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Klüger werden mit: Esther Schweins

Die 31-jährige Schauspielerin über ihr Engagement für Obdachlose
aus DER SPIEGEL 29/2001

SPIEGEL: Sie sind die deutsche Synchron-Stimme der Prinzessin Fiona aus dem Trickfilm »Shrek«. Werden Sie wieder einen Teil Ihrer Gage spenden?

Schweins: Ich spende immer wieder mal etwas. Letztes Jahr ging meine gesamte Regie-Gage aus der One-Man-Show »Caveman« an Hamburger Obdachlose.

SPIEGEL: Warum helfen Sie gerade diesen Menschen und nicht kranken Kindern?

Schweins: Als ich in Hamburg lebte, ging ich oft mit meinem Hund an der Alster spazieren. Eines Tages kam ich dort mit Obdachlosen ins Gespräch. Sie erzählten mir von ihrer Anlaufstelle »Oase«, in der sie Essen bekommen und im Winter einen Schlafplatz. Als ich erfuhr, dass der »Oase« die Gelder gekürzt werden sollten, sammelte ich mit ein paar Leuten so viel Geld, dass sie bis Ende 2002 überleben kann.

SPIEGEL: Würden Sie einen Obdachlosen bei sich wohnen lassen?

Schweins: Eine Nacht wäre im Notfall in Ordnung. Über einen längeren Zeitraum könnte ich keinen mir fremden Alkoholiker betreuen.

SPIEGEL: Gibt es in Ihrer Familie einen Obdachlosen?

Schweins: Nein. Aber ich kenne gestrandete Persönlichkeiten, seit ich sieben bin. Mein Vater besaß Teppichgeschäfte, und wenn er Leute suchte, ging er an den nächsten Kiosk und fragte, wer arbeiten will. Das waren in der Regel Alkoholiker und Leute ohne Wohnung. Während meines Studiums stieß ich auf eine Frau, die einen ehemals angesehenen Architekten aufgenommen hatte. Der war plötzlich schwer erkrankt, seine Ehe ging kaputt und auch sein Geschäft - ehe er sich versah, saß er auf der Straße. Nicht alles im Leben funktioniert nach dem Motto: »Wer will, der kann auch.« Ein Wille kann brechen.

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