Eurotunnel Waghalsige Flucht bei Tempo 300

Um von Frankreich nach Großbritannien zu gelangen, ist Asylsuchenden jedes Mittel recht. Wie durch ein Wunder haben nun acht Erwachsene und ein Kind eine Flucht unter dem "Eurostar"-Zug überlebt.


London/Paris - Die rumänischen Flüchtlinge hatten sich in Paris in einem für die Lagerung von Fracht- und Wartungsmaterial vorgesehenen, etwa einen Meter tiefen Hohlraum unterhalb eines Waggons eingeschlossen. Nach Angaben der britischen Bahnpolizei handelte es sich bei den Asylsuchenden um vier Männer, vier Frauen und ein dreijähriges Mädchen.

Bis zu 300 Stundenkilometer schnell: Der "Eurostar"-Zug
DPA

Bis zu 300 Stundenkilometer schnell: Der "Eurostar"-Zug

Am Zielbahnhof Waterloo in London machten die Flüchtlinge durch Klopfzeichen und Schreie auf sich aufmerksam. Der Zug sollte wenige Minuten später nach Brüssel abfahren. "So etwas haben wir noch nicht erlebt", erklärte eine Sprecherin der Betreibergesellschaft Eurotunnel zu dem Vorfall vom Freitag.

"Es ist ein Wunder, dass es keine Toten gab", sagte ein britischer Polizeibeamter dem "Daily Telegraph". Das Abteil liege nur wenige Zentimeter über der elektrifizierten Gleisstrecke. Der Hochgeschwindigkeitszug erreicht auf französischer Seite Geschwindigkeiten bis zu 300 Stundenkilometern.

Die französischen Behörden haben Ermittlungen darüber aufgenommen, wie die Flüchtlinge in den Zug gelangen konnten. Der "Eurostar" hatte in der Nacht vor seiner Abfahrt aus Paris am späten Freitagvormittag in einem bewachten Depot gestanden. Vor Einfahrt in den Tunnel bei Calais gab es einen kurzen Halt in Lille.

Das britische Boulevardblatt "Daily Mail" berichtete, zwei der jugendlichen weiblichen Flüchtlinge seien hochschwanger. Die Gruppe wolle Asyl beantragen. Sie wurde nach einer ärztlichen Untersuchung in ein Sammellager bei Cambridge gebracht.

Nach Angaben von Eurotunnel wird der Verkehr durch den Tunnel unter dem Ärmelkanal zunehmend durch Fluchtaktionen behindert. Jeden Abend fänden sich auf französischer Seite etwa 1000 Menschen auf einer Rot-Kreuz-Station nahe dem Terminal in Calais ein, um die Flucht zu versuchen, hatte Eurotunnel im Februar mitgeteilt. Häufig brächten die Flüchtlinge sich selbst und andere Menschen dadurch in Gefahr, dass sie zu Fuß die elektrifizierte Strecke entlang liefen.



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