Erich von Däniken Indiana Jones von Interlaken

Stonehenge, Maya-Tempel und Cheops-Pyramide: Im schweizerischen Interlaken setzt sich Ufo-Forscher und Bestseller-Autor Erich von Däniken ein Denkmal - den "Mystery Park", eine Ansammlung unerklärlicher Welträtsel.
Von Joachim Hoelzgen

Interlaken - Der alte Fahrensmann bereiste die Welt und kann sich nicht irren. "Nirgendwo ist die Schweiz so dramatisch und lieblich zugleich", spricht Erich von Däniken, 68, kennerhaft. Von der Terrasse seines Chalets im stolzen Dorf Beatenberg schweift sein Blick hinab zum Thuner See und südwärts zu Eiger, Mönch und Jungfrau, dem Dreigestirn der Berner Alpen.

Doch Däniken, mit einer Auflage von 63 Millionen erfolgreichster Sachbuchautor aller Zeiten, fand hier nicht die Ruhe eines Pensionärs. Er hat sich daran gemacht, den Bau eines Denkmals zu vollenden: des "Mystery Park" im nahen Interlaken, der am 24. Mai eröffnet werden soll - eine Begegnungsstätte für Ufo-Fans und natürlich Touristen, die sonst zum Wandern und Bestaunen der Wasserfälle in dem Feriengebiet Halt machen.

Mit Bestsellern wie "Erinnerungen an die Zukunft" machte Däniken, der ehemalige Zögling eines Jesuiten-Internats, Ende der sechziger Jahre schon Furore. Und mit der kardinalen Theorie, Felszeichnungen, alte Schriften und rätselhafte Linien etwa in der Nazca-Wüste von Peru wiesen auf den Besuch außerirdischer Astronauten auf der Erde hin.

Arbeit an ungewöhnlichen Fragen

Vom Balkon seines Chalets weist Däniken nach Osten: "Dort, zwischen den Baumwipfeln, sehen Sie den Turm der Anlage." Das Wahrzeichen der mysteriösen Bauten ist 41 Meter hoch, weist Bullaugen in einer großen Kugel auf und wirkt wie die Nabe auf dem Kampfstern eines intergalaktischen Imperiums. Im obersten Stockwerk befindet sich das Büro der Erich-von-Däniken-Stiftung - eine Art Kommandostand mit Panoramablick auf die Umgebung. Laut Däniken will man dort aber "an ungewöhnlichen Fragen" arbeiten: "Man könnte zum Beispiel vorschlagen, mit einem Rohr herauszufinden, was im Boden von Nazca geschieht. Vielleicht verfärbt sich das Rohr ja."

Nicht weit vom Däniken-Turm erstreckt sich kreisförmig ein großer Korridor aus Glas, das äußere Rad gewissermaßen einer Weltraumstation. Die Besucher des so genannten Themenparks sollen hier zu Pavillons flanieren, die "unerklärliche und doch real fassbare Welträtsel enthalten", heißt es im Ausstellungsprospekt.

Alle Favoriten des Indiana Jones von Interlaken sind vertreten: ein Maya-Tempel, das vorgeschichtliche Stonehenge - gemäß Däniken "eine megalithische Zeitmaschine" -, die Cheops-Pyramide und die Nachbildung eines Hindu-Tempels in der südindischen Stadt Kanchipuram. Dort hat Däniken auf seiner letzten Forschungsreise Reliefs entdeckt, die angeblich Fluggeräte auf Flammenstrahlen darstellen - weitere Beweise für die Existenz der Außerirdischen, glaubt er.

Zwei Gebäude fassen Mythen zusammen, die auf "Erstkontakte" schließen lassen. Vor kurzem hat Däniken davon in St. Petersburg russischen Kosmonauten berichtet: "Es gab Standing Ovations, und der Kosmonaut Georgij Gretschko versprach, demnächst Interlaken und den Park zu besuchen."

Stonehenge-Blöcke aus Styropor

Vielleicht wird der Raumfahrer aber keine großen Augen machen. Am Nachbau der Cheops-Pyramide fehlen die Stufen. Und der Maya-Tempel ist gerade mal so groß wie das Chalet eines Industrieführers in Gstaad. Im Stonehenge-Pavillon bestehen die berühmten Felsblöcke aus Styropor - und einer von ihnen fällt am Ende einer Filmshow krachend um. Das alte Schloss Thun hoch über dem nahen See wirkt dagegen umwittert von Geheimnissen.

Für Däniken kommt die Inbetriebnahme des Ganzen freilich zur rechten Zeit, denn die Tantiemen seiner Bücher geben nur noch wenig her. Der indische Verlag etwa bezahle ihn jährlich mit vier Kisten Tee, und anderswo gebe es oft nur Raubdrucke zu signieren: "Reich bin ich darüber nicht geworden. Das Geld kam rein und ging für die Reisen und die Führung des Archivs gleich wieder raus."

Immerhin firmiert er nun als Vizepräsident einer Aktiengesellschaft, die auf das Geschäft mit den Welträtseln setzt und dafür 86 Millionen Franken investiert hat. Zehn Prozent haben Förderer wie Sony und die Feldschlösschen-Brauerei Rheinfelden aufgebracht, die in dem Park "ein neues Absatzfeld mit nachhaltiger Wirkung" wähnt.

Ob sich die Erwartungen erfüllen, ist aber nicht sicher. Mit 500.000 Besuchern jährlich hat man die Messlatte hoch angesetzt. Die berühmte Bahn zum Jungfraujoch, die mit ihrem Firmensitz gleichfalls in Interlaken angesiedelt ist, brauchte fast 100 Jahre, um auf diese Zahl zu kommen.

Kämpfer gegen alle Widrigkeiten

Und nur schwer Berechenbares kommt mit den Nachwirkungen des Irak-Kriegs, der weltweiten Wirtschaftsflaute und der Lungenseuche SARS auf den Tourismus nicht nur im Berner Oberland, sondern in der ganzen Schweiz zu. Von der "tiefsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg" ist die Rede. Der Rückgang an amerikanischen und japanischen Alpengästen sei kaum wett zu machen.

Däniken jedoch versteht sich als Kämpfer gegen alle Widrigkeiten. "Gerade wegen des Mystery Park wird die Schweiz aufholen", ist er überzeugt. "Man kann die Wunder jetzt hier sehen und braucht nicht nach Südamerika zu fliegen."

Dabei war der Anfang alles andere als leicht, weil man in Interlaken glaubte, der Blick aufs Massiv der Jungfrau würde durch die Tempelstätten Dänikens behindert. Der aber ließ sich auch durch einen kleinen Herzinfarkt nicht aufhalten. "Ich gebe in dem Park bestimmt keine endgültigen Antworten", verspricht er. "Schon in meinem ersten Buch standen 238 Fragezeichen."

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