Krise im Erzbistum Köln »Nichthandeln des Vatikans belastet und schädigt die katholische Kirche als ganze«

Mehr als eine Million Euro sollen für die privaten Spielschulden eines Priesters geflossen sein. Damit hat das Erzbistum Köln einen weiteren Skandal. Die Kritik trifft die katholische Kirche insgesamt.
Die katholische Kirche steht erneut in der Kritik – wegen neuer Vorwürfe gegen das Erzbistum Köln (Symbolbild)

Die katholische Kirche steht erneut in der Kritik – wegen neuer Vorwürfe gegen das Erzbistum Köln (Symbolbild)

Foto: Michael Bruns / Getty Images

Zu dem Missbrauchsskandal und den Vorwürfen gegen Kardinal Rainer Maria Woelki kamen zuletzt noch Berichte über die Zahlung von privaten Spielschulden eines Priesters aus einem Fonds, der für die Entschädigung von Missbrauchsopfern gedacht war: Angesichts all dieser Vorgänge im Erzbistum Köln stellt die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Imre Stetter-Karp, der katholischen Kirche für ihr Krisenmanagement ein vernichtendes Zeugnis aus.

»Die immer noch nicht gelöste Krise im Erzbistum Köln, auch das Nichthandeln des Vatikans, belastet und schädigt die katholische Kirche als ganze«, sagte Stetter-Karp der »Rheinischen Post« vom Sonntag. In der Erzdiözese sei »wie in einem Brennglas« zu erkennen, »dass ein Weiter-so nicht zu verantworten ist«. »Die Situation in Köln liefert alle Beweise, wie die Zeit für Reformen drängt und keinen, aber auch wirklich gar keinen Aufschub mehr duldet«, sagte Stetter-Karp.

»Woelki fehlen die pastoralen und sozialen Kompetenzen«

In Köln hatte Kardinal Rainer Maria Woelki im Oktober vergangenen Jahres vor dem Hintergrund von Vorwürfen wegen des Missbrauchsskandals  eine Auszeit angetreten; diese endete Anfang März. Während der Auszeit bot Woelki Papst Franziskus seinen Verzicht auf das Amt des Erzbischofs an. Eine Entscheidung darüber steht noch aus. Stetter-Karp kritisierte dies. Ihrer Ansicht nach schadet der »anhaltende Schwebezustand allen, am Ende auch dem Kardinal selbst«.

Imre Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)

Imre Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)

Foto: Thomas Lohnes / Getty Images

Am Donnerstag hatte die Reformbewegung »Wir sind Kirche« vor dem Kölner Dom gegen Woelki protestiert und ihm symbolisch die Rote Karte gezeigt. »Die vielen einsamen und augenscheinlich falschen Entscheidungen von Kardinal Woelki in Sachfragen und Personalfragen zeigen, dass ihm die pastoralen und sozialen Kompetenzen für das Bischofsamt eines der größten und reichsten Bistümer fehlen«, sagte »Wir sind Kirche«-Sprecher Christian Weisner der »Rheinischen Post«.

Auch nach seiner Rückkehr aus der Auszeit habe Woelki »sein absolutistisches und klerikales Verhalten leider nicht geändert«, beklagte Weisner. Die Auswirkungen seien nicht nur für das Erzbistum, sondern für die ganze Kirche in Deutschland »katastrophal«.

Für neuen Unmut sorgen derzeit die vor einigen Tagen bekannt gewordenen Zahlungen für private Spielschulden eines Priesters im Erzbistum Köln. Wie der »Kölner Stadt-Anzeiger« berichtet  hatte, zahlte das Bistum für die Spielschulden fast 500.000 Euro und zudem mehr als 600.000 Euro für damit verbundene Steuernachzahlungen. Der Vorgang wurde vom Erzbistum im Grundsatz bestätigt.

Das Geld floss dem »Stadt-Anzeiger« zufolge teilweise aus einem Sozialfonds des Bistums, aus dem ansonsten unter anderem Entschädigungen für Opfer sexuellen Missbrauchs gezahlt werden. Der Sprecher des Betroffenenbeirats der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK) für Opfer von sexuellem Missbrauch, Johannes Norpoth, nannte den Vorgang in der Zeitung »verstörend und beschämend«.

Opfer sexualisierter Gewalt in der Kirche kämpften seit Jahren für eine wirkliche Anerkennung ihres Leids, sagte Norpoth. 60 Prozent der Antragsstellenden erhielten weniger als 20.000 Euro. »Opfer von Sexualstraftaten, teilweise ohne gesicherte Einnahmen wie bei einem Priester, werden mit einem Betrag abgespeist, welcher weniger als zwei Prozent von dem beträgt, was die Kirche als Ausgleich für die selbst verschuldete finanzielle Schieflage eines Priesters zu zahlen bereit war«, kritisierte er.

Das Erzbistum hatte nach eigenen Angaben insgesamt 1,15 Millionen Euro für den überschuldeten Priester gezahlt. Die Schulden habe das Erzbistum in mehreren Tranchen beglichen, um dem Geistlichen in seiner akuten Notlage zu helfen. Die Mittel seien zum Teil aus einem Sondervermögen entnommen worden, aus dem auch die Zahlungen an Opfer sexuellen Missbrauchs geleistet würden. Die Lohnsteuerbegleichung plus Zinsen sei hingegen aus dem Personalkostenbudget des Erzbistums bezahlt worden.

fok/AFP/dpa
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