Massive Detonation in Nashville »Dieses Fahrzeug wird in 15 Minuten explodieren«

Erst waren minutenlang Warnungen zu hören, dann flog ein Wohnmobil in die Luft: Augenzeugen berichten von der zerstörerischen Explosion in Tennessee. Der Gouverneur wendet sich an Donald Trump.
Brennendes Fahrzeug in Nashville: Die Explosion hat Gebäude im Umkreis schwer beschädigt

Brennendes Fahrzeug in Nashville: Die Explosion hat Gebäude im Umkreis schwer beschädigt

Foto: Andres Nelles / REUTERS

Nach der mutmaßlichen Bombenexplosion in Nashville in Tennessee hat der Gouverneur des Bundesstaats bei US-Präsident Donald Trump die Bewilligung einer örtlichen Notstandserklärung beantragt. Damit sollen für den Wiederaufbau zusätzliche Mittel des Bundes mobilisiert werden.

Laut der Nachrichtenagentur AP ist inzwischen auch ein Tatverdächtiger identifiziert worden. Details wurden zunächst nicht bekannt.

Am Freitagmorgen war in der Stadt ein Wohnmobil explodiert, die Detonation hat Gebäude im Umkreis schwer beschädigt. Mindestens drei Menschen wurden verletzt. Die Polizei hat auch menschliches Gewebe gefunden, das darauf hindeuten könnte, dass sich jemand im Wohnmobil befunden hat.

»Es ist ein Wunder, dass keine Anwohner getötet wurden«, schrieb Gouverneur Bill Lee auf Twitter. Das FBI hat die Ermittlungen übernommen.

Die Hintergründe der Explosion sind immer noch unklar. Aussagen von Zeugen und Angaben der Behörden deuten darauf hin, dass es sich um ein Bombenattentat handelte, das allerdings nicht das Ziel hatte, viele Menschen zu töten. Laut der Nachrichtenagentur Reuters gibt es aktuell keine bekannte Bedrohungslage mehr für Nashville. Die Polizei ermittle zu mehr als 500 Hinweisen.

Warnungen aus dem Lautsprecher

Der Ablauf wird mittlerweile so rekonstruiert: Am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertags hallten zuerst die Geräusche von Schüssen durch die Innenstadt von Nashville. Dann eine Art Countdown: »Dieses Fahrzeug wird in 15 Minuten explodieren«, habe eine Stimme vom Band gesagt, schilderte  ein Paar, das in der Nähe wohnt, der »Washington Post«.

Erst riefen die beiden die Polizei. Als der Countdown bei elf Minuten angelangt war, packten sie ihre Katze, setzten sich ins Auto und flohen. Als eine Weile nichts passierte, kehrten sie um, sie hätten es für einen Scherz gehalten.

Irgendwann soll, berichtet die »Washington Post« unter Berufung auf ein nicht verifiziertes Video, eine neue Ansage gelaufen sein: »Diese Gegend muss jetzt evakuiert werden. Wenn Sie das hier hören, evakuieren Sie.«

In der Zwischenzeit hatten die sechs alarmierten Beamten vor Ort die Bombeneinheit der Polizei alarmiert, Beamte waren von Haus zu Haus gegangen und hatten Bewohner gedrängt, sich in Sicherheit zu bringen. So erzählt es Polizeichef John Drake.

»Ich will nicht spekulieren, aber man würde vermuten, dass diese Person nicht verletzen, sondern zerstören wollte.«

Polizeichef John Drake

Der Countdown endete, das Wohnmobil explodierte. Das Paar mit seiner Katze war da gerade im Auto auf dem Weg zurück zur Wohnung. Die beiden hörten die Detonation, sahen Rauch aufsteigen.

Bilder vom Ort der Explosion zeigten beschädigte Häuser, ausgebrannte Autos und Trümmerteile auf der Straße. Nach der Detonation waren auf Aufnahmen mehrere Brände zu sehen; eine aufsteigende schwarze Rauchsäule war weithin sichtbar. Fotos zeigten auch bei weiter entfernten Gebäuden zerbrochene Fensterscheiben.

»Ich will nicht spekulieren, aber man würde vermuten, dass diese Person nicht verletzen, sondern zerstören wollte«, sagte Polizeichef Drake.

Auch der Zeitpunkt der Explosion legte nahe, dass es bei der Tat wohl nicht darum ging, möglichst viele Menschen zu treffen: Am Weihnachtsfeiertag gegen 6.30 Uhr morgens waren die Straßen so gut wie leer gefegt – an einem Werktag zu späterer Stunde halten sich dort aber viele Menschen auf.

Internet- und Telefonverbindungen fielen aus

Bürgermeister John Cooper sprach dennoch von einem »katastrophalen Schaden«. Mindestens 41 Geschäfte seien beschädigt worden, sagte er. »Der Angriff heute früh zielte darauf ab, in dieser [weihnachtlichen] Zeit des Friedens und der Hoffnung Chaos und Angst zu verbreiten«, sagte Cooper.

Die Polizei riegelte die Innenstadt am Freitag weitgehend ab und suchte mit Bombenspürhunden nach Sprengsätzen. Cooper verhängte eine Ausgangssperre für den betroffenen Innenstadtbereich. Bürgermeister, Polizei und Gouverneur sprachen von einer Bombe.

Die Explosion beschädigte ein Gebäude des Kommunikationsunternehmens AT&T, weswegen in der Region teilweise Telefon- und Datenverbindungen ausfielen. Der Flughafen der Stadt, die mit knapp 700.000 Einwohnern Hauptstadt von Tennessee ist, musste zeitweise seinen Betrieb einstellen.

svv/jos/dpa/Reuters