Erzbischof auf Reformkurs Zollitsch will Frauen als Diakone

Die katholische Kirche hat einen neuen Papst - und könnte sich ändern: Erzbischof Zollitsch will Frauen als Diakone zulassen. Auch die Situation von geschiedenen Katholiken und das Verhältnis der Kirche zu Homosexuellen sollen nach Ansicht des Vorsitzenden der Bischofskonferenz verbessert werden.

Erzbischof Zollitsch: Auch geschiedene Frauen und Männer in der Kirche "ernst nehmen"
dapd

Erzbischof Zollitsch: Auch geschiedene Frauen und Männer in der Kirche "ernst nehmen"


Freiburg - Die wegen ihrer starren Positionen seit Jahren kritisierte katholische Kirche zeigt sich plötzlich reformbereit: Robert Zollitsch, Freiburger Erzbischof und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, hat zum Abschluss der Diözesanversammlung in Freiburg einen neuen Kurs verkündet und die Kirche dazu aufgefordert, die angestoßene Reformdebatte fortzuführen. "Ich stehe dafür ein, dass die Themen auf dem Tisch und damit präsent bleiben", sagte er. Die katholische Kirche könne nur durch Veränderung Glaubwürdigkeit und Stärke zurückgewinnen.

Erste Ergebnisse sollen dabei helfen. Zentrale Aussage: Die katholische Kirche will künftig auch Frauen als Diakone zulassen. Das Diakonat der Frau, wie es unter anderem vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) schon lange gefordert wird, ist nach den Worten von Zollitsch kein Tabu mehr. Für Frauen soll es demnach ein spezielles Amt als Diakoninnen geben.

Diakone sind an der Seite des Priesters in der Seelsorge tätig, haben aber keine Priesterweihe. Bislang dürfen nur Männer Diakone werden. Sie sollen sich auch weiter von der Diakonin unterschieden. In welcher Form, ist noch unklar. Fest steht aber: Auf einer Stufe werden sich Frauen und Männer wohl nicht bewegen.

Auch die Situation von Katholiken, die geschieden sind und wieder geheiratet haben, soll verbessert werden. Ihnen soll zum Beispiel der Zugang zu kirchlichen Ämtern, wie dem Pfarrgemeinderat, ermöglicht werden. Von diesen sind sie bislang ausgeschlossen. Zudem wird geprüft, ob wiederverheiratete Geschiedene Sakramente wie die Kommunion erhalten können oder beichten dürfen.

Auf dem Tisch: das Verhältnis der Kirche zu Homosexuellen

"Mir liegt daran, ohne die Unauflöslichkeit der Ehe aufzukündigen, dass diese Frauen und Männer in der Kirche ernst genommen, sich respektiert und heimisch fühlen", sagt Zollitsch. Wie der Spagat gelingen soll, bleibt zunächst offen. Auch einen konkreten Zeitplan gibt es nicht. Das Thema ist in der Kirche schon lange umstritten.

Geplant ist zudem eine Reform des Arbeitsrechts. "Wir wollen unser Arbeitsrecht den geänderten Lebensformen der Menschen anpassen." Dies betrifft zum Beispiel das Verhältnis der Kirche zu Homosexuellen. Zudem sollen künftig auch Nicht-Katholiken in kirchlichen Einrichtungen arbeiten dürfen. Hintergrund: Vor allem im Osten Deutschlands sei es zunehmend schwer, Mitarbeiter zu finden, die dem katholischen Glauben angehören. Konkrete Ergebnisse allerdings soll es frühestens in drei Jahren geben.

Im Ringen um Reformen in der Bischofskonferenz erhofft sich Zollitsch mit den Entscheidungen aus Freiburg Rückendeckung. Er fordert zum Handeln auf. "Wir wollen aktiv Entscheidungen treffen und nicht entscheiden müssen", sagt der 74 Jahre alte Erzbischof. Es geht auch um eine Art Vermächtnis. In weniger als einem Jahr endet seine sechsjährige Amtszeit als Chef der Bischöfe altersbedingt.

"Der Erzbischof kann nun für sich in Anspruch nehmen, im Sinne der Kirchenbasis zu sprechen", sagt Thomas Berg von der Führungsakademie Baden-Württemberg. Er hat die Versammlung moderiert. Und ist angetan. "Ich habe noch nie einen Strategieentwicklungsprozess erlebt, der so transparent war wie dieser."

jjc/dpa



insgesamt 85 Beiträge
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Antoninus 28.04.2013
1. ...noch im Geschäft?
Wofür braucht man oder frau die Zustimmung, also Legitimation eines Altherrenacclamators? Doch nur, wenn man geistig nicht selbständig ist und/oder im Geschäft der Kirche mitmischen will, als Priesterlichkeitsdarsteller (ob männl. oder weibl.). Wie lange machen sich feie Menschen noch hörig von solchen Zuständen und Arrangements?
Oelteichscheich 28.04.2013
2. Ja, na dann. Ich gratuliere!
Zitat von sysopdapdDie katholische Kirche hat einen neuen Papst - und könnte sich ändern: Erzbischof Zollitsch will Frauen als Diakone zulassen. Auch die Situation von geschiedenen Katholiken und das Verhältnis der Kirche zu Homosexuellen sollen nach Ansicht des Vorsitzenden der Bischofskonferenz verbessert werden. Erzbischof Zollitsch will Frauen als Diakone - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/erzbischof-zollitsch-will-frauen-als-diakone-a-897048.html)
Schön für diesen verein. Was haben wir davon als Atheisten?
cassandros 28.04.2013
3. Diakon, innen und außen.
Zitat von sysopdapdDie katholische Kirche hat einen neuen Papst - und könnte sich ändern: Erzbischof Zollitsch will Frauen als Diakone zulassen. Auch die Situation von geschiedenen Katholiken und das Verhältnis der Kirche zu Homosexuellen sollen nach Ansicht des Vorsitzenden der Bischofskonferenz verbessert werden. Erzbischof Zollitsch will Frauen als Diakone - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/erzbischof-zollitsch-will-frauen-als-diakone-a-897048.html)
Student-in. Professor-in. Bundeskanzler-in. Diakon-innen. Diakonissen? Diakonösen?
Atheist_Crusader 28.04.2013
4.
Dass der Glaube (zumindest was die Kirchen darunter verstehen) dezimiert wurde, ist Schuld der gesamten Kirchen. Alte Männer in Frauenkleidern blicken auf eine Welt in der sie seit Jahrzehnten nicht mehr gelebt haben und maßen es sich an, darüber zu urteilen. Die ältesten und konservativsten unter ihnen bilden dabei die Führungsspitze. Junge sind nicht gefragt, ebensowenig neue Ideen oder gar Frauen. Manche würden vermutlich am liebsten das heliozentrische Weltbild wieder abschaffen. Muss man sich da wundern, dass die Legionen der Gläubigen schwinden? Ich denke nicht. Wertekonservativismus ist die eine Sache, sture Realitätsverweigerung eine andere. Die Bibel ist jedenfalls sehr flexibel, sowohl in der Redaktion wie auch in der Interpretation.
iffel1 28.04.2013
5. Den gehen halt die Leute aus !
Wer will denn bei dem Verein noch mitmachen ? Kindesmissbrauch und Hexenverbrennung über Jahrhunderte, Straftäter in den eigenen Reihen gedeckt und die Hörigen mit Angst bedroht !
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