Tsunami in Indonesien Warnbehörde wehrt sich gegen Kritik

"Es gab keine Sirene": Nach dem Tsunami in Indonesien mit mehr als 830 Toten stand das Warnsystem in der Kritik. Jetzt hat sich die zuständige Behörde verteidigt - deutsche Experten bleiben skeptisch.
Rettungskräfte im indonesischen Palu

Rettungskräfte im indonesischen Palu

Foto: MAST IRHAM/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Nach der Tsunami-Katastrophe in Indonesien wehren sich die Behörden gegen Kritik am Warnsystem. Die Leiterin des Zentrums für Meteorologie und Geophysik (BMKG) rechtfertigte die Entscheidung, die ausgerufene Tsunami-Warnung am Freitagabend nach einer halben Stunde wieder aufzuheben. Zu diesem Moment habe es keine Flutwellen mehr gegeben, sagte Behördenchefin Dwirkorita Karnawati der Zeitung "Jakarta Post".

Das BMKG hatte wenige Minuten nach dem stärkeren Erdbeben eine Tsunami-Warnung ausgegeben, diese aber eine halbe Stunde später wieder aufgehoben - aus Sicht von Kritikern zu früh, sodass die Menschen unvorsichtig geworden seien. "Es gab keine Sirene. Viele Menschen waren sich der Gefahr nicht bewusst, also gingen sie ihrer Beschäftigung am Strand nach", sagte der Sprecher von Indonesiens Katastrophenschutzbehörde, Sutopo Nugroho.

Dagegen wehrt sich die Chefin der zuständigen Behörde BMKG. "Der Strand von Palu wurde in der Dämmerung von drei Wellen erfasst. Das hat zweieinhalb Minuten gedauert", sagte Karnawati der "Jakarta Post". "Die dritte und höchste hat Häuser und Kioske mit sich gerissen." Die Tsunami-Warnung sei dann erst einige Minuten später aufgehoben worden, um genau 18.37 Uhr Ortszeit.

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Tsunami in Indonesien: Verzweifelte Suche nach Überlebenden

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Aus Sicht des Deutschen Geoforschungszentrums in Potsdam (GFZ) war jedoch auch das zu früh. "Das System sieht vor, dass die Warnung frühestens nach zwei Stunden aufgehoben werden darf", hatte GFZ-Sprecher Josef Zens dem "Tagesspiegel" gesagt.

Nach offiziellen Zahlen kamen an der Westküste von Indonesiens viertgrößter Insel durch die Beben und den Tsunami mindestens 832 Menschen ums Leben. Zudem gibt es viele Hunderte Verletzte. Es wird allerdings befürchtet, dass diese Zahlen noch deutlich steigen werden - auch, weil Einsatzkräfte zu einigen der betroffenen Regionen noch gar keinen Zugang haben. Insbesondere in der Gemeinde Donggala im Norden werden noch zahlreiche Opfer befürchtet.

Video: Tsunami in Indonesien - mehr als 800 Todesopfer

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Die Rettungskräfte haben die Suche nach Überlebenden wieder aufgenommen. Die Arbeiten auf der Insel Sulawesi werden nach Angaben von Helfern allerdings dadurch erschwert, dass es an technischem Gerät und Treibstoff fehlt. Das Militär flog Generatoren ein, weil der Strom nach zwei schweren Erdbeben und der folgenden Flutwelle vom Freitag an vielen Orten immer noch unterbrochen ist.

Indonesien ist mit mehr als 260 Millionen Einwohnern einer der bevölkerungsreichsten Staaten und liegt auf dem Pazifischen Feuerring, einer geologisch sehr aktiven Zone. Dort bebt die Erde immer wieder.

Am zweiten Weihnachtstag 2004 hatte ein Erdbeben vor der Küste der indonesischen Insel Sumatra einen Tsunami ausgelöst, in dessen Folge in den östlichen Anrainerstaaten des Indischen Ozeans etwa 230.000 Menschen starben.

jpz/dpa
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