Erfurter Amoklauf Abschied von den Opfern

Zehntausende Menschen werden heute auf dem Erfurter Domplatz erwartet. Dort findet am Vormittag eine Trauerfeier für die Opfer des Amokläufers vom vergangenen Freitag statt.


Zu der Trauerfeier werden mehrere zehntausend Menschen erwartet
AFP

Zu der Trauerfeier werden mehrere zehntausend Menschen erwartet

Erfurt - Die offizielle Trauerfeier und der ökumenische Gottesdienst werden auf dem Domplatz von Erfurt zelebriert. Neben den Schülern und Lehrern des Gutenberg-Gymnasiums und Angehörigen der Toten werden Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse unter den Trauergästen sein. Fast das gesamte Bundeskabinett, die Ministerpräsidenten mehrerer Länder und 30 Botschafter werden erwartet. Der Schütze Robert Steinhäuser hatte am vergangenen Freitag 16 Menschen und danach sich selbst getötet.

Bundespräsident Johannes Rau will Angehörigen und Freunden der Ermordeten in einer Trauerrede Trost spenden. Neben Rau und Ministerpräsident Bernhard Vogel wird nach Angaben der Thüringer Staatskanzlei eine Schülerin aus der 12. Klasse des Gutenberg-Gymnasiums sprechen. Den ökumenischen Gottesdienst mit Fürbitten halten drei Bischöfe. Noch immer versuchen Psychologen, den unmittelbaren Zeugen des Amoklaufes über die traumatischen Erfahrungen hinwegzuhelfen. Die Schüler sollen von Montag an in einer anderen Schule unterrichtet werden, bis ihr Gymnasium saniert ist. Dafür stellte SPD-Bundestagsfraktionschef Peter Struck zwei Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt in Aussicht.

Die Kultusminister mehrerer Länder wollen nach der Gedenkfeier Konsequenzen aus dem Amoklauf erörtern. Sie wollen zudem über eine Regelung zur Anerkennung des Abiturs für die aus den Prüfungen gerissenen Gutenberg-Schüler sprechen. "Bis Schuljahresende werden wir individuelle Lösungen für jeden Abiturienten gefunden haben", sagte Thüringens Kultusminister Michael Krapp (CDU). Die Novellierung des Landes-Schulgesetzes solle auch Wege öffnen, damit Gymnasiasten nicht ohne Abschluss die Schule verlassen müssen. Denkbar sei unter anderem, dass sie in der 10. Klasse einen für sie zugeschnittenen Realschulabschluss ablegen. Thüringen war in die Kritik geraten, weil der Todesschütze nach seiner abgebrochenen Schulzeit keinen Abschluss hatte.

Mehrere Sender wie ARD, ZDF, n-tv und N24 übertragen die Feier live. Von Bereichen am Rand und von Podesten aus sollen Kameraleute, Fotografen und andere Journalisten die Ereignisse verfolgen. Für 1500 Schüler, Lehrer, Angehörige und geladene Gäste sind Sitzplätze reserviert.



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