Ermittlungen in Köln Schwere Vorwürfe gegen SEK-Beamte

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sieben Ex-Mitglieder einer Kölner Spezialeinheit. Die Vorwürfe wiegen schwer: Den Polizisten werden fahrlässige Tötung, Körperverletzung und Drogendelikte zur Last gelegt.

Köln - Das gesamte Kommando wurde aufgelöst und die Beamten vom Dienst suspendiert, erklärte Polizeipräsident Klaus Steffenhagen. Wohnungen und Diensträume von fünf SEK-Beamten wurden durchsucht.

Das im Kölner Süden stationierte Kommando war schon Anfang Februar in die Schlagzeilen geraten, als ein Beamter während einer nächtlichen Übung einen Kollegen erschoss. Ein "tragisches Versehen", hieß es damals. Nach Hinweisen aus den eigenen Reihen nahm die Polizei neue Ermittlungen auf.

Die SEK-Beamten stehen nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts Jürgen Kapischke unter anderem unter dem Verdacht der fahrlässigen Tötung. Bei einem Einsatz wegen einer Selbstmorddrohung im Juli 2001 sei nach Zeugenangaben der Tod des Lebensmüden durch einen SEK-Beamten fahrlässig verursacht worden. Ermittelt wird außerdem, weil bei einer Feier Haschischplätzchen verzehrt worden sein sollen. Einige Beamte sollten Rauschgift in Autoreifen geschmuggelt und Ausrüstung gestohlen haben.

Zeugenaussagen zufolge hat der Leiter des Kommandos nach Einsätzen dafür gesorgt, dass die SEK-Männer ihre Darstellungen absprachen, um eventuelle Fehler zu vertuschen. Die Staatsanwaltschaft prüft außerdem, ob Vorgesetzte wissentlich auf Anzeigen oder andere Maßnahmen verzichtet haben, sagte der Staatsanwalt.

Polizeichef Steffenhagen betonte, es dürfe "nicht der Eindruck entstehen, dass in einem Kommando der Spezialeinheiten die Vorstellung herrscht, es sei alles erlaubt, was geeignet ist, das Risiko einer Strafverfolgung in der Folge eines Einsatzes zu verhindern". Nordrhein-Westfalens Innenminister Fritz Behrens forderte eine schnelle und rückhaltlose Aufklärung der Vorwürfe. Sollte sich der Verdacht erhärten, müsse das Konsequenzen haben. "Schwarze Schafe haben in unserer Polizei nichts zu suchen", sagte er.