15 Kandidaten aus fast ganz Europa, junge und alte Teilnehmer, jeder mit einer eigenen Geschichte, am Ende wird gewählt. Was nach einer Castingshow mit Abstimmung klingt, ist tatsächlich der Aufruf zu einer eher ungewöhnlichen Wahl: Ein internationaler Umweltschutzverband sucht "Europas Baum des Jahres".
Hübsches Blattwerk oder kurios ausgewachsene Baumkronen allein dürften für einen Sieg allerdings nicht reichen. Nach Angaben der Organisatoren wird nämlich der "Baum mit der spannendsten Geschichte" gesucht. Bei den 15 Nominierten ergeben die sich meist aus Verbindungen zu kulturellen oder historischen Ereignissen.
Derzeit führt die "Abramtsevo Eiche" aus Russland die Abstimmung mit mehr als 30.000 Stimmen an. Der Baum, immerhin 248 Jahre alt, steht am Rande Moskaus nahe einem Museum. Nicht nur der Schriftsteller Nikolai Gogol soll schon unter ihm geweilt haben, der Baum ist auch auf einem Gemälde von 1883 abgebildet.
Aus dem deutschsprachigen Raum ist dagegen kein einziger Kandidat dabei. Grund ist offenbar, dass sich in diesen Ländern keine Organisationen gefunden haben, die auf nationaler Ebene einen "Baum des Jahres" ermittelt haben. Folglich konnten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auch keine Bäume in den europäischen Wettbewerb ziehen.
Die Abstimmung unter der Leitung der "Environmental Partnership Association" (EPA) findet mittlerweile zum neunten Mal statt. Im letzten Jahr beteiligten sich nach Angaben von EPA rund 200.000 Menschen an der Wahl. Der Verband besteht aus ingesamt sechs Umweltschutzorganisationen aus Osteuropa.
Ob unter den 15 Kandidaten letztlich eine Ziereiche aus Bulgarien oder eine Ulme aus Südspanien das Rennen macht, liegt in der Hand der Abstimmenden, die noch bis zum 28. Februar ihre zwei Favoriten auf dieser Website auswählen können.
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Bei der Wahl zu "Europas Baum des Jahres" werden seit 2011 nicht nur die schönsten Bäume Europas gekürt - den Organisatoren kommt es auch auf ihre Geschichten an. Baumfreunde können für ihren Favoriten noch bis 19. März online abstimmen. Auch diese Buche aus dem belgischen Lummen steht zur Wahl.
Diese Zerreiche in Bulgarien konnte bereits 11.000 Stimmen für sich gewinnen. Sie soll rund 300 Jahre alt sein.
Besonderheit des Wettbewerbs ist, dass die Bäume nicht nur durch außergewöhnliche Formen, sondern oft auch durch ihre bewegte Geschichte herausragen. Diese Linde in der tschechischen Stadt Velké Opatovice wurde 1918 nach dem Ende des Ersten Weltkrieges als Symbol der Freiheit gepflanzt.
Fast wie ein Vogel mutet der Stamm dieser Korkeiche auf Korsika an. Die kuriose Form wurde vermutlich durch ein Feuer in ferner Vergangenheit verursacht.
Viele der zur Wahl stehenden Bäume sind über hundert Jahre alt. Dieser Mandelbaum im ungarischen Pécs bringt es sogar auf rund 135 Jahre - und ist damit noch ein Jüngling.
Aus dem deutschsprachigen Raum ist übrigens kein Baum dabei. Grund ist nach Angaben von "European Tree of the Year", dass es dort bislang keine Organisationen gibt, die einen Wettbewerb für den "Baum des Jahres" auf nationaler Ebene ausrufen. Das sei aber Bedingung für die Teilnahme am europäischen Vergleich. Diese Winterlinde aus Litauen hat es dagegen in die Auswahl geschafft.
Auch der Standort dürfte bei der Abstimmung eine Rolle spielen. Diese Stieleiche steht auf dem Mittelstreifen der Autobahn A58 nahe der niederländischen Stadt Breda. Beim Bau der Autobahn 1968 war die Eiche als einzige vor der Rodung verschont worden. Und ist nun wieder in Gefahr, die Autobahn soll offenbar verbreitert werden.
Ein ähnliches Schicksal drohte dem "knienden Baum" in der polnischen Stadt Krasnystaw. Der rund 65 Jahre alte Eschen-Ahorn sollte gefällt werden. Dagegen bildete sich Widerstand; der Ahorn kniet noch immer und darf sich jetzt sogar Chancen ausrechnen, "Europas Baum des Jahres" zu werden.
Diese Stein-Eiche im portugiesischen Mértola ist mit ihren rund 150 Jahren noch lange nicht steinalt. Nach Angaben einer botanischen Onlinedatenbank ist für die Baumart mehr als die doppelte Lebenszeit möglich.
Diese Sommerlinde im kroatischen Gornja Stubica soll rund 500 Jahre alt sein. Und für den Ort von großer historischer Bedeutung sein. Bereits 1573 soll der Anführer des kroatisch-slowenischen Bauernaufstandes, Matija Gubec, unter dem Baum seine Anhänger um sich versammelt haben.
Diese Platane im rumänischen Câmpeni sollte gefällt werden. Eine Initiative konnte das Vorhaben jedoch stoppen - und verwandelte es nach Angaben der Wettbewerbs-Organisatoren in ein "Symbol für die Liebe zur Natur".
Auch aus dem fernen Russland gibt es einen Kandidaten. Diese Stieleiche ist mit mehr als 30.000 Stimmen auf gutem Wege, "Europas Baum des Jahres" werden. Der Baum steht nahe einem Museum außerhalb von Moskau. Nicht nur der Schriftsteller Nikolai Gogol soll schon unter ihm geweilt haben, der Baum ist auch auf einem Gemälde von 1883 zu sehen.
Diese Linde im slovakischen Kopcany umgibt etwas Mystisches. Der Baum gilt als "Hüter" alter Geheimnisse und steht direkt neben einer jahrhundertealten Kirche.
Diese Ulme ist laut seinem Wettbewerbs-Steckbrief der "Stolz" der spanischen Gemeinde Navajas nahe Valencia. Zum 350-jährigen Geburtstag, der mittlerweile schon mehr als 30 Jahre zurückliegt, dichteten die Bewohner des Dorfes ihrem Baum eine Hymne, organisierten Veranstaltungen und verschickten Ableger bis nach Deutschland.
"Nellie's Tree" in Leeds soll dagegen der romantischste Baum Großbritanniens sein. Ein Mann soll dort vor rund hundert Jahren eine Frau namens Nellie umworben haben. Eines Tages, als er an zwei Bäumen vorbeikam, pflanzte er angeblich einen Schössling an einen der Bäume, sodass beide schließlich zu einem "N" verwuchsen. Später sollen die beiden geheiratet und Kinder bekommen haben, der Baum ist seitdem auch als "Love Tree" bekannt.