Erdbeben in Pakistan "Kein einziges Haus ist mehr intakt"

Es traf eine der ärmsten Regionen in Pakistan: Bei einem Erdbeben in der Provinz Belutschistan wurden mindestens 130 Menschen getötet, Zehntausende Häuser sollen zerstört worden sein. Die Regierung rechnet mit schweren Nachbeben.


Quetta - Bei einem schwerem Erdbeben im Südwesten von Pakistan sind am Mittwochmorgen nach Behördenangaben mindestens 135 Menschen ums Leben gekommen.

Mindestens 120 Menschen seien verletzt worden, bis zu 15.000 Menschen hätten ihr Haus verloren, erklärte Bürgermeister Dilawar Kakar aus dem Bezirk Ziarat in der Provinz Belutschistan. Die Behörden befürchteten, dass die Opferzahl noch weiter steigen könnte, da Hunderte Häuser eingestürzt waren.

"Das Maß der Zerstörung hier ist enorm", sagte Bürgermeister Kakar. "Kein einziges Haus ist mehr intakt."

Die Streitkräfte erklärten, Rettungskräfte und medizinisches Gerät seien unterwegs in die entlegenen Gebiete der betroffenen Provinz. Auch die Regierung mobilisierte den Transport erster Hilfsgüter in die Region.

Das Epizentrum des Bebens der Stärke 6,4 lag laut der US-Erdbebenwarte (USGS) unter der Erdoberfläche, gut 640 Kilometer südwestlich von Islamabad in Belutschistan an der afghanischen Grenze.

Die Provinz ist dünn besiedelt und eine der ärmsten Gegenden Pakistans. In Ziarat waren Hunderte Häuser zerstört, wie Kakar sagte. Die Dorfbewohner versuchten, sich gegenseitig zu helfen. "Aber es braucht hier einen größeren Einsatz", sagte der Bürgermeister. "Ich möchte die ganze Welt um Unterstützung bitten. Wir brauchen Nahrung, Medizin, die Menschen brauchen warme Kleidung und Decken, es ist sehr kalt."

Das Erdbebengebiet in der Provinz Belutschistan: Zehntausende Häuser sollen zerstört worden sein, zur Stunde werden immer noch Tote und Verletzte geborgen
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Das Erdbebengebiet in der Provinz Belutschistan: Zehntausende Häuser sollen zerstört worden sein, zur Stunde werden immer noch Tote und Verletzte geborgen

In dem Dorf Sohi beobachtete ein Reporter der Nachrichtenagentur AP, wie Einwohner ein Massengrab aushoben. 17 Tote waren unter einem eingestürzten Haus geborgen worden, zwölf unter einem anderen. "Wir können sie nicht einzeln begraben, es sind einfach zu viele", sagte der Dorfälteste Shamsullah Khan.

Viele Zugangsstraßen sind durch Gerölllawinen verschüttet. Ein Arzt aus dem Provinzkrankenhaus in Kawas sagte, man sei mit der Situation "überfordert".

Laut Geo-News rechnet die Regierung in Islamabad in den kommenden 48 Stunden mit weiteren schweren Nachbeben. Ein Regierungssprecher sagte der Zeitung "The Nation", es werde Tage dauern, bis Klarheit über die Zahl der Opfer herrsche, da das Beben sehr wahrscheinlich auf sehr dünn besiedelte, abgelegene Regionen getroffen war.

Pakistan liegt in einer seismisch aktiven Zone. Im Oktober 2005 hatte ein Erdbeben der Stärke 7,6 Kaschmir und den Norden Pakistans erschüttert. Rund 80.000 Menschen kamen ums Leben, Hunderttausende verloren ihr Zuhause.

pad/AP/dpa



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