Explosionsserie in Amman Angriffe auf Touristenhotels, viele Tote und Verletzte

Terror in Amman: Mehrere zeitgleiche Explosionen verwüsteten am Abend drei Hotels US-amerikanischer Ketten in der jordanischen Hauptstadt. Die Zahl der Toten und Verletzten steigt rasch, mindestens 60 Menschen kamen ums Leben, mehr als 100 wurden verletzt - vermutlich durch Selbstmordattentäter.


Amman - Der Boden bebte wie bei einem Erdstoß, schwere Detonationen zerrissen die geschäftige Atmosphäre in der jordanischen Hauptstadt. Plötzlich jagten Krankenwagen durch die engen Straßen, Dutzende, nahezu ununterbrochen. Menschen rannten aus den Häusern, schrien um Hilfe. Was als friedlicher Novemberabend nach einem langen Arbeitstag begann, endete in einer Nacht des Horrors.

Nach den ersten Berichten stellt sich die Situation so dar: Kurz hintereinander ereigneten sich mehrere Explosionen in drei Hotels großer internationaler Ketten. Vermutlich drei Selbstmordattentäter hatten sich in den belebten Gebäuden in die Luft gesprengt. Ein Polizeisprecher sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AP: "Es gab drei Terroranschläge und wir glauben, dass die Explosionen von Selbstmordattentätern ausgelöst wurden."

Die Polizei erklärte, die Attacken trügen die Handschrift des Terrornetzwerks al-Qaida. Die genaue Ursache sei noch unklar. Nach den Attentaten nahm die Polizei drei verdächtige Iraker fest. Die Männer hätten in ihrem Auto Karten bestimmter Orte in Amman bei sich getragen, berichtete eine Reporterin des Senders Al-Arabija unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Bei den drei Anschlägen in der jordanischen Hauptstadt Amman sind nach einer neuen offiziellen Bilanz 67 Menschen getötet worden. Das gab der stellvertretende jordanische Regierungschef Marwan Muascher nach Angaben des Nachrichtensenders CNN am späten Mittwochabend bekannt.

Explosionen in Hotels in Amman: Rettungskräfte bergen Tote und Verletzte
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Explosionen in Hotels in Amman: Rettungskräfte bergen Tote und Verletzte

Die Explosionen ereigneten sich im Radisson SAS, im Grand Hyatt Hotel und im Days Inn Hotel. Diese liegen alle im Geschäftsviertel Jebel und werden überwiegend von internationalen Geschäftsleuten und Diplomaten frequentiert. Das Radisson Hotel sei besonders bei US-Amerikanern und israelischen Touristen beliebt, meldet CNN.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen in der jordanischen Hauptstadt explodierte zuerst ein Sprengsatz im Luxushotel Radisson SAS, einem Fünf-Sterne-Hotel im Westen Ammans. Anschließend ereigneten sich nach Informationen von Al-Arabija noch zwei weitere Explosionen in den Hotels Grand Hyatt und Days Inn. Das jordanische Staatsfernsehen berichtete, die Explosion im Radisson-Hotel habe sich in einem Festsaal ereignet. Dort hätten 250 Menschen an einer Hochzeitsfeier teilgenommen.

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Anschläge in Amman: Der Terror hat Jordanien erfasst

"Wir dachten, es gäbe ein Feuerwerk für die Hochzeit, doch dann sah ich Menschen zu Boden stürzen", sagte ein Gast der Nachrichtenagentur AP. "Ich sah Blut, Menschen starben, es war schrecklich." Bei der Explosion kamen in dem Hotel nach Angaben von Sicherheitskräften mindestens acht Menschen ums Leben. Mindestens zehn weitere seien bei der Detonation im Eingangsbereich des Grand Hyatt gestorben. Vor dem Days Inn Hotel sei eine Autobombe explodiert. Dort seien drei Angehörige einer chinesischen Delegation getötet worden, heißt es aus Sicherheitskreisen.

In ersten Fernsehbildern waren am Radisson Hotel keine größere Schäden von außen zu erkennen. Eine CNN-Reporterin vor Ort berichtete, auch das Grand Hyatt weise äußerlich keine Schäden auf. Alle drei Hotels seien von der Polizei großräumig abgesperrt worden. Bilder aus dem Inneren des Radisson und des Hyatt zeigen jedoch schwerste Verwüstungen. Vor dem Days Inn wurden mehrere Menschen getötet, an einer Außenmauer waren Brandspuren zu sehen.

Die Polizei riegelte nach den schweren Explosionen Botschaften und andere Hotels in Amman ab. Ganze Straßenzüge wurden gesperrt, Polizeitrupps durchsuchten Gebäude in der Nähe der Anschlagsorte.

Wenige Stunden vor den Anschlägen hatten die jordanischen Behörden die Festnahme von sechs mutmaßlichen Mitgliedern einer Terrorzelle bekanntgegeben. Zu der "Chatab-Brigade", wie sich die Gruppe nannte, gehörten nach Angaben des Generalstaatsanwalts vier Jordanier und zwei Palästinenser.

Das Luxushotel Radisson SAS geriet schon einmal ins Visier von Terroristen. Der heute im Irak vermutete jordanische Terroristen-Führer Abu Mussab al-Sarkawi sollte zu den Milleniumsfeiern in Amman Anschläge geplant haben. Als eines der Ziele galt das ausgebuchte Radisson SAS-Hotel. Im Oktober 1999 flog die Terror-Zelle jedoch auf, jordanische Ermittler verhafteten mehr als ein Dutzend Extremisten. Sarkawi konnte entkommen. Die Islamisten sollen Sprengstoffanschläge auf US-amerikanische Touristen in Hotels in Amman und in dem jordanischen Badeort Akaba am Roten Meer geplant haben.



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