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Gestorben Eugenio Scalfari, 98

aus DER SPIEGEL 29/2022
Foto:

Adriano Alecchi / Mondadori / akg-images

Er war Journalist, Zeitungsgründer, Schriftsteller und Politiker: Von Eugenio Scalfari sagt man in Italien, er habe mehrere Leben in einem geführt. 1955 stand er gemeinsam mit Jour­nalist Arrigo Benedetti hinter der Gründung des Ma­gazins »L'Espresso«, das er zwischen 1963 und 1968 leitete. 1976 gründete er die Tageszeitung »La Repubblica«. Dort war Scalfari Chefredakteur – 20 Jahre lang. Sowohl das Magazin als auch die Zeitung machte Scalfari zu Leitmedien und führte sie durch eine der schwierigsten politischen Phasen der italienischen Nachkriegsgeschichte. Während seiner Jugend bewunderte er den Faschismus unter Mussolini, nach dem Krieg wurde Scalfari zum Liberalen. Seine redaktionelle Linie war Mitte links. Italiens frühe Populisten Bettino Craxi und später Silvio Berlusconi wurden zu den Hauptgegnern von Scalfaris Blättern. 1968 ging er selbst in die Politik – bis 1972 war er Abgeordneter der Sozialistischen Partei Italiens. Noch 2013 führte der überzeugte Atheist überraschend ein Interview mit Papst Franziskus. Eugenio Scalfari starb am 14. Juli in Rom.

COL
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