Eva-Spektakel Herman, Herrmann und der Butterkuchen

Die Debatte über Eva Hermans Anti-Emanzenbuch wird immer bizarrer: Nun meldet sich der Ex-Mann der "Tagesschau"-Sprecherin zu Wort. Er lästert über seine einstige Gattin - und verrät vermeintlich Brisantes über ihre Kuchenbackfähigkeiten.

Von Brenda Strohmaier


Hamburg - "Frauen, boykottiert dieses Buch!!!!", so oder ähnlich lauten die Kunden-Rezensionen zu Hermans Werk "Das Eva-Prinzip" auf der Website des Online-Buchhändlers amazon.de. All jene, die sich über die "Zurück-an-den-Backofen"-Thesen der Autorin ärgern, wird es sicher freuen, dass nun auch ihr einstiger Ehemann Werner Herrmann in einem offenen Brief in der "Bild"-Zeitung seine gescheiterte Ehe aufarbeitet.

Werner Herrmanns offener Brief: Werbung für ein umstrittenes Buch

Werner Herrmanns offener Brief: Werbung für ein umstrittenes Buch

"Die Eva, die sich und ihre provokanten Thesen in diesen Tagen der Öffentlichkeit präsentiert - das ist so gar nicht 'meine' Eva, die ich 1980 kennengelernt und drei Jahre später geheiratet habe", schreibt er. Die Frau, mit der er bis 1988 verheiratet war, nahm zwar seinen Namen an, strich aber kurzerhand ein "r" und ein "n" daraus. Ein Zeichen von Emanzipation? Während der gesamten Ehe habe sie sich "in der Rolle der ehrgeizigen Businessfrau wunderbar gefallen", versichert ihr Ex-Gatte - und wendet sich direkt an sie: "Karriere ging für Dich vor - und die gemeinsamen Kinder, die wir hätten haben können, wolltest Du zu meinem Bedauern nicht."

Eine Anti-Emanze aus Frust?

Das klingt beleidigt. Entsprechend fällt auch die Erklärung des 55-jährigen Betriebswirts für den Sinneswandel seiner einstigen Gattin aus: "Ich glaube, Du hast nach drei gescheiterten Ehen einfach gesehen, welche Scherbenhaufen vor Dir liegen. Und dass da etwas gewaltig schief gelaufen ist in Deinem Leben." Ihre Fehleranalyse, man könne Kind und Karriere einfach nicht unter einen Hut bringen, teile er nicht. Und eines muss er noch unbedingt loswerden: "Übrigens: Ich habe wieder geheiratet und habe eine wunderbare neunjährige Tochter. Die Mutter geht arbeiten - dem Kind hat es nicht geschadet!" Ein Lob hat er immerhin für die Ex auf Lager: Herman, die heutzutage verkündet, Frauen seien einfach zum Backen geboren, habe tatsächlich "phantastischen Butterkuchen" gezaubert.

Auf jeden Fall hat Herrmann Herman mit seiner Abrechnung mal wieder zu gigantischer Aufmerksamkeit für ihr Buch in der "Bild" verholfen. Erst kürzlich hatte die "Tagesschau"-Sprecherin, die derzeit eine Auszeit von ihrem Hauptberuf nimmt, ausführlich in "Bild am Sonntag" ihre Sicht der Welt erklären dürfen. Von "Zeit" bis "Bunte" haben schon etliche Zeitungen darauf verwiesen, dass diese so gar nichts mit ihrer eigenen Biografie zu tun hat. Die 47-jährige Herman, die einen achtjährigen Sohn hat, erklärte zum Beispiel, sie halte es für ideal, wenn Frauen zwischen 20 und 30 Jahren ihre Kinder bekommen.

"Eva-Prinzip": Die erste Auflage ist schon weg

Ein Ende der Aufregung über ihr vergangene Woche veröffentlichtes Werk ist längst nicht in Sicht: Nachdem bereits etliche Karrierefrauen ihrem Ärger über Herman Luft gemacht haben, meldeten sich heute in einem offenen Brief die "FinanzFachFrauen" zu Wort, ein nach eigenem Bekunden seit 1988 bestehender "Zusammenschluss unabhängiger Finanzdienstleisterinnen". Die Geldexpertinnen ärgern sich vor allem über Hermans Ideal der Hausfrau als "kleine, erfolgreiche Unternehmerin". Ihre Replik: "Die tüchtige Unternehmensleiterin, die Sie so gerne ausschließlich hinter den Herd verbannen würden, ist leider scheinselbständig und damit wirtschaftlich abhängig." Für viele Frauen endeten daher Scheidungen im finanziellen Ruin.

Dieses Schicksal ist Herman, die zum vierten Mal verheiratet ist, garantiert erspart geblieben - auch wenn sie betont, dass mit dem Rückkehr zum alten Rollenbild "notfalls" auch "Verzicht verbunden" sei. "Das glaube ich Dir nicht, Eva", ruft ihr Ex-Mann Werner Herrmann ihr entgegen. "Du hast einen Standard, den Du halten willst. Und ich bin ganz sicher, dass Dir das auch gelingen wird."

Ihr neues Buch verkauft sich dank des Spektakels hervorragend. Wie der Pendo-Verlag SPIEGEL ONLINE versicherte, ist die erste Auflage von 50.000 Büchern schon ausverkauft.



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