Eurovision in Kiew Optik ist (fast) alles

Nachdem zuletzt Ruslana mit der Ethno-Tanznummer "Wild Dance" gewann, müssen sich Eurovision-Zuschauer nun auf einiges gefasst machen: Befremdliche Outfits, groteske Choreographien – und eine deutsche Sängerin, die Hochphilosophisches über ihre Haarfarbe zu sagen hat. Immerhin: Für die Ukraine hat der Contest echte politische Bedeutung.


Kiew - In der ukrainischen Hauptstadt sind bereits tausende Fans eingetroffen, um den 50. Eurovision Song Contest zu erleben. Im Finale werden Künstler aus 24 Ländern auftreten. Die Europäische Rundfunkunion EBU ging davon aus, dass mehr als 150 Millionen Zuschauer die Live-Übertragung aus dem umgebauten Sportpalast sehen würden. Bei der letzten Probe hatten erneut die Lieder aus Norwegen, Israel, Griechenland, Moldawien und der Schweiz den lautesten Beifall erhalten.

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Proben-Fotos: Ein halbnackter Moldawier - und die Frau mit dem Flammenwerfer

Als deutscher Beitrag war Gracias Song "Run & Hide" nominiert. Gracia zeigte sich vor der Show von ihrem neuen, schwarzen Outfit überzeugt. Es passe gut zu ihrem rockigen Song, sagte die Sängerin laut Veranstalter-Website www.eurovision.ua. Vorher sei sie sechs Jahre lang blond gewesen, "jetzt bin ich seit zwei Monaten schwarzhaarig. Das ist Klasse, auch wenn ich jetzt die ganze Garderobe austauschen muss". Gracias Bühnen-Outfit für Kiew bestand aus schwarzem Leder.

Klitschkos als Ehrengäste

Als Ehrengäste der Show waren die Schwergewichtsboxer Vitali und Wladimir Klitschko geladen, um die europaweite Telefonabstimmung einzuleiten. Viele diesjährige Teilnehmer ließen sich vom stampfenden Ethnorock "Wild Dances" der Eurovisionssiegerin 2004 Ruslana inspirieren. Die Ukrainer schickten die gerappte Hymne ihrer friedlichen "Revolution in Orange", "Razom Nas Bahato" (Gemeinsam sind wir viele), ins Rennen, die ursprünglich nicht als Wettbewerbsbeitrag eingeplant war.

Auf dem Unabhängigkeitsplatz im Zentrum von Kiew waren Großbildschirme für mitfiebernde und feiernde Fans aufgebaut. Dort hatten die Kiewer im Winter gegen Wahlfälschungen demonstriert und schließlich einen Machtwechsel erzwungen. Auf den Straßen von Kiew vermischten sich die Freude über den demokratischen Aufbruch und den Eurovisions-Wettbewerb, die erstmals in der Ukraine gastiert.

An der 50. Ausgabe des Grand Prix beteiligte sich die Rekordzahl von 39 Ländern. Zum zweiten Mal nach Istanbul 2004 fand der Eurovision Song Contest geteilt mit Halbfinale und Finale statt. Auch wenn es weitere Interessenten gebe, solle der Eurovision Song Contest nicht weiter wachsen, sagte der Wettbewerbsdirektor Svante Stockselius von der EBU in Kiew. Im Oktober wird der dänische Rundfunk ein Geburtstagsfest zum 50. Jubiläum des Wettbewerbs ausrichten.



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