt, in der Hauptstadt Rom, riss das Beben die Bewohner aus dem Schlaf. SPIEGEL-Korrespondent Alexander Smoltczyk schildert seine Erlebnisse.


Rom - Der erste Gedanke, noch im Halbschlaf um halb vier: Ein Hagelsturm ist losgebrochen, muss die Fenster und Balkontüren aufgerissen haben. Drinnen ist draußen. Wieso stürmt es im Schlafzimmer, wer hat die Wände weggenommen? Was ist los?

Aber draußen vor dem Fenster ist kein Wind und kein Gewitter. Nur Vögel scheinen vom Himmel zu fallen. Die Alarmsirenen der Autos und Mopeds im Viertel sind losgegangen und mischen sich mit den Schreien der Möwen und dem Gebell des Nachbarhunds. Sonst ist alles still, bis auf das fortwährende Klingeln der Glasperlen der Lampe.

Dann der zweite Schub. Fünfkommaacht auf der Richterskala, heißt es später. Der Boden zuckt, als wäre das hier kein massiv gebautes siebenstöckiges Mietshaus, sondern der vor- und zurückrollende Teppich einer Geisterbahn, als würde eine U-Bahn durchs Stockwerk unter uns rattern. Ein beängstigendes, existentielles Gefühl: Wenn der Boden in den eigenen vier Wänden nachgibt, ist alles möglich.

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Die achtjährige Tochter kommt herein, weinend: Sie dachte, ein Räuber sei gekommen und rüttele an ihrem Hochbett. Ob wir sterben müssten? Jetzt schwingen die Lampen in den Zimmern. Eine Gitarre, aufgehängt im Kinderzimmer, schlägt gegen die Wand.

Auf den Balkonen in der Straße stehen einige Menschen in Morgenmänteln, aber niemand ruft oder schreit, die Straße ist wie immer um diese Uhrzeit völlig ausgestorben. Im apostolischen Palast geht ein Licht an. Es ist das Küchenfenster. Der Papst hat offensichtlich einen guten Schlaf. Oder reichlich Gottvertrauen.



insgesamt 309 Beiträge
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IsArenas, 06.04.2009
1.
Zitat von sysopIn Italien sind mindestens 31 Menschen bei einem Erdbeben der Stärke 5,8 auf der Richterskala ums Leben gekommen. Gibt es ausreichenden Schutz in Europa? Diskutieren Sie mit!
In Italien gewiss nicht. Viele neue, als erdbebensicher geltende Gebäude (seit dem großen Beben in Messina /Reggio Calabria von 1908 sind theoretisch sowieso alle Gebäude per Gesetz "erdbebensicher") sind heute Nacht/Morgen eingestürzt wie Kartenhäuser. Außerdem sind Erdbeben einfach zu unkalkulierbar, die Werte auf den Skalen sagen nicht viel aus. Der Zivilschutz geht jetzt davon aus, das Epizentrum habe nur 5 km unter der Erdoberfläche gelegen. Im Übrigen denke ich, dass es gegen die gewaltigen Verschiebungen der afrikanischen Platte gegen Norden (die Alpen wachsen immer noch!) letztlich keinen Schutz gibt, außer vielleicht aus bestimmten Zonen wegzuziehen -- da gibt es in Italien aber noch viel gefährlichere Gegenden als die Abbruzzen, wo es ja ständig bebt...
ntholeboha 06.04.2009
2. Nein!
Zitat von sysopIn Italien sind mindestens 31 Menschen bei einem Erdbeben der Stärke 5,8 auf der Richterskala ums Leben gekommen. Gibt es ausreichenden Schutz in Europa? Diskutieren Sie mit!
Auch mit modernsten und in der Zukunft noch besseren Instrumentarien sowie vielfaeltigen Vorsorgen wird es keinen ausreichenden Schutz in Europa geben koennen. Sicher Panikmache waere ebenso unangebracht aber wir leben nun einmal quasi auf einem recht aktiven Pulverfass. Eindaemmungen von Gefahren sind sicher weiterhin denkbar. Es gibt jedoch auch Punkte, die es mit zu beruecksichtigen gilt: Warum z. B. muessen sich Menschen am Fusse von Vulkanen ansiedeln? Sind die Einwohner von Gefahrengebieten ausreichend ueber die gegebenen Situationen informiert und wie sind sie auf etwaige Naturereignisse vorbereitet? Wer kann mit absoluter Sicherheit sagen, wie sich das Erdinnere kuenftig auch in sicherer geglaubten Gebieten entwickeln wird? Und nicht zuletzt: warum 'nur' ueber Europa nachdenken im Zeitalter der Globalisierung? Die eigenen Fehlleistungen beim Umgang mit unserer Umwelt sind dabei noch gar nicht beruecksichtigt. Ausserdem mutet es auch seltsam an, Katastrophen dann als solche zu postulieren wenn es um Menschenleben geht - als ein Teil der gesamten Erde, die uns nicht aber die wir brauchen.
ebert 06.04.2009
3. Schäden?
Erstaunlich ist, dass ein Beben mit "nur" 5,7 auf der Richterskala (laut Landeserdbebendienst Freiburg übrigens in 10km Tiefe) solche Schäden verursacht. Das Beben 2004 im Kandelwald hat trotz 5,4 lediglich zu einzelnen Gebäuderissen und herunterfallenden Dachziegeln geführt. Wird in Italien anders gebaut?
Mo2 06.04.2009
4. Und
Berlusconi möchte Atomkraftwerke bauen, schön mit sandigem Mafia-Beton...
Lottofreak 06.04.2009
5. Sicherheit gibt es wohl nur begrenzt in
Zitat von sysopIn Italien sind mindestens 31 Menschen bei einem Erdbeben der Stärke 5,8 auf der Richterskala ums Leben gekommen. Gibt es ausreichenden Schutz in Europa? Diskutieren Sie mit!
statisch korrekten und auf tiefem Fundament gebauten Häusern. Wie man aus dem Süden eben leider nur zu gut weiß wurde und wird dort noch immer beim Bau arg gepfuscht und gespart wo es nur geht.Billigbeton, dünne tragende Wände, schlechter Stahl oder kaum einer... ec. - Bin kein Bau Ingeneur aber soviel sagt mir mein gesunder Verstand, daß ein Objekt welches fast nur auf Sand oder lösigem Boden gebaut ist eben schneller einstürzt als ein Haus fest auf/in Beton verankert. Ich selber wohne in einem 80 Jahre altem 3stöckig. 4 Kant Altbaublock mit Innenhof in Bayern - die Bausubstanz ist erbärmlich verkommen und es gibt schon viele Risse in Wohnungen - außerdem ist der Pfusch unverkennbar, keine Wohnung gleicht der anderen d.h. es haben unendlich viele unterschiedliche Leute hier rumgebaut.... bei einem Edbebeben dieser Stärke - Oh Gnade Gott..... würde hier alles ebenso zusammenbröseln- ein gruseliger Gedanke - ich wohne nämlich Parterre.....
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