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20. Mai 2012, 07:56 Uhr

Mehrere Tote, 50 Verletzte

Starkes Erdbeben erschüttert Nordosten Italiens

Es war eine Nacht der Angst in vielen Städten Italiens: Ein Erdbeben mit der Stärke von 6,0 hat den gesamten Nordosten des Landes erschüttert. Mindestens sechs Menschen kamen ums Leben - darunter offenbar auch eine Deutsche.

Berlin/Rom - In der Nacht zum Sonntag, um 4.04 Uhr, bebte die Erde und erschütterte den gesamten Nordosten Italiens. Mindestens sechs Menschen kamen ums Leben.

Vier Arbeiter wurden während der Nachtschicht in Fabriken durch einstürzende Dächer oder umstürzende Pfeiler erschlagen. Eine mehr als hundert Jahre alte Frau erlittt aus Panik einen tödlichen Kreislaufzusammenbruch.

Auch eine Deutsche ist Berichten zufolge kurz nach dem Erdbeben gestorben. Die 37-Jährige, die sich aus beruflichen Gründen in Sant'Alberto di San Pietro in Casale in der Region Bologna aufhielt, habe nach den Erdstößen Atemprobleme bekommen und dann das Bewusstsein verloren, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Gegen 4.40 Uhr habe ein Mann die Rettungskräfte alarmiert. Vermutet wird, dass die Panik wegen des Bebens den Tod der 37-Jähirgen ausgelöst haben könnte. Sie erlitt offenbar einen Kreislaufzusammenbruch.

Laut dem öffentlichen Fernsehsender Rai gab es insgesamt rund 50 Verletzte. In Finale Emilia wurde ein fünfjähriges Mädchen nach einer Reihe hektischer Telefonate zwischen seiner Familie und einem Freund in New York sowie den Rettungskräften aus den Trümmern eines Hauses gerettet. "Ihr Vater hat wie ein Löwe gekämpft, um ihr Gesicht freizubekommen, damit sie atmen kann", berichtete ein Nachbar. "Die Rettungskräfte haben dann den Rest getan."

Eingestürzte Kirche, schwere Schäden an Gebäuden

Das Beben dauerte nach Angaben von Rettungskräften etwa 20 Sekunden. Eine Stunde später gab es mehrere Nachbeben. Der erste Erdstoß hatte demnach eine Stärke von 6,0, hieß es unter Berufung auf das Nationale Geophysikalische und Vulkanologische Institut. Das Epizentrum lag demnach in einer Tiefe von zehn Kilometern in Finale Emilia, 36 Kilometer nördlich von Bologna.

In der Region um die zum Unesco-Weltkulturerbe zählende Stadt Ferrara wurden zahlreiche historische Bauten und Kirchen beschädigt oder zerstört. Das Fernsehen zeigte schwer beschädigte Gebäude, Trümmer lagen vielerorts auf der Straße.

Die schwersten Schäden gab es Ansa zufolge in dem Ort San Felice und in Finale Emilia. In San Felice stürzte eine Kirche ein und viele historische Gebäude wurden schwer beschädigt. In Finale Emilia seien schwer kranke Patienten vorsorglich aus dem Krankenhaus gebracht worden. Laut "corriere.it" stürzte in dem Ort auch ein Turm ein.

Manche Menschen seien aus Panik im Schlafanzug auf die Straße gelaufen. Mancherorts wagten sich die Menschen nicht zurück in ihre Häuser. Das ganze Ausmaß der Schäden ist noch unklar.

Das Beben sei fast so stark gewesen wie das von Aquila, schrieb Ansa. Am 6. April 2009 hatte ein Beben der Stärke 6,2 die Stadt in den Abruzzen erschüttert und schwere Schäden angerichtet. 1976 hatten Erdstöße der Stärke 6,2 die Region von Friaul erschüttert. Als schwerste Erdbebenkatastrophe der Nachkriegszeit in Italien gilt das Beben von Irpinia mit einer Stärke von 6,8.

ssu/dpa

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