Explosion in Pemex-Zentrale Inferno kurz vor Schichtwechsel

Viele Angestellte von Pemex waren gerade in der Mittagspause, sonst hätte es wohl noch mehr Opfer gegeben: Mindestens 32 Menschen sind bei einer Explosion in der Zentrale des mexikanischen Ölkonzerns ums Leben gekommen. Erste Vermutungen zur Ursache der Katastrophe zielen auf die Heizanlage.

Aus Mexiko-Stadt berichtet Frank Riensberg


Die Explosion traf mehr als tausend Menschen mitten bei der Arbeit. Es war kurz vor 16 Uhr am Donnerstag, wenige Minuten fehlten zum Schichtwechsel in der Zentrale von Petróleos Mexicanos (Pemex), dem staatlichen Ölriesen. "Ich saß an meinem Schreibtisch, als ich eine Explosion hörte", sagte ein Augenzeuge. "Der Turm fing an zu wackeln wie bei einem Erdbeben. Plötzlich war alles voller Staub, Teile der Wände kamen mir entgegen, Fensterscheiben gingen zu Bruch. Ich sah erste Verletzte, und dann haben sie uns sofort evakuiert."

Es war die schwerste Explosion in Mexiko-Stadt seit 30 Jahren. Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong bezifferte gegen 23 Uhr Ortszeit die vorläufige Zahl der Opfer auf 25 Tote. Pemex-Generaldirektors sprach bei einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag von mindestens 32 Toten und 121 Verletzten.

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Explosion in Mexiko-Stadt: Dutzende Tote in Pemex-Zentrale
Nach wie vor werden Verschüttete im Keller und den unteren Etagen des 54 Stockwerke hohen Gebäudes vermutet. Eine der Verschütteten konnte lebend geborgen werden, teilte der Minister mit. Die Rettungsmannschaften wollten die Nacht über weiter nach Überlebenden suchen. Mehr als 3000 Menschen wurden im Umkreis des Gebäudes evakuiert. Zu den Ursachen wollte der Minister keine Angaben machen. "Wir müssen die genauen Untersuchungen abwarten. Jede vorschnelle Schuldzuschreibung wäre fahrlässig."

Andere wurden konkreter: Ein Sprecher des Katastrophenschutzes sagte, die Detonation sei offenbar durch eine Gasansammlung in einer elektrischen Anlage ausgelöst worden. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Erdöltechniker, Moisés Flores, machte die mangelhafte Wartung der Heiz- und Kühlanlage verantwortlich.

Die Katastrophe ereignet sich in einem Moment, in dem Pemex im Kreuzfeuer der politischen Diskussion steht. Der Konzern machte 2012 einen Umsatz von 32 Milliarden Dollar, ist der viertgrößte Rohölproduzent der Welt, pro Tag fördert er rund 2,5 Millionen Barrel Öl. Das 1938 gegründete Unternehmen ist der Stolz des Landes. Und Präsident Enrique Peña Nieto musste sich in den vergangenen Tagen vehement gegen Vorwürfe wehren, er plane eine Privatisierung des ineffizienten Riesen. Bevölkerung und Opposition hatten gegen diese angeblichen Pläne massiv protestiert. Daher ist auch die Theorie eines Sabotageaktes oder eines Anschlags nicht ganz auszuschließen.

"Ich dachte an meine Kinder"

Hunderte von Mitarbeitern des größten Unternehmens von Mexiko rannten in Panik aus ihren Büros und versuchten zu den Aufzügen und Treppen zu gelangen, um sich zu den Ausgängen zu retten. Aus dem Gebäude quoll schwarzer Rauch. Vier der 54 Etagen wurden schwer beschädigt. Viele der mehreren tausend Angestellten der Pemex-Verwaltung waren zum Zeitpunkt der Explosion nicht im Gebäude, da sie sich in der Mittagspause befanden. Sonst hätte es vermutlich noch deutlich mehr Opfer gegeben.

Silvia Hernández, eine Arbeiterin von Pemex, war im Moment des Unglücks sehr nah am Ort der Explosion. "Ich hatte fürchterliche Angst, dachte an meine Kinder", erzählte sie später. "Eine Fußgängerbrücke stürzte ein, einige Kollegen wurden darunter begraben." Im unteren Stockwerk, wo sich die Explosion ereignete, befinden sich die Archive, die Revision und im Stockwerk darüber saß die Personalabteilung.

Erste TV-Aufnahmen aus Hubschraubern zeigten das ganze Ausmaß der Katastrophe. Das Erdgeschoss und der Keller des Gebäudes lagen in Trümmern, alle Fenster geborsten, und Hunderte von Krankenwagen und Feuerwehrwagen versuchten, Menschen unter den Trümmern zu bergen.

Der Pemex-Turm ist eines der höchsten Gebäude der Stadt. Er wurde 1984 eröffnet. Das Gebäude gilt als ausgesprochen erdbebensicher. Ein Beben der Stärke 8,2 überstand das Hochhaus 1985 ohne Schäden.

Es ist nicht der erste, aber einer der schwersten Unfälle in der mehr als 70-jährigen Geschichte des Unternehmens. Im September 2012 waren in einem Pemex-Gaslager im nordmexikanischen Bundesstaat Tamaulipas bei einer Explosion 30 Menschen umgekommen. Im Dezember 2010 wurden 29 Menschen getötet, als eine Pemex-Pipeline explodierte, nachdem Diebe sie angezapft hatten. Im Oktober 2007 starben 21 Pemex-Arbeiter bei einem Gasleck an einer Ölplattform im Golf von Mexiko. Die meisten ertranken, nachdem sie in Panik ins Meer gesprungen waren.



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Sycomere 01.02.2013
1. hmm makaber?
mal was anderes - wollte mir das video anschauen, denn kenne MX Stadt gut. warte diese Cola Werbung mit tanzenden Teenies ab bevor weinende Menschen auftauchen. Vor so einer nachricht irgendwie uncool.
holde 01.02.2013
2. Katastrophen
Ich habe geglaubt, dass nach deutschen Vorstellungen nur AKWs Katastrophen versursachen koennen.
wili564 01.02.2013
3. Anschlag oder Unfall ??
Ein Unfall durch Gas,noch dazu der schwerste seit 30 Jahren, ausgerechnet in der Zentrale eine Erdöl-und Erdgas-Konzerns. Naja.Vielleicht doch was dran an dem Privatisierungvorhaben und man will die Firma blamieren. in Mexiko ist ja vieles möglich.Siehe vorfälle und Verstrickungen im Krieg der Drogenkartelle.
mime-sis 01.02.2013
4. Hace frío
Es ist tiefster Winter in Mexiko-Stadt. Die Leute frieren ab 20 abwärts und diese Heizungen sind alles andere als sicher. Interessant "Ich dachte an meine Kinder" Das tun die Deutschen nicht mehr, wenn es um die Sicherheit rund um den Sprit geht. Ein "Spitzenkoch" und Tankstellenpächter hat in Deutschland das Leben unserer Familie durch Missachtung von Rauchverbot und Brandchutz für ein paar Cent riskiert. Eine Pemex-Tankstelle ist picobello sauber, es riecht nicht, es gibt keine Treibstoffpützen, keine Kippen, keine rauchenden saufende Kinder, keine Besoffenen, Frauen werden nicht angepöbelt. Man steigt beim Tanken nicht aus dem Auto, bezahlt direkt beim Tankwart und der Service ist excellent. In Deutschland muss man sich oft durch bazarähnliche Innenräume bis zur Kasse kämpfen. Laut "Spitzenkoch" soll Weg des Kunden zur Kasse möglichst schwierig sein. Mein Gedanke damals. "Da kommt man ja nicht mehr raus, wenns brennt und wenn der riesige Billigplüschbär vor der Tür Feuer fängt, ist Sense.
Blaue Fee 01.02.2013
5.
Zitat von mime-sisEs ist tiefster Winter in Mexiko-Stadt. Die Leute frieren ab 20 abwärts und diese Heizungen sind alles andere als sicher. Interessant "Ich dachte an meine Kinder" Das tun die Deutschen nicht mehr, wenn es um die Sicherheit rund um den Sprit geht. Ein "Spitzenkoch" und Tankstellenpächter hat in Deutschland das Leben unserer Familie durch Missachtung von Rauchverbot und Brandchutz für ein paar Cent riskiert. Eine Pemex-Tankstelle ist picobello sauber, es riecht nicht, es gibt keine Treibstoffpützen, keine Kippen, keine rauchenden saufende Kinder, keine Besoffenen, Frauen werden nicht angepöbelt. Man steigt beim Tanken nicht aus dem Auto, bezahlt direkt beim Tankwart und der Service ist excellent. In Deutschland muss man sich oft durch bazarähnliche Innenräume bis zur Kasse kämpfen. Laut "Spitzenkoch" soll Weg des Kunden zur Kasse möglichst schwierig sein. Mein Gedanke damals. "Da kommt man ja nicht mehr raus, wenns brennt und wenn der riesige Billigplüschbär vor der Tür Feuer fängt, ist Sense.
Letzte Woche war es noch sehr kalt (2°C am frühen Morgen), aber jetzt nicht mehr (ca. 10°C). Gegen Mittag ist es schon 23°C warm gewesen, also kann es keine Heizung gewesen sein. Was Sie über die PEMEX-Tankstellen sagen ist absolut richtig. Service wird noch grossgeschrieben, die Tankwarte checken auch den Luftdruck, das Öl und den Wasserstand und es ist wirklich alles sauber.
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