Ermittler bestätigen Ulrike höchstwahrscheinlich tot

Durch einen Hinweis hat die Brandenburger Polizei am Donnerstagnachmittag in der Nähe von Werneuchen die Leiche eines Mädchens gefunden. Am Abend erklärten die Ermittler auf einer Pressekonferenz, die Tote sei mit hoher Wahrscheinlichkeit Ulrike.


Ulrike
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Potsdam/Eberswalde - Bei dem am Donnerstag gefundenen Leichnam handele sich "nach Leichenbild und Spurenbild allem Anschein nach" um das vermisste Mädchen, erklärte am Donnerstagabend der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Frankfurt an der Oder. Endgültige Gewissheit könne aber erst die gerichtsmedizinische Untersuchung bringen, mit deren Abschluss am Freitagvormittag zu rechnen sei.

Die gefundene Person sei allem Anschein nach nicht eines natürlichen Todes gestorben, so dass wegen eines Tötungsdeliktes ermittelt werde, erklärte Weber.

Der Hinweis auf die Leiche war von einem Bürger gekommen. Ihm war die leblose Person im Wald in Werneuchen (Kreis Barnim) aufgefallen. Sofort überprüften die Beamten der Sonderkommission den Hinweis. Der Tippgeber führte die Beamten zu einem Waldstück am Flughafen Werneuchen. Der Ort ist etwa 30 Kilometer von der Stelle entfernt, wo Ulrike entführt wurde. Die Beamten sperrten den Fundort weiträumig ab.

Letzte Gewissheit steht noch aus

"Bisher wissen wir nur, dass es ein totes Mädchen ist", hatte der Pressesprecher des Landeskriminalamts Brandenburg am Nachmittag gesagt. Fieberhaft arbeiten die Beamten jetzt an der Identifizierung der Leiche. Nach bisher unbestätigten Informationen soll die Leiche zumindest teilweise verbrannt sein. Eine Identifizierung ist deshalb sehr schwierig.

Auch am Donnerstag suchten Polizisten im Umfeld von Eberswalde nach Ulrike
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Auch am Donnerstag suchten Polizisten im Umfeld von Eberswalde nach Ulrike

Die zwölfjährige Ulrike aus Eberswalde wird seit zwei Wochen vermisst. Die Polizei geht davon aus, dass das Mädchen bei einem Unfall in Eberswalde von einem weißen VW Polo angefahren und dann von dem Täter darin verschleppt wurde. Schon seit Tagen war die Hoffnung, Ulrike noch lebend zu finden, immer weiter geschwunden.

Am Donnerstagabend widersprachen die Ermittler der Theorie, es habe mehrere Täter gegeben. Eine dementsprechende Äußerung von Innenminister Jörg Schönbohm sei missverstanden worden, sagte ein Sprecher der Ermittlungsgruppe.

Schönbohm: Mit Wahrscheinlichkeit Ulrike

Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) erklärte nach dem Leichenfund, mit hoher Wahrscheinlichkeit handele es sich um das 12-Jährige Mädchen. Letzte Gewissheit werde es erst nach der Identifizierung der Toten durch die Angehörigen geben, so Schönbohm am Abend im Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB).

Schönbohm rechtfertigte zugleich die Verringerung der Suchkräfte vom Donnerstag an. Die Fahndung sei von einem hohen Einsatz mit Kräften auch aus anderen Bundesländern auf ein Normalmaß mit eigenen Beamten reduziert worden. Fortan werde nicht mehr flächendeckend, sondern punktuell gemäß den eingehenden Hinweisen gesucht.

Am Donnerstag waren in der Region südlich von Eberswalde bei kalten Temperaturen und Wind weniger Beamte als an den Vortagen im Einsatz. Etwa 250 Polizisten aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt untersuchten auffällige Bodenstellen, die bei Luftaufnahmen von Bundeswehr-Tornados markiert worden waren. Auch Spürhunde, ein Hubschrauber und Spezialisten der Spurensicherung halfen bei der Suche.

Keine Kontaktaufnahme durch den Entführer

Zu Spekulationen auf eine Entführung Ulrikes sagte ein Eberswalder Polizeisprecher, es habe in den vergangenen 14 Tagen keinen Versuch der Kontaktaufnahme eines eventuellen Entführers mit den Eltern oder der Polizei gegeben. Die Untersuchung auf einen genetischen Fingerabdruck am Fahrrad der Vermissten hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft ebenfalls keinen konkreten Täterhinweis erbracht.



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