Erschießungskommando Somalische Extremisten richten zwei Mädchen hin

Ihnen wurden die Augen verbunden, die Hände auf dem Rücken gefesselt - dann wurden sie erschossen. Extremisten haben in Somalia zwei Mädchen hingerichtet, weil sie angeblich spioniert haben. Eine Lüge, sagen Verwandte.

AP

Mogadischu - "Während ich auf gute Nachrichten wartete, wurde sie erschossen." Mohammed Jama ist verzweifelt. Seine Tochter Ayan ist von radikalen Islamisten exekutiert worden - in einer Ortschaft in Somalia, zusammen mit einem anderen Mädchen. Die Begründung: Beide hätten für Regierungssoldaten spioniert. Ein haltloser Vorwurf, sagen die Angehörigen und beklagen bitterlich die Bluttat. Nicht mal sehen dürfen habe er Ayan, seit die Miliz sie weggesperrt habe, erzählt Vater Mohammed.

Es ist ein Fall, der die Welt schockiert. Die Nachrichtenagenturen AP, AFP, der Fernsehsender CNN - alle berichten über die Details der Hinrichtung. Sie fand demnach in aller Öffentlichkeit statt, in der somalischen Ortschaft Belet Huen nahe der Grenze zu Äthiopien. Die Dorfbewohner mussten zusehen: Abdiwali Aden, ein Anwohner, berichtete, Milizionäre der Organisation seien mit Lautsprechern durch die Straßen gegangen und hätten die Menschen angewiesen, zur Hinrichtung zu kommen.

Vor Hunderten Zuschauern hätten dann zehn vermummte Männer das Feuer auf die Mädchen eröffnet. "Es war schrecklich. Die Mädchen schauten völlig verängstigt und weinten", sagte ein Mann laut CNN. Ein einheimischer Journalist berichtetedem Sender, den Mädchen seien die Augen verbunden und die Hände auf dem Rücken gefesselt worden. Dann seien die Schüsse gefallen. Dahir Casowe, einer der Dorfältesten, sagte der AP: "Für die Umstehenden war es kaum zu ertragen. Diese beiden sehr jungen Mädchen wurden vor ihren Augen erschossen und niemand konnte ihnen helfen." Über das Alter der Getöteten gehen die Angaben auseinander; das eine Mädchen soll 16 gewesen sein, das andere Mädchen 15 oder 18.

Hinter der Tat steht den Berichten zufolge die Schabab-Miliz, die Beziehungen zum Terrornetzwerk al-Qaida unterhält, weite Teile Somalias kontrolliert und sich einen Krieg mit der weitgehend machtlosen Regierung liefert. Ein Richter der Extremistengruppe hatte die Mädchen am Mittwoch zum Tode verurteilt, weil sie Spitzel für Regierungssoldaten gewesen seien.

"Ayan hatte niemals Kontakt zur Regierung"

"Diese beiden Mädchen waren böse und haben für den Feind spioniert", sagte der regionale Kommandeur der Schabab, Scheich Jussuf Ali Ugas, laut CNN. "Sie wurden gefasst und nach den Ermittlungen haben sie das Verbrechen gestanden. Also wurden sie hingerichtet."

Die Schabab hatten die Mädchen den Berichten zufolge schon vor längerem zwischen Elgal and Belet Huen abgefangen. Sie seien zwei Tage vermisst worden, erst vor einer Woche seien die Familien dann informiert worden, sagte Ayans Vater Mohamed Jama zu AP. "Die Schabab sagten mir, dass sie vor der Stadt während eines Kampfes zwischen den Milizen und der Regierung gefasst worden sei und vor Gericht gebracht würde."

Osman Ahmed, ein Cousin des zweiten Mädchens, sagte der Agentur, die beiden Mädchen stammten aus armen Familien. Weil sie sich den Schulbesuch nicht leisten konnten, seien sie meist zu Hause gewesen. "Es ist undenkbar, dass ungebildete junge Mädchen als Spion arbeiten können."

"Ayan war absolut unschuldig", sagte laut CNN ein Angehöriger, der aus Angst vor den Schabab seinen Namen nicht nennen wollte. "Ayan hatte niemals Kontakt zur Regierung und hat in ihrem ganzen Leben kein Handy besessen. Wir verstehen nicht, wie man sie der Spionage bezichtigen konnte."

Grausamkeit zur Einschüchterung der Bevölkerung

Seit fast zwei Jahrzehnten herrscht in Somalia Bürgerkrieg. Die derzeitige Übergangsregierung des ostafrikanischen Landes hält sich nur mit Mühe und Unterstützung von Soldaten der Afrikanischen Union an der Macht, und auch das nur in kleinen Teilen des Landes. (mehr zu Somalia...)

Belet Huen war in den vergangenen Wochen Schauplatz heftiger Gefechte zwischen der Schabab-Miliz und den Regierungstruppen. Mit dieser Hinrichtung wollen die Schabab vermutlich Angst unter der Bevölkerung schüren. Den Extremisten zufolge werden in Belet Huen Dutzende weitere Menschen wegen Spionage festgehalten. Sie werde das gleiche Schicksal ereilen wie die Mädchen. Laut AP hatte Scheich Ugas außerdem die Bewohner gewarnt, mit Handys oder Kameras Fotos von der Hinrichtung zu machen. Sollten sie sich nicht daran halten, würden ihnen Gliedmaße abgeschlagen.

Schon in der Vergangenheit hatten die Extremisten drakonische Strafen wie Auspeitschungen, Amputationen und Hinrichtungen verhängt, um ihre radikale Interpretation des Islams durchzusetzen. Im vergangenen Jahr steinigten sie in Kismayo im Süden Somalias ein Mädchen im Teenager-Alter. Human Rights Watch berichtete im April, die Schabab halte ein "grausames Regime der Unterdrückung und Brutalität" aufrecht.

siu/AP/AFP/dapd



insgesamt 60 Beiträge
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Beduine, 28.10.2010
1. Verfluchte feige Bande!
Wehrlose kleine Mädchen - wie widerlich und kaputt können Menschen eigentlich werden? So etwas wird niemals niemals in meinen Kopf gehen.
Beduine, 28.10.2010
2. In Belet Uen war die Bundeswehr auch schon...
... beim Somalia-Einsatz 1993. Mit Brunnen-, Schulen und Krankenstationenbauen, dem vollen Programm eben. Da sieht man leider, wie nachhaltig solche Bundeswehreinsätze sind, sobald die Truppen wieder abziehen.
Hajojunge 28.10.2010
3. Hinrichtung? Nein, feiger Mord!
Hören Sie bitte auf mit dem in vielen Medien leider inflationär gebrauchten Begriff "Hinrichtung". Eine Hinrichtung ist die Tötung eines Menschen nach einem mehr oder weniger nach rechtsstaatlichen Grundsätzen geführten Strafprozeß. Was hier geschildert wird, ist ganz einfach ein grausamer Mord aus allerniedrigsten Beweggründen.
Darth Manfred 28.10.2010
4. Bundeswehr, mach dich bereit !
machen wir uns nichts vor. Im Moment schaut zwar alles nach Iran, aber Somalia wird der nächste Großeinsatz der Vereinten Nationen werden. Vielleicht nicht in den nächsten 2 oder 3 Jahren, sicher aber in den nächsten 10. Schon jetzt reicht der Einfluss des Präsidenten dort nur soweit er spucken kann. Wenn die al-Shabaab erstmal die Hauptstadt eingenommen hat, und das kann täglich passieren, dann wird Somalia genau das sein, was Afghanistan von 1996-2001 war. Nur sind die Milizen dort noch radikaler und brutaler als die Taliban.
Schlepphoden 28.10.2010
5. ich zitiere mal Wiki
"Die Bevölkerung Somalias gehört zu fast 100 % dem sunnitischen Zweig des Islam an." Wer hätte das jetzt erwartet, wo Islam doch Frieden ist?
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