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20. Mai 2012, 15:52 Uhr

Naturkatastrophe

Nachbeben erschüttern Norditalien

Die Region kommt nicht zur Ruhe: Nach dem schweren Beben am Sonntag haben Nachbeben den Norden Italiens erschüttert. Die Erdstöße erreichten in der Nacht eine Stärke von 3,7. Durch die Katastrophe wurden mehr als 3000 Menschen obdachlos.

Rom - Nach dem schweren Erdbeben in Norditalien haben tausende Menschen die Nacht in Notunterkünften oder bei Freunden und Verwandten verbracht. Erneut wurde die Region Emilia Romagna von Nachbeben erschüttert. Die schwersten Erdstöße erreichten dabei in der Nacht eine Stärke von 3,7.

Am frühen Sonntagmorgen hatte ein Beben der Stärke 6,0 die Region erschüttert. Mindestens sieben Menschen kamen ums Leben, darunter auch eine Deutsche. Das italienische Fernsehen berichtete von etwa 50 Verletzten. An vielen historischen Gebäuden entstanden schwere Schäden.

Nach ersten Schätzungen wurden mindestens 3000 Menschen obdachlos, rund 2500 in der Provinz Modena und 500 in der ebenfalls stark betroffenen Provinz Ferrara mit der gleichnamigen Renaissancestadt, die zum Weltkulturerbe gehört. Wegen der schweren Schäden sollten in der Region am Montag und Dienstag zahlreiche Schulen geschlossen bleiben.

Besonders betroffen waren Modena, Ferrara, Bologna und Mantua. Mindestens vier Arbeiter starben in den Trümmern ihrer Betriebe. Das Epizentrum lag in Sant'Agostino in der Provinz Ferrara. Eine Seniorin wurde in dem Ort in ihrer Wohnung von Teilen der herunterfallenden Decke erschlagen; sie wäre im Juni 103 Jahre alt geworden. Eine 86-Jährige erlitt einen Schlaganfall.

Eine 37-jährige Deutsche, die sich aus beruflichen Gründen in Sant'Alberto di San Pietro in Casale in der Region von Bologna aufhielt, bekam Medienberichten zufolge nach dem Erdbeben Atemprobleme und starb. Sie soll obduziert werden. Die Behörden machten bislang keine Angaben über ihre Heimatstadt.

Das Fernsehen zeigte schwer beschädigte Gebäude. Trümmer lagen auf den Straßen. In San Felice stürzte eine historische Kirche ein. Von dem Turm stand nur noch die Hälfte - das Zifferblatt der Turmuhr war in der Mitte durchgerissen. Viele historische Gebäude wurden schwer beschädigt. Auch Straßen waren unpassierbar.

Regierungschef Mario Monti sagte den Opfern Hilfe zu. "In diesen Momenten fühlt das ganze Land mit denen, die leiden", sagte Monti. Wegen des Bebens und des Bombenanschlags auf eine Berufsschule im süditalienischen Brindisi, bei dem am Wochenende eine 16-Jährige getötet worden war, wollte er vorzeitig vom Nato-Gipfel in Chicago abreisen und noch am Montagnachmittag wieder in Italien sein.

Auch Papst Benedikt XVI. gedachte den Opfern. "Meine Gedanken gelten auch den Menschen in der Emilia Romagna, die vor wenigen Stunden von einem Erdbeben heimgesucht worden sind", sagte er in Rom. "Ich bin im Geiste bei denen, die von diesem Unglück betroffen sind."

Das Beben war etwa so stark wie das von Aquila, das am 6. April 2009 die Stadt in den Abruzzen erschüttert und schwere Schäden angerichtet hatte. 300 Menschen starben damals. Bis heute sind Teile des historischen Stadtkerns gesperrt - der Wiederaufbau ist ins Stocken geraten.

jbr/dpa

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