Estonia-Untergang Beweise für Sprengstoff-Anschlag?

Die deutsche Meyer-Werft will Beweise dafür vorlegen, dass die Ostseefähre "Estonia" 1994 nach einem Sprengstoff-Anschlag gesunken ist. Die offizielle Havariekommission weist die These zurück - das sei "uninteressant".

Stockholm - Das Unternehmen will sein Material im Herbst vorlegen. Das kündigte Werner Hummel, Chef einer von dem Papenburger Unternehmen eingesetzten Untersuchungskommission, am Dienstagabend im schwedischen Fernsehsender TV4 an. Hummel erklärte, seine Kommission wolle nun auch nachweisen, dass die amtliche Havariekommission von einer Explosion unmittelbar vor dem Unglück gewusst haben müsse. Die Sprengladungen seien am Schiffsrumpf befestigt gewesen.

Die Meyer-Werft hatte bisher erklärt, nach ihren Erkenntnissen hätten zu hohe Geschwindigkeit der Fähre und Wartungsfehler an der Bugklappe das Unglück ausgelöst. Daran hält sie Hummel zufolge auch weiter fest. Die Theorie eines Sprengstoff-Anschlages solle die bisherigen Erklärungen aber ergänzen. Sie basiert auf bereits seit dem letzten Jahr bekannten Video-Aufnahmen aus dem Schiffswrack mit Bildern von angeblichen Sprengladungen.

Ein Mitglied der amtlichen Havariekommission sagte zu der Ankündigung der Meyer-Werft: "Diese Theorie ist nichts wert und im Übrigen seit langem bekannt." Die Kommission hatte in ihrem Bericht zu den Ursachen der Katastrophe Konstruktionsmängel an der Aufhängung des Bugvisiers als Hauptursache benannt.

Die von der Meyer-Werft gebaute "Estonia" war in der Nacht des 28. September 1994 vor der finnischen Südküste gesunken, als große Mengen Wasser in das offene Bugvisier einlaufen konnten. 852 Reisende starben, 137 Passagiere überlebten.

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