Ermittlungen Armee zeichnete Sniper für besondere Dienste aus

Der Fall Sniper ist laut Polizei gelöst. Zwei Männer wurden verhaftet. Wichtige Indizien: Die Fahnder stellten ein Präzisionsgewehr sicher, das dasselbe Kaliber hat wie die Mordwaffe. Seine Ausbildung erhielt der Hauptverdächtige offenbar bei der US Army.



Rockville - Das bei den beiden Männern sichergestellte Gewehr sei die Waffe, mit der seit Anfang Oktober zehn Menschen im Großraum Washington erschossen und drei verletzt worden waren, teilte die Polizei mit. Bei den beiden Verdächtigen handele es sich um den ehemaligen US-Soldaten und Golfkriegsveteran John Allen Muhammad, 42, und einen Jugendlichen, sagte der Polizeichef des Bezirks Montgomery, Charles Moose, am Donnerstag. Ermittler bestätigten, dass der Jugendliche der 17-jährigen Stiefsohn Muhammads, John Lee Malvo, sei.

"Wir haben dem Terror nicht nachgegeben", sagte Moose auf einer Pressekonferenz: "Wir fühlen uns gut. Wir haben die Waffe, sie ist nicht mehr auf der Straße." Ballistische Untersuchungen hätten das im Fahrzeug der beiden Männer gefundene Gewehr als Tatwaffe identifiziert. In dem Auto, in dem die beiden Männer gefasst wurden, gab es eine Schießscharte: Der Kofferraum hatte zwei große Löcher - eines für den Gewehrlauf und eines für das Zielfernrohr.

US-Präsident George W. Bush gratulierte den Ermittlern. "Sie haben einen Schatten der Angst von vielen Familien genommen", sagte Bush in einem Telefonat mit Moose. In Montgomery County wurden mehrere der Taten begangen. Hier befindet sich auch die rund tausend Mann starke Sondereinheit der Polizei, die die Fahndung mit Hochdruck vorangetrieben hat.

Das sichergestellte Gewehr sei vom Typ Bushmaster XM-15, sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörden. Laboruntersuchungen hätten ergeben, dass mit der Waffe bei den Anschlägen geschossen worden sei. "Wir haben die Waffe", sagte der Sprecher, doch fügte er hinzu: "Wir haben unsere Arbeit noch nicht ganz beendet." Es werde weiter nichts ausgeschlossen. Aber wir halten die gegenwärtige Entwicklung für sehr positiv.

Muhammad und Malvo wurden am späten Donnerstagabend vor ein Bundesgericht geführt. Auf die Frage des Richters, ob er wisse warum er vor Gericht sei, sagte Muhammad: "Ich weiß, wo ich bin. Ich weiß, warum ich hier bin." Den beiden wurden zunächst nicht formell die Taten des Heckenschützen zur Last gelegt. Muhammad wurde ein Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen.

John Allen Muhammad gilt als hervorragender Scharfschütze. Aus dem Verteidigungsministerium hieß es, Muhammad sei von 1985 bis 1995 in der Armee gewesen und habe 1991 am Golfkrieg teilgenommen. Er sei mehrfach ausgezeichnet worden. Auch habe er sich als Scharfschütze am M-16-Sturmgewehr bewährt. Muhammad war zum Islam konvertiert und hatte im vergangenen Jahr seinen ursprünglichen Familiennamen Williams abgelegt.

Nach Angaben der Polizei wurden die Männer an einem Autobahnrastplatz in Maryland, rund 100 Kilometer nordwestlich von Washington festgenommen. Ein Sprecher der Polizei von Maryland, Greg Shipley, sagte, die Männer hätten im Auto geschlafen, auf das die Beschreibung des gesuchten Fahrzeugs passe. Aus dem Justizministerium verlautete darauf: "Wir sind sehr, sehr vorsichtig. Aber es sieht in der Tat gut aus. Wir sind optimistisch." Der Staatsanwalt von Montgomery County, Douglas Ganser, verneinte in einem Radiointerview die Frage, ob er glaube, dass der Heckenschütze noch auf freien Fuß sei.

Die Polizei kam den Männern offenbar in Verbindung mit einem anderen Fall auf die Spur, der sich im September im Bundesstaat Alabama ereignet hatte. Malvo sieht nach Polizeiangaben dem Fahndungsbild eines Mannes sehr ähnlich, der bei einem Überfall auf ein Spirituosengeschäft eine Frau getötet haben soll. Malvo und Muhammad hätten ein enges Verhältnis gehabt und unter anderem zusammen in einem Obdachlosenheim gelebt, hieß es.

Zuletzt hatte der unbekannte Heckenschütze am Dienstag einen Busfahrer getötet. Der Polizei zufolge hat der Täter damit gedroht, auch auf Kinder zu schießen. Zeitungsberichten zufolge verlangte der Schütze zehn Millionen Dollar (etwa 10,2 Millionen Euro).

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