Ermittlungen gegen Friedman Weitere Prominente sollen Prostituierte bestellt haben

In der Affäre um Michel Friedman kommen neue pikante Details ans Tageslicht. Medienberichten zufolge sollen neben dem TV-Moderator auch ein hochrangiger Politiker und Entertainmentgrößen bei dem Call-Girl-Ring Prostituierte bestellt haben.


Unter Verdacht: TV-Moderator Michel Friedman
DDP

Unter Verdacht: TV-Moderator Michel Friedman

Berlin - Neben dem wegen Drogenverdachts vorerst von der ARD suspendierten Moderator Michel Friedman könnten bald auch andere Prominente öffentlich an den Pranger gestellt werden. Schon vor den Enthüllungen über Friedmans angeblichen Kokain-Genuss, den mehrere Prostituierte eines Call-Girl-Rings bezeugt hatten, war im Zusammenhang mit dem Ermittlungsverfahren gegen den Ring von anderen prominenten Kunden die Rede. Diese sollen wie Friedman die Dienste von ukrainischen Frauen in Anspruch genommen haben, was nicht gegen das Gesetz verstößt. Gegen Friedman wurde jedoch ermittelt, als die Polizei Hinweise auf Drogenmissbrauch entdeckte.

Die "Berliner Zeitung" machte nun erste Andeutungen über die anderen Betroffenen, die wie Friedman vermutlich bereits vor Monaten über die Erwähnung ihrer Namen in den Akten informiert worden sind. Demnach soll in den Polizeiakten ein "hochrangiges Vorstandsmitglied einer deutschen Partei" stehen. Daneben seien "bekannte Medienvertreter und Sportfunktionäre" unter den möglichen Zeugen für das anstehende Verfahren gegen die festgenommenen Mitglieder des Schleuser-Rings.

Von der Justiz gab es dazu keinen Kommentar. Allgemein sagt der Sprecher der Behörde seit Tagen nichts mehr zu dem Fall Friedman. Auch die beteiligten Ermittler halten sich zurück, da sich die Affäre um den prominenten Moderator und stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland immer mehr zum Politikum entwickelt. Auch aus Polizeikreisen war am Donnerstag kein Wort mehr zu dem Verfahren zu hören.

Am Donnerstag hatte Friedmans Anwalt bereits schwere Vorwürfe gegen die Berliner Justiz erhoben und von einer "öffentlichen Hinrichtung" seines Mandanten gesprochen. Er hat schon kurz nach der Durchsuchung formal Beschwerde gegen die Maßnahmen der Staatsanwaltschaft Berlin eingelegt. Bisher blieb er jedoch eine ausführliche Begründung schuldig.

Unterdessen nahm Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) Michel Friedman in Schutz und forderte einen rechtsstaatlichen Umgang mit dem Verdächtigen. "Zunächst gilt für Michel Friedman, wie für jeden anderen die Unschuldsvermutung, und man muss erst mal sehen, was bei den Ermittlungen herauskommt", sagte Zypries im Interview mit dem Nachrichtensender N24.

Erst wenn wirklich nachgewiesen sei, "dass da was war, wird man sehen, ob er verurteilt wird oder ob es nur Drogen zum Eigengebrauch waren". Sollte Friedman lediglich selbst kleine Mengen genommen haben, werde strafrechtlich "nicht viel bei rauskommen".



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