SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

17. Juli 2004, 15:13 Uhr

Ermordeter Vater

Deutsche in Oman zu lebenslanger Haft verurteilt

Dana Gerlich ist der Todesstrafe entgangen. Die 30-jährige Deutsche, die den Mord an ihrem Vater in Auftrag gegeben haben soll, wurde im Sultanat Oman zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie hatte die Tat bis zuletzt bestritten.

Maskat/Kairo/Gornsdorf - Das Strafgericht in Maskat sah es als erwiesen an, dass Dana Gerlich, ihr Freund und drei weitere Männer für die Ermordung von Manfred Gerlich verantwortlich sind. Der 51-jährige war Ende 2003 in der omanischen Hauptstadt Maskat erschossen worden. Wenn die Physiotherapeutin aus Chemnitz ihre Strafe verbüßt hat - lebenslänglich bedeutet in Oman 25 Jahre - soll sie nach Deutschland abgeschoben werden.

Die Chemnitzerin bestreitet die Tat, die in Oman auch mit dem Tode bestraft werden kann. Das gleiche Gericht verurteilte am Samstag eine in Oman lebende Amerikanerin wegen der Ermordung ihres Ehemanns zum Tode. Bundesaußenminister Joschka Fischer hatte sich bei einem Treffen mit Sultan Kabus im Juni für Gerlich eingesetzt und betont, dass Deutschland die Todesstrafe grundsätzlich ablehne.

Gerlichs Vater war am 1. Dezember 2003 nahe der britischen Botschaft in Maskat mit einer Schusswunde tot aufgefunden worden. Nachdem zunächst vermutet wurde, der Automechaniker aus Sachsen sei einem anti-westlichen Terrorattentat zum Opfer gefallen, geriet später seine Tochter in Verdacht.

Als Tatmotiv wurde vom Gericht Rache vermutet, da Manfred Gerlich seine Ehefrau betrogen haben soll. Außerdem stand er der Beziehung seiner Tochter zu ihrem Freund, einem querschnittgelähmten Omaner, skeptisch gegenüber. Dana Gerlich weinte nach der Urteilsverkündung. Auch die Verwandten der Omaner weinten und schrien im Gerichtssaal.

Eine Berufung gegen das Urteil ist nicht möglich. Nur eine Amnestie des Sultans könnte zu einer Verkürzung der Strafe führen.

Die sächsische Landesregierung hat auf das Urteil erleichtert reagiert. "Wir halten die Todesstrafe für rechtswidrig", sagte ein Sprecher des Justizministeriums. Die Staatsregierung werde alles unternehmen, damit die aus Sachsen stammende Frau den ihr zustehenden konsularischen Schutz erhalte.

Auch in Dana Gerlichs Heimatgemeinde Gornsdorf (Erzgebirge) herrschte Erleichterung. "Der Verzicht auf die Todesstrafe ist eine gute Nachricht. Dennoch tut es mir für Dana Gerlich leid. Ich hoffe, dass die Richter die Vorwürfe exakt geprüft haben", sagte Bürgermeisterin Monika Kunert.

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung