ESC-Häppchen Ansichten eines TV-Clowns

Der Eurovision Song Contest ist eine Multi-Millionen-Euro-Show und eine der größten Unterhaltungssendungen der Welt. Man könnte ernsthaft darüber reden. Doch Stefan Raab kalauert sich davon - mal wieder. 

Moderator Raab: "Tagesschau? Ach, du Scheiße!"
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Moderator Raab: "Tagesschau? Ach, du Scheiße!"


Düsseldorf - Der Countdown läuft: Am kommenden Samstag entscheidet sich beim Eurovision Song Contest, ob Lena Meyer-Landrut die europäische Gesangskrone verteidigen kann. SPIEGEL ONLINE verkürzt die Zeit bis zum großen Tag - mit aktuellen Meldungen, Berichten von Korrespondenten und Hintergründen zum Mega-Event.

+++ "Ich bin der Bundeskasper" +++

[Montag, 19.54 Uhr] Es ist eine Frage der Höflichkeit, sich als Journalist bei Pressekonferenzen vorzustellen. Man sagt seinen Namen, nennt das Medium, für das man arbeitet, und stellt seine Frage. Routine.

Doch sitzt man Stefan Raab gegenüber, gerät diese Pflichtübung zum Spießrutenlauf. So veralbert der ewige Klassenclown die Reporter an diesem Montagabend in Düsseldorf abwechselnd wegen ihres Aussehens, Nachnamens oder Arbeitsgebers. "Antenne Unna? Ich wusste gar nicht, dass ihr da schon Antennen habt?" "Tagesschau? Ach, du Scheiße!"

Überhaupt bewegt sich die Pressekonferenz mit den Moderatoren einer der aufwendigsten Unterhaltungssendungen der Welt auf dem Niveau einer aus dem Ruder gelaufenen Vertretungsstunde. Und das liegt vor allem an Raab. Ernsthafte, unironische Antworten bekommen die Journalisten von ihm nicht - sein Gesicht ziert das stetige Haifischlächeln.

Es ist die Masche, die "TV Total" so erfolgreich gemacht hat - Motto: Frechheit siegt - und die für Raab den unschlagbaren Vorteil hat, das der Clown niemals lächerlich ist. Sondern immer die anderen.

Die Moderation des Eurovision Song Contests mit seinen 120 Millionen Zuschauern? Für Raab Pillepalle. "Ein sehr einfacher Job", tönt er. "Nichts ist einfacher." Das mache er jeden Tag. "Bei der Moderation muss ich 20 Sätze sagen." Nur Co-Moderatorin Judith Rakers - der vielleicht die "Tagesschau" nicht mehr glamourös genug ist, weshalb sie nun lieber Schlager ansagt - habe Angst vor der Show. Behauptet Raab und grinst. "Hab ich nicht", piepst Rakers. Sie ist ein leichtes Opfer des Spötters.

Der Rest sind Phrasen: Der Zeitplan für die Moderation sei sehr eng, sagt Anke Engelke. Sie freue sich, die Sendung mit den Zuschauern zu teilen. Sie genieße es, vor Menschen aufzutreten. Und so weiter.

Doch am Schluss, nach der Pressekonferenz, lüftet Raab für einen kurzen Augenblick doch noch sein Visier. "Was wir hier machen", sagt er SPIEGEL ONLINE, "ist Kasperletheater im ganz großen Stil. Und ich bin der Bundeskasper, sozusagen."

Jörg Diehl

+++ Verletzungen bei Empfang +++

[Montag, 18.28 Uhr] Mehrere Personen haben bei einem Empfang zum Eurovision Song Contest in Düsseldorf Haut- und Augenreizungen erlitten. 15 Schaulustige am roten Teppich ließen sich nach der Veranstaltung am Samstagabend ärztlich behandeln, sagte ein Stadtsprecher am Montag. Er bestätigte damit in Teilen einen Vorabbericht des "Express".

Dem Bericht zufolge sollen die Verletzungen von zu grellen Scheinwerfern verursacht worden sein. Der Sprecher sagte hingegen, die Ursache sei noch unklar und Gegenstand polizeilicher Ermittlungen. Für die Beleuchtung am roten Teppich sei eine Fachfirma engagiert worden.

Bei der Veranstaltung im Anschluss an die Proben zum Song Contest hatte Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers am Samstagabend die Delegationen aller 43 teilnehmenden Nationen sowie weitere 500 geladene Gäste empfangen.

+++ Jan Delay macht den Pausenclown +++

[Montag, 17.45 Uhr] Jan Delay und seine Band Disko No. 1 werden beim Eurovision Song Contest auf der Bühne stehen. Während die Zuschauer nach den Auftritten der Kandidaten per Telefonabstimmung den Sieger küren, unterhält der Künstler das Publikum in der Düsseldorfer Arena, teilte der Norddeutsche Rundfunk am Montag mit.

In der Pause des ersten Halbfinales am Dienstag werden die Cold Steel Drummers, eine Gruppe von 20 Trommlern aus den USA, auftreten. Beim zweiten Halbfinale am Donnerstag verkürzen die Flying Steps, eine Tanzgruppe aus Berlin, dem Publikum vor Ort die Wartezeit bis zur Entscheidung.

jdl/ulz/dapd/dpa



insgesamt 8 Beiträge
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Newspeak, 09.05.2011
1. ...
Raab hat doch recht. Solche Veranstaltungen nehmen sich viel zu oft viel zu wichtig, meistens auch noch unbegründet. Was ist denn so eine Show, im kosmischen Maßstab? Oder gemessen am irdischen Leben? Und wieso glauben Journalisten, die über ein wichtiges Event berichten, deshalb auch automatisch wichtig zu sein? Raab macht diesen ewig um sich selber kreisenden Eitelkeiten eben schnell den Garaus, in dem er dort ansetzt, wo es wehtut. Ich finde das durchaus erfrischend. Der Mann denkt jedenfalls trotz aller Kalauerei mit. Ironie erfordert sozusagen ein Grundmaß an Intelligenz, daß vielen anderen Kollegen Raabs völlig abgeht, und Journalisten, die sich darüber beschweren, wohl auch.
zwiebelfleisch3 09.05.2011
2. Völlig richtig so
Raab gibt die einzig vernünftige Antwort auf die in der regel unfaßbar doofen Fragen der Journalisten: Diese Bande nicht ernst nehmen. "Wie fühlen Sie sich?" "Macht Sie das nervös?""Was machen Sie, wenn Deutschland wieder gewinnt?" War das unsäglich. Da hecheln Journalisten um ein paar Sekunden exklusiver Aufmerksamkeit in diesen PKs und hoffen auf den einen Soundbit oder die ganz verrückte Antwort, die sie selbst und den Star ins Bewußtsein der Welt katapultiert. Selbst der Kampfbegriff "Bratwurstjournalismus" ist noch zu anspruchsvoll für diese Journalisten-Imitatoren. Und dann kommt Frauke Ludowig...
WhereIsMyMoney 09.05.2011
3. ...
Ich schaue den ESC jedes Jahr und war auch vom letzten Jahr begeistert - toll was die Norweger da organisiert hatten. Dieses Jahr wirds wohl anders. Raabs Fresse zu sehen macht keinem Spaß und dass er von Humor nichts versteht ist nichts Neues. Hoffentlich erscheint er nicht zu oft auf dem Bildschirm, sonst macht er noch die ganze Veranstaltung kapput.
molesman 10.05.2011
4. Le ESC cèst moi...
...und doch. Raab ergreift lediglich die Flucht nahc vorn. Wenn einem die Muffe geht ist das im Showgeschäft sicher die einzige Möglichkeit noch gut dazustehen. Der Mann ist nicht dumm und wird sich täglich mehr bewusst in welchen Wahnsinn er sich und Lena, aber auch Deutschland dass sich auf einen frischen unverbrauchten ESC freute angetan hat. Was man im Rausch sagt, das sollte man revidieren: Wenn man aber natürlich so dusselige Pläne wie eine Titelverteidigung vor der Weltpresse ansetzt, das zeugt dann doch von Hirnlosigkeit, Anmaßung und Unverschämtheit. Auch gegebüber den Menschen die den ESC ohne die Guildo Horns und Raabs und andere Kasperle schon zu schätzen wussten. Es ging nie ums gewinnen, da kannman jeden jahrzente langen Freund des ESC fragen. Aber Raab als Ramensau und Kampfschwein muss in aller Verbissenheit natürlich punkten. Der Mann würde vermutlich lieber gevierteilt als eine Niederlage einzustecken. Schenkt man Google mal kein Vertrauen könnte aber genau das passieren. Und schnell würde der Wind anders wehen. Wer heute noch jubelt ist morgen schon einer jeneder "die es ja gleich gesagt haben". Meinungen hat man, täglich eine neue und selten eine fundierte. Klar hat Raab Panik, kalr fürchtet er ein Desaster dass dann seinn Gesicht tragen würde und zwar mehr als der Sieg des letzten Jahres den er damit augenocked hätte. Für den Grinsefisch steht extrem viel auf dem ESC-Spiel. Und wie gesagt. Da weglaufen keine Option ist folgt das hysterische nach vorne drücken, man muss aber kein Psychologe sein um zu sehen, dass da jemand dermaßen auf unbekümmert macht dass schon das Zusehen anstrengt. Sollte Deutschland wieder gewinnen, was google behauptet bin ich gespannt was Raab dann in der Konferenz danach plant. Allein das wär es vielleicht wert. Kürt er Lena zur Bundeskanzlering, sich selbst zum König von Deutschland. Sagt er weitere ESCs ab, da der absolute Höhepunkt eh schon erreicht sei. Nun denn. Mögen Raabs Spiele beginnen. Vorhang auf und Manege frei.
Kalle Bond 10.05.2011
5. Eurovision Song Contest
.... so kommt es, wenn man sich mit Stefan Raab einlässt. Zuerst fällt der ARD und Anderen nix ein, die Journalisten und Frank Elstner steif wie ein Brett und strohtrocken. Dann kommt Stefan mit ein paar lockeren Sprüchen daher und wieder versucht jeder, dies ernsthaft zu zu analysieren und zu sezieren. Der Narr hält seiner Klientel den Spiegel vor und niemand erkennt sich.
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