Erneuter Schicksalsschlag in Erfurt Gutenberg-Schüler erhängte sich

Das Gutenberg-Gymnasium kommt nicht zur Ruhe: Sechs Wochen nach dem Amoklauf von Robert Steinhäuser brachte sich nun ein Gymnasiast aus bisher nicht bekannten Gründen um. Der 18-jährige soll bei dem Massaker in der Schule dabei gewesen sein, hieß es.

Erfurt - Die Polizei fand den 18-jährigen Schüler am frühen Samstagmorgen gegen gegen 1.20 Uhr tot auf dem Grundstück seiner Eltern. Die Polizei hat sofort eine Nachrichtensperre verhängt und begann mit der Betreuung der Mitschüler. Aus Polizeikreisen hieß es, der Schüler habe sich in der Scheune der Eltern erhängt. Ein Notarzt hatte vergeblich versucht, den jungen Mann wiederzubeleben.

Ob der Selbstmord mit der Bluttat zusammenhängt, wollte die Polizei nicht kommentieren. "Private Gründe sind möglich, ein Zusammenhang mit dem Amoklauf ist möglich", sagte Polizeisprecher Armin Vogel am Samstag und verwies auf die Nachrichtensperre. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gibt es jedoch Hinweise, die dafür sprechen, dass es sich um private Gründe handeln könnte.

Mitschüler Steinhäusers?

Unbestätigten Angaben zufolge soll der 18-jährige Selbstmörder in der 12. Klasse des Gutenberg-Gynasiums gewesen sein. Ob es sich dabei um die ehemalige Klasse des Amokläufers Steinhäusers handelt, blieb aber am Samstag unklar. Aus Behördenkreisen war ebenfalls zu hören, dass der junge Mann bei dem Massaker in der Schule vor sechs Woche dabei gewesen sein soll. Alle an der Ermittlung beteiligten hielten sich aber mit Spekulationen zurück, ob der Suizid wirklich mit der Tat Steinhäusers zu tun hat. "Wir ermitteln noch in alle Richtungen", sagte ein Fahnder der Erfurter Polizei.

Thüringens Kultusminister Michael Krapp (CDU) zeigte sich entsetzt. "Ich bin erschüttert über den erneuten Schicksalsschlag, der das Erfurter Gutenberg-Gymnasium getroffen hat", sagte er. Der Familie des Schülers sprach er seine Anteilnahme aus. Das Kultusministerium hatte nach Bekanntwerden eine Krisensitzung einberufen.

Im Gutenberg-Gymnasium hatte der 19-jährige Ex-Schüler Robert Steinhäuser Ende April 16 Menschen erschossen und sich dann umgebracht. Das Massaker ist vor etwa einer Woche in der Schule rekonstruiert worden. Seit Donnerstag sind Opfer des Amoklaufs aus Littleton (USA) und ihre Angehörigen zu Besuch in Erfurt. Am Samstagabend wollten sie mit einem Gottesdienst einer erschossenen Schülerin gedenken.

Matthias Gebauer

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