Viele Tote bei Lawinenabgang Retter suchen am Everest nach vermissten Sherpas

Das schlimmste bislang verzeichnete Unglück am Mount Everest hat mehr als ein Dutzend Menschenleben gefordert. Die Retter suchen weiter nach Vermissten. Auf der hochgefährlichen Route zum Khumbu-Eisfall hatte eine Lawine eine Sherpa-Gruppe erfasst, einige entkamen offenbar durch einen Zufall.

DPA/ BUDDHABIR RAI/ RSS

Katmandu - Sherpas und Helikopter haben am Tag nach dem Lawinenunglück am Mount Everest die Suche nach vier Bergführern fortgesetzt. Die Behörden gehen davon aus, dass für die Vermissten jede Hilfe zu spät kommt.

"Es ist ausgeschlossen, dass wir die vermissten Männer lebend finden", sagte am Samstag ein Vertreter des Tourismusministeriums in Katmandu. Die Vermissten seien bereits länger als 24 Stunden im Schnee eingeschlossen.

Nach dem Unglück am Freitag wurden zunächst zwölf Tote geborgen. Sieben Sherpas konnten nach Behördenangaben gerettet werden. Am Samstagvormittag fanden die Rettungskräfte einen der vier Vermissten, er konnte nur noch tot geborgen werden. Die Zahl der Unglücksopfer stieg damit auf 13.

Einige Sherpas waren der Lawine knapp entkommen. Es war der pure Zufall, dass sie rund fünf Minuten vor dem Abgang ins Basislager zurückgekehrt sind. Angaben von Bergführern zufolge wurde das Unglück vermutlich von Eismassen ausgelöst, nicht durch eine typische Schneelawine.

Es habe an der Stelle keine Möglichkeit gegeben, vor der plötzlich abgehenden Lawine wegzurennen, schilderte ein Überlebender örtlichen Medien. "Wir haben uns zusammengedrängt, aneinander festgehalten. Aber binnen sehr kurzer Zeit waren wir alle begraben", wurde der Mann zitiert.

Die Hinterbliebenen und Freunde der Opfer verliehen ihrer Bestürzung über das Unglück in Blog-Einträgen Ausdruck. "Alle hier im Basislager sind bestürzt", schreibt ein Bergsteiger. Einige Führer würden die Suche nach den Opfern nun beenden.

Wie unberechenbar Eislawinen sein können, erklärt ein anderer Blog-Schreiber: "Hängendes Eis kann Jahrzehnte lang bleiben, wie es ist - oder morgen runterfallen. Es gibt keine Möglichkeit, das zu wissen oder vorauszusagen."

Die riskante Arbeit der "Eisfall-Doktoren"

Die nepalesischen Bergführer waren am Freitag verschüttet worden. Sie wollten Ausrüstung vom Base Camp zum Camp 1 bringen, einem der vier Wegpunkte auf der Route zum Gipfel an der Südflanke des Mount Everest. Sherpas, die diese Tour häufig abgehen, sind einer vergleichsweise hohen Gefahr ausgesetzt: Als hochriskant gilt besonders die Arbeit der sogenannten Eisfall-Doktoren ("icefall doctors") - eines Teams, das die Route regelmäßig instand hält.

Die Lawine löste sich nach Angaben der Behörden am Freitagmorgen gegen 6.45 Uhr auf einer Höhe von 5800 Metern im sogenannten Popcorn-Feld, das auf der Route zum tückischen Khumbu-Eisfall liegt.

Diese Stelle ist unter Bergsteigern berüchtigt, einige von ihnen nennen sie den "Unglückskorridor": "Das ist immer der gefährlichste Part der Bergbesteigung, weil das Eis dort in konstanter Bewegung ist", sagte ein Everest-Kenner aus Kalifornien der Nachrichtenagentur Reuters. Dort gingen relativ regelmäßig Lawinen ab. "Wann immer wir dort sind, sind wir sehr darauf bedacht, uns so schnell und effizient wie möglich zu bewegen, weil es dort dieses unkontrollierbare Risiko gibt."

Bei der Lawine am Freitag handelt es sich um das bislang schlimmste Unglück an Mount Everest, dem mit 8848 Metern höchsten Berg der Welt. Jährlich versuchen Hunderte Bergsteiger den strapaziösen Aufstieg zum "Dach der Welt". Mehr als 300 Alpinisten kamen dabei bislang ums Leben.

bos/AFP/Reuters/AP/dpa

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townsville 19.04.2014
1.
Tja, und damit die Touristen sich so schnell wie moeglich durch den Hochrisiko-Korridor bewegen koennen, müssen die Sherpas sich eben immer wieder lange dort aufhalten, um die Wege mit Leitern und Seilen zu versehen. Weil es dieses Jahr so viele Gipfel-Lizenzen gibt, müssen eben Ausweichrouten gelegt werden, um die gefährlichen Staus zu vermeiden. Das ist ein Arbeitsunfall wie im Straßenbau...
thetruthburnsyou 19.04.2014
2. Tragisch!
Wenn Sherpas ums Leben kommen ist dies wirklich eine Tragödie und zeigt, dass der Berg !KEINE! Touristenattraktion sein sollte! Die Männer präparieren die Strecke, bekommen einen vergleichsweisen Hungerlohn, nur damit die 1st-World-Abenteurer sich auf den Berg hochschleußen können um behaupten zu können "ICH WAR AUF DEM HÖCHSTEN BERG DER ERDE". Die Sherpas sollten dieses Jahr aus Respekt für die gestorbenen, ihre Arbeit niederlegen! Nächstes Jahr sollten sie dann das Doppelte an Lohn verlangen! Vll. wird der Massentourismus und die enorme Verschmutzung rund um die Lager eingedämmt.
Gustav_Kuchenbecker 19.04.2014
3. Man muss die Eisphysik beherrschen
Zitat von sysopDPADas schlimmste bislang verzeichnete Unglück am Mount Everest hat bereits zwölf Menschenleben gefordert. Die Retter suchen weiter nach Vermissten. Auf der hochgefährlichen Route zum Khumbu-Eisfall hatte eine Lawine eine Sherpa-Gruppe erfasst, einige entkamen offenbar durch einen Zufall. http://www.spiegel.de/panorama/everest-sherpas-kommen-bei-lawine-ums-leben-bergung-der-leichen-a-965251.html
Die Mechanik des Eises ist eine Wissenschaft für sich. Die Haftreibung my ist eine Funktion von der Temperatur und der Umgebung. Die auftretenden Kräfte sind in Abhängigkeit von der Hangneigung Alpha, wobei F = m*g (cos Alpha - my*sin Alpha) mit m= Masse des Eises. Ich weiß nicht, ob in Nepal eine Technische Universität existiert.mit dem Fach Eismechanik.
panzerknacker51, 19.04.2014
4. Oha!
Zitat von Gustav_KuchenbeckerDie Mechanik des Eises ist eine Wissenschaft für sich. Die Haftreibung my ist eine Funktion von der Temperatur und der Umgebung. Die auftretenden Kräfte sind in Abhängigkeit von der Hangneigung Alpha, wobei F = m*g (cos Alpha - my*sin Alpha) mit m= Masse des Eises. Ich weiß nicht, ob in Nepal eine Technische Universität existiert.mit dem Fach Eismechanik.
Schön, daß wir das jetzt auch wissen.
fiutare 19.04.2014
5.
Ich bin ein begeisterter Berwanderer - und verachte trotzdem die dekadenten MountEverest-Touristen, die sich auf von Sherpas präparierten Routen auf den Berg hieven. Alleine die Tatsache, dass Menschen sich für einen vergleichsweise geringen Lohn für andere Menschen in Lebensgefahr bringen, damit eben die anderen Menschen ihren Spaß haben, ist widerlich. Wer nicht aus eigener Kraft mit eigener Vorbereitung auf einen Berg kommt, sollte unten bleiben. Das täte dem Berg gut.
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