Verletzte nach BASF-Unglück "Es steht nicht sehr gut um diese Menschen"

Mindestens zwei Tote, acht Schwerverletzte, ein Vermisster: Die Staatsanwaltschaft hat nach der Explosion bei BASF Ermittlungen eingeleitet.


Die Staatsanwaltschaft Frankenthal hat wegen der Explosion auf dem BASF-Werksgelände in Ludwigshafen Ermittlungen eingeleitet. Ein Gutachter wurde zur Klärung der Ursache eingeschaltet, teilte die Behörde mit. Zwei Menschen waren bei der Explosion getötet worden, eine Person wird noch vermisst. Die Staatsanwaltschaft sprach von insgesamt knapp 30 Verletzten.

Die Zahl der Schwerverletzten bezifferte BASF-Personalchefin Margret Suckale auf acht. Sechs von ihnen lägen auf der Intensivstation. "Es steht zum Teil nicht sehr gut um diese Menschen", sagte Dieter Feid, für die Feuerwehr zuständiger Dezernent der Stadt Ludwigshafen.

Die vermisste Person wird im Hafenbecken vermutet. Ein Einsatz von Tauchern sei derzeit aber noch nicht möglich, sagte der Chef der Feuerwehr Ludwigshafen, Peter Friedrich. Sobald keine Gefahr mehr für die Helfer bestehe, sollen sie nach dem Vermissten suchen. Es könne sich um einen Matrosen eines Tankschiffs handeln. Zu der Explosion war es am Montag im Landeshafen Nord gekommen.

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Explosion bei BASF: Einsatz am Landeshafen Nord

Warum der erste Brand ausbrach, der sich zur Explosion und weiteren Bränden ausweitete, ist nach wie vor unklar. Ein Feuerwehrlöschboot aus Mannheim kühlte einen mit gefährlichen Flüssigkeiten beladenen Tanker im Hafen. So sei eine noch größere Katastrophe vermieden worden, hieß es nun. Vor dem Unglück hatte es Arbeiten an einer leeren Propylen-Pipline gegeben.

Nach wie vor kommen die Einsatzkräfte nicht direkt an den Unglücksort heran. Der Brand mit anschließender Explosion und Folgebränden ereignete sich der BASF zufolge in einem sogenannten Rohrgraben. Dort liegen zahlreiche Leitungen, die Flüssiggase und andere brennbare Flüssigkeiten von und zu den Schiffen transportieren.

Laut BASF tritt weiterhin Gas aus, man habe aber bislang keine erhöhten Konzentrationen schädlicher Stoffe gemessen. Zudem ist nicht klar, wo die Rußwolke niedergegangen ist. Feuerwehrchef Friedrich sagte, am Montag habe es noch leicht erhöhte Werte gegeben. Die Stadt hält deshalb ihre Warnung an Anwohner aufrecht, weiter Türen und Fenster geschlossen zu halten.

"Noch immer leichter Austritt von Flüssiggasen"

Das Feuer war laut einem BASF-Sprecher in der Nacht, etwa zehn Stunden nach der Explosion, gelöscht worden.. Bei den verbrannten Substanzen habe es sich um Ethylen und Propylen gehandelt - Stoffe, die unter anderem in Autolack und Klebstoff genutzt werden.

Über die Rohrleitungen, an der sich die Explosion ereignet hatte, sei ein dicker Teppich aus Löschschaum gelegt worden, sagte Feuerwehrchef Friedrich. Die Rohre müssten noch gekühlt werden. Erst wenn aus den beschädigten Rohren keine Stoffe mehr austreten, könne man den Schaum entfernen und die Unglücksstelle genau in Augenschein nehmen. Das werde mindestens bis Mittwochabend dauern.

Wie groß der wirtschaftliche Schaden ist, lasse sich noch nicht absehen, sagte BASF-Vorstandsmitglied Margret Suckale. "Diese Fragen haben nicht oberste Priorität." Die Unterbrechung der Rohstoffversorgung sei natürlich eine große Herausforderung für Produktion und Logistik. Man werde mit den Kunden nach tragfähigen Lösungen suchen.

Da die Rohstoffversorgung noch unterbrochen sei, blieben die sogenannten Steamcracker heruntergefahren, teilte das Unternehmen mit. Rund 20 weitere Anlagen seien ebenfalls abgeschaltet worden oder liefen im Teillastbetrieb. Wann diese wieder in Betrieb gehen können, ist noch nicht klar.

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cnn/mxw/dpa/AP



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