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MODE Ewig lockt der Stöckelschuh

aus DER SPIEGEL 7/1999

Vergessen sind kleine Katastrophen wie der im Gully festgeklemmte Stöckel - der Pfennigabsatz ist wieder da, er gilt neuerdings sogar als »Ikone weiblicher Erotik«. So jedenfalls bezeichnet ihn die New Yorker Kulturhistorikerin Valerie Steele, 43. Monatelang durchforschte die Chef-Kuratorin eines New Yorker Mode-Museums Straßen, Bordelle und Magazine nach Absatzgewohnheiten und -phantasien von Frauen. Ergebnis der als Schuh-Lexikon veröffentlichten Studie: Frauen bevorzugen nicht den bequemen Schuh, sondern den, der Männer auf die Knie fallen läßt - ihnen vor die Füße. Ganz oben auf der Skala stehen Stilettos, sie verlängern die Fesseln und schieben die Brüste nach vorn. Während Männer diese Haltung seit je schätzen, war sie bei Frauen früher umstritten, von Kollegen im Büro wurde sie oft als alles umfassende Einsatzbereitschaft mißverstanden. Nun aber bedeutet sie weibliche Potenz. Mitverantwortlich für den Wandel sind die Feministinnen: Einst schmähten sie den Stöckelschuh als männliches Repressionsmittel, im Lauf der neunziger Jahre rehabilitierten sie ihn - als Symbol weiblichen Selbstbewußtseins.

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