Schumachers Skiunfall Wie konnte das nur passieren?

Französische Ermittler versuchen, den Hergang des Skiunfalls von Michael Schumacher aufzuklären. Der ehemalige Rennfahrer stürzte zwischen zwei Pisten, Neuschnee hatte sich offenbar auf Felsen gelegt. Dennoch bleibt der Sturz ein Rätsel, denn der deutsche Weltstar kennt die Gegend gut.

Hang am Saulire: Unglück einer Sportlegende
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Hang am Saulire: Unglück einer Sportlegende

Von , Paris


Zuerst die Emotionen: "Schumacher - Die Angst", titelte "L'Equipe" nach dem Unfall des Deutschen, und einen Tag später legte die Sportzeitung nach: "Schumacher, verlass uns nicht." In Blogs wurde das Ringen zwischen Leben und Tod beschrieben als "Schumachers härtester Kampf".

Der Zustand des Deutschen in Grenobles Uni-Klinikum ist offenbar weiterhin kritisch, aber stabil. Die Klinik und Michael Schumachers Managerin Sabine Kehm hatten gesagt, sie würden ein Statement abgeben, wenn es eine neue Entwicklung gebe. Am Donnerstag wandten sie sich nicht an die Presse.

Frankreichs Medien beschäftigen sich derweil zunehmend mit der Frage nach den Ursachen des Unfalls und der möglichen (Mit-)Schuld des Ex-Rennfahrers: Es geht, so etwa in einem Bericht des Nachrichtensenders BFM-TV, um die "heikle Frage nach der Verantwortung".

"Eigentlich kein gefährlicher Ort"

Nach den Aussagen von Zeugen und Rettern sowie Fotos vom Unfallort zufolge, die laut den örtlichen Medien von der Staatsanwaltschaft ausgewertet werden, ist der Hergang der Ereignisse mittlerweile klar: Schumacher war gegen 10 Uhr morgens unterhalb des "Massiv du Burgin" unterwegs - mit seinem Sohn und Freunden. Er befand sich zum Zeitpunkt seines Sturzes in etwa 2700 Meter Höhe zwischen zwei präparierten Pisten: der als leicht eingestuften Strecke "La Biche" und "Mauduit", Klassifikation rot - mittelschwer.

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Schumachers Skiunfall: Gefährliche Felsenpiste
Nur ein paar Dutzend Meter trennen die beiden Pisten hier unterhalb der Gondellinie "Saulire Express". Die Stelle wird von Skifahrern gerne genutzt, um von der einen auf die andere Abfahrt zu wechseln. "Da bin ich auch schon ein ein paar Mal rübergefahren", berichtet ein Skifahrer an der Bodenstation BFM-TV, "eigentlich kein gefährlicher Ort."

Allerdings waren in der Nacht rund 20 Zentimeter Neuschnee gefallen, der die Felsen unter einer weißen Decke versteckte. Bergführer und Skilehrer bestätigten, dass an diesem Morgen am Unglücksort eine "dünne Schneedecke" Steine und Äste gerade eben bedeckte. Hier, nach einer Wende, so seine PR-Managerin Sabine Kehm, stürzte Schumacher bei "langsamer Geschwindigkeit".

"Schumacher kennt die Gegend gut"

Es ist 11.07 Uhr, als der Notruf bei der Zentrale eintrifft. Zwei Männer der lokalen Ski-Patrouille machen sich auf den Weg und erreichen den Unglücksort binnen zehn Minuten. Sie finden Schumacher "angeschlagen", aber bei Bewusstsein. "Er war halb sitzend, halb stehend und machte aufgeregte Gesten", berichteten die Rettungsleute. Angesichts der Kopfverletzung entschieden sie sich mit zwei weiteren Helfern, die kurz darauf neben dem Verletzten eintrafen, für die Evakuierung per Luft.

Kurze Zeit später landete neben der Unfallstelle ein Hubschrauber der "Medizinischen Notfallhilfe". Notarzt und Sanitäter nahmen Schumacher an Bord: 23 Minuten nach dem Unfall stieg der weiße Rettungshelikopter in einer Wolke von Pulverschnee von der improvisierten Landestelle auf und nahm Kurs auf das Klinikzentrum von Moûtiers. "Die Hilfeleistung für Schumacher war ausgesprochen schnell", sagt Olivier Simonin, Generaldirektor von Méribel Alpina - der Organisation, die im Ski-Resort für die Präparation der Pisten zuständig ist.

Grund genug für Simonin, jede Verantwortung der Betreiber von sich zu weisen. "Das ist nun keine besondere Risikozone, aber sie befindet sich außerhalb der angelegten Strecken", betont er. "Michael Schumacher ist seit Jahren ein treuer Besucher Méribels und kennt die Gegend gut. Es war seine Wahl, außerhalb der Pisten Ski zu fahren. Und das war eine Entscheidung, die angesichts der gegenwärtigen Umstände gewisse Gefahren beinhaltet."

"Einige der Felsen waren sichtbar, andere weniger", bestätigt Patrick Quincy, der zuständige Staatsanwalt von Albertville, zum Stand der Ermittlungen "über die Umstände und den Grund des Skiunfalls", die noch immer andauern.

Offenbar langsam unterwegs

Die Untersuchungen werden von der Berg-Gendarmerie aus Bourg-Saint-Maurice und der Polizei von Méribel geleitet, die vorläufig nur die "Gegenwart, Rolle oder Handlung eines Dritten" ausgeschlossen haben. "Das Einzige, was man zur Stunde sagen kann", so Staatsanwalt Quincy, "ist, dass Schumacher durch einen der Felsen aus dem Gleichgewicht gebracht wurde und stürzte." Bei dem Aufprall brach der Schutzhelm Schumachers. Helm und Skier des Ex-Rennfahrers werden noch untersucht.

Managerin Kehm hatte zuvor mitgeteilt, der Ex-Rennfahrer sei nicht allzu schnell unterwegs gewesen, habe die Abfahrt verlassen, nachdem er einem gestürzten Freund aufgeholfen hatte. Kein Widerspruch zur Beurteilung der Ärzte in Grenoble: Bei ihrer ersten Pressekonferenz hatte Jean-François Payen, Chef der Abteilung für Anästhesie und Wiederbelebung am Klinikzentrum, von einem Aufprall mit "hoher Geschwindigkeit" gesprochen. Sein Kollege, der Neurochirurg Emmanuel Gay pflichtete ihm bei: "Die Kinetik des Schocks war ausgesprochen hoch." Damit trafen sie Aussagen zur Geschwindigkeit, mit der Schumachers Kopf auf den Felsen stieß, nicht zum Tempo, mit dem er auf den Skiern unterwegs gewesen war.

In Méribel mag jedoch keiner der Verantwortlichen davon ausgehen, dass der Deutsche bei seiner Abfahrt bewusst die Gefahr gesucht habe. "Michael Schumacher besitzt hier ein Chalet, er ist bestens mit dem Ort vertraut und kennt die Pisten vollkommen", so Christophe Gernigon-Lecomte, Generaldirektor der Skianlage. "So eine Tour war für ihn etwas ganz Gewohntes."

In dem Ferienort, in dem Schumacher seit Jahren ein großes Holzhaus im klassischen Stil eines Savoyarden-Hofes besitzt, gesichert mit Kameras und Schranke, ist der Promi geschätzt. Der Privatportier der Luxusanlage, Xavier Mills, beschrieb Schumacher in der Zeitung "Le Dauphiné Libéré" als regelmäßigen Besucher und "diskreten Gast". Und auch Mills bleibt überrascht von dem Unfall des Sportlers: "Schumacher ist ein erfahrener Skiläufer."

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Seite 1
fiutare 02.01.2014
1.
Zitat von sysopGetty ImagesFranzösische Ermittler versuchen, den Hergang des Skiunfalls von Michael Schumacher aufzuklären. Der ehemalige Rennfahrer stürzte zwischen zwei Pisten, Neuschnee hatte sich offenbar auf Felsen gelegt. Dennoch bleibt der Sturz ein Rätsel, denn der deutsche Weltstar kennt die Gegend gut. http://www.spiegel.de/panorama/ermittlungen-zum-skiunfall-von-michael-schumacher-a-941552.html
Wie das passieren konnte? Da war ein Felsen, da ist er hingefallen. Mit dem Kopf. Kopf + Felsen = nicht gut für Gesundheit. Meine Güte, nun tut doch nicht so, als ob Schumacher irgendein Gott ist, dem solcherlei irdische Dinge nicht passieren können.
Beobachter123 02.01.2014
2. Flatter Flatter
Das die Polizei ermittelt ist bei solchen Unfällen übrigends normal. Man will vermeiden, dass später irgend ein Aasgeier von der Presse wilde Spekulationen und obskure Theorien aufstellt.
Michi2010, 02.01.2014
3. Wahrscheinlich ....
bin ich in der falschen Welt. Es tut mir sicher leid, was Michael Schumacher wiederfahren ist. Allerdings tuten mir die ausgebeuteten Kinder in Fernost wesentlich mehr leid, die kennen nicht mal den Begriff Luxusrisiko. Der Tod vom Nelson Mandela, der sicher mehr für diese Welt getan hat, als alle Schumis und Becker dieser Welt, hatte wohl nicht soviel Medienrummel.
nouwo, 02.01.2014
4. Nun, nach wenigen Tagen,
Zitat von sysopGetty ImagesFranzösische Ermittler versuchen, den Hergang des Skiunfalls von Michael Schumacher aufzuklären. Der ehemalige Rennfahrer stürzte zwischen zwei Pisten, Neuschnee hatte sich offenbar auf Felsen gelegt. Dennoch bleibt der Sturz ein Rätsel, denn der deutsche Weltstar kennt die Gegend gut. http://www.spiegel.de/panorama/ermittlungen-zum-skiunfall-von-michael-schumacher-a-941552.html
und nachdem sich alle Beteiligten etwas gefasst und Gedanken um die (wohl auch finanziellen) Folgen aus diesem bedauernswerten Unfall gemacht haben, geht es darum, Schuld zu- oder abzuweisen. Die Ärzte gingen von hoher Geschwindigkeit aus. Jetzt war es hohe Kinematik. Aha. Nun ja, ich war in Physik nie sehr gut. Aber beim Lesen dieses Artikels kommt mir doch schon das sog. "Wort im Munde umdrehen" in den Sinn. Ich könnte mir vorstellen, dass die betroffenen Versicherer Schumis angesichts der wahrscheinlich enorm hohen potentiellen Ansprüche schon ihre edelsten Juristen in Stellung gebracht haben. Wenn es um (viel) Geld geht, wird das Spiel schmutzig. Diese Angelegenheit wird wohl noch sehr interessant werden. Was mich nur sehr verwundert ist, dass der ganze Hergang des Geschehens noch total ungeklärt ist. Ich wünsche MS alles Gute, so wie ich es auch einem Otto N. in dieser Situation wünschen würde. Mit ihm möchte ich jetzt nicht tauschen, so wie ich es auch früher nie hätte tun wollen. Wir müssen unsere Kinder nicht verstecken. Große Vermögen bedeuten auch große Nachteile.
lucie 02.01.2014
5.
Diese Hysterie der Berichterstattung erinnert an Diana Eine Tragödie ,die nur Freunde und Familie was angeht
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