Ehemaliger US-Soldat auf dem Mississippi 3700 Kilometer Traumabewältigung

Der Afghanistan-Veteran Joshua Ploetz wusste nicht, wohin er im Leben sollte. Dann stieg der 30-Jährige in ein Kanu - und paddelte auf dem Mississippi von der Quelle bis zur Mündung. Mehr als 3700 Kilometer später hat er viel über sich gelernt.

AP

New Orleans - Was er in Afghanistan erlebt hat, wird Joshua Ploetz nie loslassen. Ploetz war zweimal als Mitglied der Marines in dem Land stationiert. Manche seiner Freunde starben bei dem gefährlichen Einsatz. Andere verlor Ploetz später, als sie sich im Leben nicht mehr zurechtfanden und Suizid begingen.

Ploetz, 30, kehrte vor acht Jahren aus Afghanistan zurück. Er versuchte, mit seinen Verletzungen umzugehen, den Folgen eines leichten Schlaganfalls und vor allem mit den Symptomen des posttraumatischen Belastungssyndroms (PTBS). Als Zivilist war das Leben schwer. Beziehungen gingen in die Brüche, Arbeit war schwer zu finden. Er habe sich verloren gefühlt, sagt Ploetz.

Damit ist er nicht allein. Einer Studie der US-Denkfabrik Rand Corporation zufolge leidet ein Fünftel aller Irak- und Afghanistan-Veteranen an PTBS-Symptomen.

Es dauerte bis zu diesem Sommer, bis Ploetz seinem Leben eine Richtung und ein Ziel geben konnte - und dadurch für andere zur Inspiration wurde. Mit einem Kanu ist der 30-Jährige den ganzen Mississippi hinuntergepaddelt, insgesamt mehr als 3700 Kilometer weit.

Die Reise begann am 19. Mai am Lake Itasca im US-Bundesstaat Minnesota. Dort entspringt der Fluss. 71 Tage später kam Ploetz am Golf von Mexiko an. Er habe jeden Zentimeter der Strecke gebraucht, um die Dämonen des Kriegs zumindest ein wenig hinter sich zu lassen, sagt er. "Es verlangsamt das Leben, man lernt, Dinge wertzuschätzen."

"Man paddelt einfach weiter"

Die Idee zu seiner Reise kam ihm vor Jahren. Zufällig hatte er in einer Bar Matthew Mohlke getroffen, der ein Buch über sein Kanu-Abenteuer auf dem Fluss geschrieben hatte. Ploetz erstellte eine Facebook Seite "Den Krieg wegpaddeln", um seine Reise zu dokumentieren und Aufmerksamkeit für Menschen mit PTBS zu erzeugen.

Auf seinem Weg lernte Ploetz Aleks Nelson kennen, der ebenfalls aus Minnesota stammt. Zehn Tage nach dem Start gesellte sich Nelson zu Ploetz und begleitete ihn bis zum Ende.

Sein Kampf mit der PTBS sei noch nicht vorbei, sagt Ploetz. Vielleicht werde das immer so bleiben. Aber der Fluss habe ihn gelehrt, wie man damit umgehen könne. "Auf dem Fluss gerät man in Schwierigkeiten, paddelt aber einfach weiter."

In New Orleans, kurz vor dem Ziel, bejubelten ihn hundert Marines, als er um eine Flussbiegung fuhr. Im Golf von Mexiko angekommen, hatte er gemischte Gefühle. "Ich möchte, dass es vorbei ist. Aber ich möchte auch noch mehr Fluss zum Paddeln."

ulz/AP



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