Erdbeben "Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben"

Nach dem verheerenden Erdbeben geht im iranischen Bam die Suche nach Überlebenden langsam zu Ende. Die Retter geben die Hoffnung nicht auf, doch noch Verschüttete aus den Trümmern ziehen zu können. Bei einem Hilfseinsatz stürzte ein iranischer Armee-Hubschrauber ab.


Bam: THW-Helfer im Einsatz
REUTERS

Bam: THW-Helfer im Einsatz

Bam - Wahrscheinlich werde die Suche am Montagabend eingestellt, kündigte der iranische Innenminister Abdolwahed Musawi Lari am Sonntagabend an: "Morgen ist unsere letzte Hoffnung." Am Sonntag sei nur ein Verschütteter lebend aus den Trümmern gezogen worden, teilte Asadollah Iranmanesch, ein Sprecher der lokalen Verwaltung, mit. Am Samstag, einen Tag nach dem verheerenden Beben, waren es noch 150 gewesen.

In der fast völlig zerstörten Stadt Bam konnten die deutschen Helfer noch nicht klären, woher Klopfzeichen unter den Trümmern genau stammten. "Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, an dieser Stelle Überlebende zu finden, und suchen weiter", sagte eine Sprecherin des Technischen Hilfswerks (THW).

Die Klopfzeichen seien auch noch Stunden nach der ersten Ortung zu hören gewesen. Zunächst hatten am Sonntagabend Suchhunde angeschlagen, dann registrierten THW-Mitarbeiter mit elektronischen und Radargeräten Klopfzeichen aus dem Keller eines eingestürzten Backsteingebäudes. An der Rettungsaktion sei auch der Malteser Hilfsdienst beteiligt.

An der Suche nach Überlebenden beteiligen sich Rettungsteams aus Iran und 21 anderen Ländern mit Hilfe von Hunden und hochsensiblen elektronischen Geräten. Bisher wurden in Bam und den Orten der Umgebung mehr als 20.000 Tote geborgen. Rund 10.000 Einwohner wurden verletzt in Krankenhäuser gebracht. Bei dem Erdbeben der Stärke 6,3 auf der Richterskala war am Freitagmorgen die 100 000-Einwohner-Stadt Bam an der Seidenstraße fast völlig zerstört worden.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) fliegt heute zwei mobile Gesundheitsstationen in den Iran. Sie bieten über drei Monate Pflege, Impfungen und Geburtshilfe für bis zu 40 000 Patienten, teilte das DRK am Sonntag in Berlin mit. Aus Deutschland sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin rund 70 Erdbebenspezialisten nach Bam geflogen.

Die beiden Insassen des Hubschraubers würden vermisst, berichteten die staatlichen iranischen Medien. Der Helikopter sei auf dem Flug nach Bam gewesen und am späten Sonntagabend abgestürzt. Irans Präsident Mohammed Chatami bezeichnete das Beben als "nationale Tragödie". Das staatliche Fernsehen IRIB kritisierte überraschend deutlich das Krisenmanagement der Behörden. Die Menschen in Bam hätten rund 24 Stunden lang auf organisierten Beistand warten müssen. Chatami hatte, anders als bei früheren Beben, rasch internationalen Beistand akzeptiert und außerdem die Visa- Bestimmungen erleichtert.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.